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Seilzugangstechnik SZP

Klettertechnik für Industrie und Handwerk

Seilzugangstechnik ( SZT / SZP ) ist das fachliche und gesetzlich anerkannte Arbeitsverfahren für gewerbliche Kletterarbeiten im Zuständigkeitsbereich der BAU-BG.


Begriffliche Abgrenzung

 
Seilzugangstechnik (SZT) ist das fachliche und gesetzlich anerkannte Arbeitsverfahren für gewerbliche Kletterarbeiten im Zuständigkeitsbereich der BAU-BG.
 
Die Verwendung kosmetischer Synonyme wie Seilunterstützte Zugangstechniken (SZT) oder irreführende Begriffe wie seilgestützte Arbeitsverfahrenseilunterstützte Arbeitstechnik, Industrieklettern, Arbeit am Seil sollten im Sinne der Eindeutigkeit zur Vorbeugung von Missverständnissen nicht verwendet werden.
 

Innerhalb dieser Zuständigkeit wird derzeit der fachlich passendere Begriff „Seilzugangs- und Positionierungstechnik (SZPT) diskutiert. Dieser findet jedoch aktuell keine Anwendung.

Der „Seilzugangstechniker“ ist kein anerkannter Beruf, folgt aber internationalen Richtlinien.

In Deutschland wird die Ausbildung durch Berufskletterschulen und die Kontrolle durch den Fach- und Interessenverband für Seilunterstützte Arbeitstechniken e.V. (FISAT e.V.) organisiert.

Österreich     [[Höhenfachkraft]]
England         [[Rope access]]
Frankreich     [[Cordiste]]
Polen             [[Alpinizm przemysłowy]]

Rußland         [[Промышленный альпинизм]]

 

Rechtliche und Fachliche Abgrenzung

 
Klettern als Beruf grenzt sich erheblich vom Klettern als Sport ab, da die Motivation hier nicht aus der persönlichen Bezwingung eines Hindernisses erfolgt, sondern aus der entgeltlichen, problemorientierten Lösung einer Aufgabe.

Somit bedingt die gewerbliche Arbeit als Berufskletterer (vgl. Berufstaucher), eine zwingenden Berücksichtigung der geltenden Gesetze zum Arbeits- und Gesundheitsschutz.

Weiterhin muss innerhalb der Berufskletterei im Detail auch zwischen der industriell- handwerklich geprägten Seilzugangstechnik (SZT) und der baumpflege- orientierten Seilklettertechnik (SKT) zusätzlich unterschieden werden.

Die SKT ist eine ergonomisch auf den typischen Arbeitsplatz (Baum) zugeschnittende Klettertechnik. Sie unterliegt in ihrer Anwendung, den von der Gartenbau-Berufsgenossenschaft observierten Arbeits- und Gesundheitsschutzgesetzen. Zusätzlich finden hier zum Zwecke des Baum- und Gehölzschutzes spezielle Eingriffsregelungen des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) Anwendung.   

Kurzum dürfen Seilzugangstechniker keine Baumpflege betreiben bzw. die ausschließlich in der SKT ausgebildeten Baumpfleger keine Arbeiten im Zuständigkeitsbereich der BAU- Berufsgenossenschaft erledigen.

Der wahrscheinlich größte fachliche Unterschied beider Techniken liegt sicherlich im Teilverzicht auf |redundante Klettersysteme innerhalb der SKT, wogegen im Bereich Seilzugangstechnik (SZT) grundsätzliche Redundanz hergestellt wird und bleibt.

Die organisierte Höhenrettung und Bergrettungsdienste sind in Anlehnung an ihre speziellen Anforderungen  in Ausbildung und Material ebenfalls keine Einsatzgebiete der Seilzugangstechnik (SZT).
 
 

Typische Einsatzgebiete der Seilzugangstechnik

 
* Durchführen von Fotodokumentationen und Baugutachten
* Wartungsarbeiten an hohen Gebäuden z.B. Windenergieanlage, Reinigung und Reparatur
    von Kirchendächern
* Installation von Werbebannern
* Dachreparaturen und Holzschutz
* Montage von Taubenabwehr und Blitzschutzanlagen,
* Schornsteinsanierung, Fassadensanierung, Fugensanierung & Dichtungsarbeiten
* Fenster- und Dachrinnenreinigung, Reinigungsarbeiten im Industrie- und Kraftwerksbereich
* Montage von Personenfangnetzen, Staubschutznetzen sowie von Schutzmatten im Vorfeld von Sprengungen
* Korrosionsschutz- und  Stahlbaumontagearbeiten
* Personen- und Materialsicherungsarbeiten bei Filmproduktionen, Wartung von Bühnenseilzuganlagen
* im Bühnenbau und in der Veranstaltungstechnik als ''Climber'' oder ''Rigger''
 
Seilzugangstechnik kann überall dort eingesetzt werden, wo die generelle Absturzgefährdung nicht durch umweltbezogen- zusätzliche Gefahren (Strom, Hitze, Kälte, Gas) dominiert wird.
 
