Alternative Ökonomie

Die Wirtschaft der kollektiven Selbstverwaltung

Alternative Ökonomie ist eine Ökonomie, die sich von der vorherrschenden Ökonomie befindet und eine Alternative zu ihr bieten will. Sie ist stärker gebrauchswertorientiert und die Arbeit in dieser Ökonomie soll stärker auf kollektive Selbstverwaltung und Kollektivität beruhen als auf der Konkurrenzökonomie.

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Was ist Alternative Ökonomie?

Alternative Ökonomie ist eine Ökonomie, die sich von der vorherrschenden Ökonomie befindet und eine Alternative zu ihr bieten will. Sie ist stärker gebrauchswertorientiert und die Arbeit in dieser Ökonomie soll stärker auf kollektive Selbstverwaltung und Kollektivität beruhen als auf der Konkurrenzökonomie.[1]

Enstehung der Alternativen Ökonomie in der BRD

Vorläufer der Alternativen Ökonomie fanden sich in Selbsthilfeprojekten der Arbeiterbewegung. Hier sind die Kleingarten-Anlagen ebenso zu nennen, wie Nachbarschaftshilfen, Projekten der Arbeiterkultur bis hin zu wirtschaftlichen Organisationen der Gewerkschaften wie Lebensmittelläden oder Wohnungsbau-Gesellschaften.

Ausschlaggebend für die Alternative Ökonomie im engeren Sinne war die Alternativbewegung. Die ersten selbstverwalteten Projekte dienten den Bedürfnissen in diesem Mileiu. So fanden nicht zufällig die ersten Versuche, selbstverwaltete Projekte zu gründen, im Medienbereich statt. Beispielsweise unterhielt die Kommune 2 1967 eine Druckerei, mittels derer sie Schwarzdrucke und eigene Broschüren anfertigte und vertrieb, mit denen sie sozialistische Inhalte verbreitete.

Bis Mitte der 1970er Jahre war die Gründung von selbstverwalteten Projekten zumeist auf die im Medienbereich arbeitenden Projekte (Verlage, Zeitschriften und Druckereien) beschränkt[2]. Zu dieser Zeit entstanden Kommunen und Kollektive, die im Sinne der Alternativen Ökonomie arbeiteten. Aber erst ab 1978, im Zusammenhang mit dem Tunix-Kongress in Berlin, diskutierte man dies unter dem Label "Alternative Ökonomie". Während des Tunix-Kongresses wurde beispielsweise das Projekt die tageszeitung vorgestellt und zeitgleich in Bremen der erste Gesundheitsladen gegründet. Wichtig war ebenfalls die Entstehung des Theoriearbeitskreis Alternative Ökonomie (TAK AÖ) der AG SPAK im selben Jahr, der mit einem jährlichen Rundbrief und mehreren Seminare den Entstehungsprozess der Alternativen Ökonomie theoriebezogen begleitete. Eine wissenschaftliche Reflektion der Alternativen Ökonomie fand in Hamburg mit der Tagung des Sozialistischen Büros zum Thema statt. Als wichtige Anschubfinanzierungsquelle für Projekte der Alternativen Ökonomie wurde das ebenfalls 1978 gegründete Netzwerk Selbsthilfe genutzt, welches auch in organisatorischen und rechtlichen Fragen half.[3]

1979 entstanden in den Berliner Projekten Mehringhof und UFA-Fabrik zahlreiche Alternativprojekte. Im Grünen Netz vernetzten sich Erzeuger und Erzeugerinnen sowie Verbraucher und Verbraucherinnen von Produkten des biologischen Landbaus. Nach dem erfolgreichen Kampf gegen den Diktator Somoza in Nicaragua bauten Solidaritätsgruppen unter anderem auch in Deutschland einen direkten Handel auf, welcher Bauern garantierte Preise für Bananen und Kaffee zuführte.[3]

Heutiger Bioladen - Anfang der 1980er Jahre typisches Projetkt einer Alternativen Ökonomie
Foto erstellt von Acht&Siebzig CC-by-SA

1980 schlossen sich 80 Institute zu einer Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Forschungsinstitute zusammen. 1981 gründeten Frauen nach einem Streit beim Netzwerk Selbsthilfe Berlin das Frauennetzwerk Goldrausch. Politisch wurden die selbstverwalteten Betriebe und Projekte mit ihren Boykott gegen die Volkszählung 1983 auffällig. 1984 begann die Gründung der Ökobank. Im selben Jahr erschien das Wandelsblatt, welches sich später umbenennen musste und seitdem als Contraste erscheint.[3]

