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Der Weg zum Samadhi

Patanjalis vier Phasen der Meditation

Die im acht-gliedrigen Pfad des Yoga-Sutra aufgezählten vier Phasen der inneren Versenkung führen von der Sammlung, dem Nach-Innen-Kehren der Aufmerksamkeit, bis zum höchsten Zustand, dem Samadhi


Der Weg zum Samadhi – Patanjalis Phasen der Meditation


Die im acht-gliedrigen Pfad (Yoga Sutra II/29) aufgezählten vier Phasen der inneren Versenkung führen von der Sammlung, dem Nach-Innen-Kehren der Aufmerksamkeit, bis zum höchsten Zustand, dem Samadhi. Am Ende des zweiten und Anfang des dritten Kapitels des Yoga-Sutra erklärt Patanjali die vier Phasen:


1. Phase: Pratyahara/Einstimmung

II/54: sva-vishaya-asamprayoge chittasya-svaruupa-aukaara iva indriyaanaam pratyaahaarah

Die Sinne werden zurückgezogen und gehen ein in die seelische Welt – keine Bindung mehr an die Objekte.

II/55: tatah paramaa vashyata-indriyaanaam

Daraus entsteht der höchste Gehorsam der Sinne.


2. Phase: Dharana

III/1: desha-bandhash chittasya dhaaranaa

Die Konzentration des Geistes auf einen Punkt ist Dharana.


3. Phase: Dhyana

III/2: tatra pratyaya ekataanataa dhyaanam

Das ununterbrochene Fließen des Bewusstseins (wörtl.: „die Ausdehnung eines einzelnen geistigen Impulses“) dorthin ist Dhyana (= Meditation).


4.Phase: Samadhi

III/3: tad evaa artha-maatra-nirbhaasam svaruupa-shuunyam iva samaadhih

Wird das Objekt leuchtend und leer von der eigenen Gestalt in seiner ureigenen Form wahrgenommen, ist dies Samadhi.

Im Samadhi nimmt man ohne die Trennung von Wahrnehmenden und Wahrgenommenen die Objekte direkt wahr, gewissermaßen in ihrem ureigenem Wesen ohne äußerliches oder subjektives „Blendwerk“, welches die Wahrnehmung verzerrt.


Mantra-Meditation

Es ist nicht leicht, die völlige Ablösung des Geistes aus der Außenwahrnehmung zu erreichen, wenn man sich auf ein äußeres Objekt konzentriert, wie bei der Meditation auf ein Mandala oder ein Licht, eine Blume etc. Der einfachste und in der Tradition des Yoga meistbegangene Pfad ist alleine schon deshalb der Pfad über den Klang, meist über ein Mantra, eine Klangsilbe – wobei es Mantras mit ungeheurer Kraft gibt.


1. Phase: Pratyahara/Einstimmung


Wir ziehen die Sinne von der Außenwahrnehmung ab und nehmen das Mantra auf. Es mischen sich Gedanken und das Denken des Mantra, man registriert Geräusche, man überprüft die Sitzhaltung etc. Und all das lassen wir einfach geschehen, bewerten nicht und üben keine Kontrolle aus.


2. Phase: Dharana


Wir wenden uns konsequent dem Mantra zu. Wir bemerken die vorbeiziehenden Gedanken, aber wir bilden keine Gedankenketten, wir lassen uns auf keinerlei Äußerlichkeiten mehr ein.


3. Phase: Dhyana


Mit mehr und mehr Routine in der Einstimmung merken wir, dass wir in eine Tiefe eintauchen, in der der Atem kaum spürbar ist, die Gedanken weniger werden und das Mantra sehr sehr fein wird, ja, oft ganz verschwindet. Die Lücke, die immer, auch im Alltag, zwischen den einzelnen Gedanken und Wahrnehmungen ist, diese Lücke wird während der Meditation größer und größer. In der Lücke erfahren wir das reine, unberührte Selbst und können oftmals nur kurz in ihm verweilen. Schauen sie während dieser Phase nicht nach, ob sie denn noch denken, überprüfen sie nicht, ob und was es „wirklich“ ist – dann fallen sie nämlich sofort aus diesem Zustand hinaus. Es ist ein kurzer Glimpse des Samadhi, auch oft für die Dauer einiger Sekunden. Keine Sorge, es wird sich ausdehnen. Bloß haben sie hier kein Zeitempfinden, es ist unmöglich einzuschätzen, wie lange man denn jetzt diesen Zustand aufrecht erhalten kann oder wie lange man in ihm gewesen ist. Wörtlich schreibt Patanjali dazu: „Dahin die Ausdehnung eines einzelnen geistigen Impulses - Dhyana.“ [Im Original: tatra pratyaya ekataanataa dhyaanam. tatra: dahin; pratyaya: geistiger Impuls; eka: einzig; taanataa: Ausdehnung; dhyana.“]


4.Phase: Samadhi

Geschehenlassen

Mit zunehmender Praxis gleitet man unmerklich in einen neuen Zustand, in dem die Gedanken einen nicht mehr bedrängen, wo man sie nur noch quasi als Hintergrundrauschen wahrnimmt. Jetzt ist es wichtig, nicht ständig nachzusehen, ob man denn noch denkt, sondern die Gedanken im Hintergrund einfach geschehen zu lassen. Sie werden wesentlich leiser, unaufdringlicher. Man fokussiert sich jetzt auf das "entkörperlichte Schweben im Raum", so ungefähr könnte man diesen Zustand beschreiben, obwohl jeder das etwas anders erleben mag. Das Mantra ist nur noch als zarter Impuls vorhanden, oft verschwindet es ganz und man sollte nicht versuchen, es im Geiste gewissermaßen "lauter" oder deutlicher zu denken.

Wachheit

Bewahren sie auf jeden Fall auch hier ihre wache Aufmerksamkeit, gleiten sie nicht in Unbewusstheit. Lassen sie sich nie von Erfahrungen überwältigen, bleiben sie unbeteiligter Beobachter. Natürlich sollte man so wenig als möglich eingreifen und versuchen, die Dinge zu manipulieren, aber der Verlust der Selbstkontrolle und Geistesgegenwart sind nie richtig – auch hier nicht!

Zeitlosigkeit

Ein sicheres Merkmal, ob man die zweite Phase erreicht hat, ist immer die Erfahrung, dass man "ewig" so weitermachen könnte. Dass man nicht mehr das Bedürfnis hat, abzubrechen.

Sitzhaltung

Oft sind einem inzwischen die Füße eingeschlafen, da die Sitzhaltung die Blutzirkulation behindert oder ein Nerv blockiert wird – dann ist es sehr angenehm, die Beine auszustrecken und sich auch mal für einige Zeit anzulehnen. Sie werden bemerken, dass die geänderte Sitzhaltung den Samadhi nicht behindert und man auch bei leichten Bewegungen nicht aus diesem beseligendem Zustand gleitet.

Kontrollverlust

Sollten sie einen Kontrollverlust bemerken, dann brechen sie ab. Legen sie sich entspannt 10 bis 20 Minuten auf den Rücken und beenden sie damit ihre Meditationssitzung. Sollten noch Erfahrungen nachwirken, dann beginnen sie danach mit erdenden Tätigkeiten, z.B. kann man dann schön den Abwasch machen oder in den Garten gehen und etwas in der Erde wühlen. Das beruhigt die aufgewühlten Energien.


OM

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Bhaskar
Bhaskar
Yoga Lehrer
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Zuletzt bearbeitet: 05.12.2008 08:59.

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