 

Vorteile der Seilzugangstechnik

 

Seilzugangstechnik kann baustellenabhängig große Vorteile gegenüber dem Gerüstbau oder dem Einsatz eines Krans bzw. anderer Zugangsverfahren haben, da sie wesentlich flexibler ist.

Darüber hinaus lassen sich auch stark exponierte Arbeitsplätze (zu hoch bzw. schwer zugänglich) unter Umständen eher erreichen.
 
 

Arbeitsverfahren

 

Seilzugangstechniker seilen sich unter Verwendung von genormter Spezialausrüstung wie halbstatische Seile, Verbindungselemente (Karabiner) und -mittel (vernähte Bandschlingen), selbstblockierende Abseilgeräte und mitlaufende Auffanggeräte sicher an die Arbeitsstelle ab und verrichten dort ihre Aufgaben. Anschließend seilen sie sich dann abhängig von den örtlichen Gegebenheiten bis zum Boden ab oder steigen am Seil wieder auf.

Seilzugangstechniker arbeiten grundsätzlich im mind. 2- Mann- Team und in Sicht- und Hörweite. Neben dem in der Ausbildung sehr starken Fokus auf Rettungstechniken ist dies Grundvoraussetzung um bei Gefahren wie dem Hängetrauma selbst schnell reagieren zu können.

 
 

Voraussetzungen für die Anwendung von Seilzugangstechnik SZT

 
  • 18 Jahre
  • gültige arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung G41, oder H9
  • gültiger Erste Hilfe Lehrgang (16h) nicht älter als 24 Monate
  • erfolgreich abgeschlossener Lehrgang SZT 1: Seilzugangstechnik Grundkurs Höhenarbeiter
  • Nachweis über die jährlich notwendige Wiederholungsunterweisung (WU)
  • Nachweisführung über die geleisteten Seilstunden
 
Eine spezielle handwerkliche Vor- bzw. Ausbildung ist in der späteren Ausübung hilfreich, aber nicht Grundvoraussetzung für die Ausbildung zum Seilzugangstechniker.
 
 

Ausbildung und Weiterbildung Seilzugangstechnik SZT

 
  

Ausbildungsorte?

 
 
 

Geschichte der Seilzugangstechnik ( Industrieklettern )

 

Erfunden wurde die heutige Seilzugangstechnik vor rund 35 Jahren in England. Die Errichtung, Wartung und Sanierung der Bohrinseln in der Nordsee bewog britische Alpinisten mit Seiltechniken zu arbeiten.

Es entstand das Arbeitsverfahren mit einem zweiten Sicherungsseil. Die Öl- und Gasindustrie verlangte nach einem redundanten Seil und speziell am Seil ausgebildeten Arbeitskräften.

Es wurde später der Verband ''Industrial Rope Access Trade Association (IRATA) gegründet. Mit weltweit über 15000 lizensierten Seilzugangstechnikern die größte Vereinigung im Bereich der nationalen Verbände.

Etwa 10–15 Jahre später wurde diese Technik auch in der DDR eingesetzt.

Damals waren viele Plattenbauten stark sanierungsbedürftig, da der Beton undicht wurde und Kälte und Nässe durchließ. Da Gerüste oder Hebebühnen Mangelware waren, kletterten Hobbyalpinisten selbst an die Fassaden und reparierten sie, ohne ein Gerüst, Hebebühne oder Kran zu benötigen. Nach der Wiedervereinigung wurde die Industriekletterei in ihrer Entwicklung gestoppt, da diese Form der Bauarbeit vom Arbeitsschutz nicht anerkannt wurde. Erst 1995 wurde in Deutschland der FISAT e.V gegründet. Der Verband brachte ein Expertengremium aus Industrie, Wirtschaft, Höhenrettung und Gesetzliche Unfallversicherungsträgern zusammen und organisiert seit dem die öffentliche Anerkennung der Seilzugangstechnik.
 
Im selben Jahr etablierten die Künstler Christo und Jeanne-Claude die SZT in Europa weiter, indem ihr Mitarbeiter Bodo Senkel eine Sondergenehmigung deren Einsatzes bei der Verhüllung des Reichstags erwirkte.
 
Einen endgültigen Platz in der Bausparte Deutschlands erreichte die SZT 1997, als der FISAT Richtlinien zur Ausbildung und Sicherheit herausgab und damit die letzten Bedenken in den Ämtern zerstreute. Seit 1997 müssen Seilzugangstechniker eine anerkannte Ausbildung absolvieren, die unter Beweis stellt, dass sie verantwortungsvoll auf Baustellen unter größtmöglicher Verhinderung einer Gefährdung Dritter agieren kann.
 
 
 
== Normen und Standards ==
FISAT Richtlinien zur Ausbildung und Sicherheit
 
== Siehe auch ==
 
== Quellen und Weblinks ==
www.fisat.de
wikipedia (industrieklettern, seilzugangstechnik)
 
== Weblinks ==

 

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Zuletzt bearbeitet: 28.08.2009 04:20.

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