In den 1990ern wurde die Alternative Ökonomie um neue Ideen bereichert. So fand 1996 der erste Kongress der Tauschringe statt[3] und zunehmend wurde im Zusammenhang mit Alternativer Ökonomie über Existenzgeld diskutiert[4]

Es sieht so aus, als würde der Begriff der Alternativen Ökonomie durch den der Solidarischen Ökonomie ersetzt. Vom 24. bis 26. November 2006 fand in Berlin ein erster Kongress zur Solidarischen Ökonomie mit 150 Workshops statt.[5]

Motive zur Gründung alternativer Projekte

Waldemar Schindowski[6] unterscheidet fünf Motive, die in den siebziger Jahren zur Entstehung von selbstverwalteten Betrieben geführt haben:

  • der Wunsch nach Einheit von Privatleben und Arbeit
  • fehlende Berufsperspektiven insbesondere bei Akademikern
  • das Scheitern der Betriebsintervention linker Gruppen Anfang der 1970er
  • die neu entstehende Ökologie-Diskussion
  • das selbstbewusste Auftreten der Frauenbewegung

Literatur

Bücher

  • Waldemar Schindowski, Elisabeth Voß: Jahrbuch Nachhaltiges Wirtschaften. Ausgabe 1. 2001, AG SPAK Bücher
  • Waldemar Schindowski: Alternative Ökonomie. Eine Bibliographie. 1992, Berlin: ID-Verlag
  • Rolf Schwendter (Hg): Die Mühen der Berge, Teil 1 - Grundlegungen zur alternativen Ökonomie. 1986, AG SPAK Bücher
  • Rolf Schwendter: Die Mühen der Ebene, Teil 2 - Grundlegungen zur alternativen Ökonomie. AG SPAK Bücher, 1986
  • Flieger / Nicolaisen / Schwendter (Hg): Gemeinsam mehr erreichen. Kooperation und Vernetzung alternativ-ökonomischer Betriebe und Projekte. 1995, AG SPAK Bücher
  • Verein zur Förderung des Genossenschaftsgedankens (Hg): Archiv CD-Rom - Archiv. Neue Genossenschaften, Alternative Ökonomie, Beschäftigungsinitiativen. Konzept und Realisierung: Waldemar Schindowski 1998 CD-Rom + Begleitbuch
  • Haus der Gewerkschaftsjugend (Hg): Kapitalismus ohne Alternativen? In Kooperation mit dem Theoriearbeitskreis Alternative Ökonomie (TAK AÖ) 1999, AG SPAK Bücher
  • Sebastian Münz: Flohmarkt. Märkte - Menschen - Waren. 2 aktualisierte Auflage. 2005, AG SPAK Bücher
  • Johannes Berger: Alternative Wirtschaftspolitik. Methodische Grundlagen - Analysen und Diskussion. 1979, Argument-Verlag
  • Rainer Duhm: Wenn Belegschaften ihre Betriebe übernehmen: Probleme und Chancen selbstverwalteter Fortführung von Krisenbetrieben. 1990, Frankfurt/Main (u.a.): Campus

Zeitschriften

  • Contraste. Monatszeitung für Selbstorganisation Heidelberg

Weblinks


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References

  1. Rolf Schwendter: Alternative Ökonomie. Negation der Globalisierungstendenzen?
    link
  2. Waldemar Schindowski: Alternative Ökonomie. Eine bibliographie, Edition ID-Archiv, Amsterdam 1990, S.6
    link
  3. Waldemar Schindowski: Chronologie Alternative Ökonomie 1978ff
  4. Hinrich Garms: Alternative Ökonomie und Existenzgeld. Eine Chance für eine nachhaltige Entwicklung, in: Waldemar Schindowski, Elisabeth Voß: Jahrbuch Nachhaltiges Wirtschaften. Ausgabe 1. (2001) AG SPAK Bücher
  5. Wie Wollen Wir Wirtschaften? Solidarische Ökonomie im globalisierten Kapitalismus Kongress vom 24. bis 26. November 2006 in Berlin
    link
  6. Waldemar Schindowski: Alternative Ökonomie. Eine bibliographie, Edition ID-Archiv, Amsterdam 1990, S.6

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Andreas Kemper
Andreas Kemper
Soziologe (M.A.)
Münster, Deutschland (Germany)
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