Die Yoga-Sutras des Patanjali I/24 - 38
I/24: klesha-karma-vipaaka aashayair aparaamrishtah purusha-vishesha ishwarah
Die höchste Gottheit (ishwara) ist eine hohe Seele zentrierten Bewusstseins und bleibt unberührt von den „Plagen“, dem Gesetz des Handelns und innewohnenden Wünschen.
(s. auch: II/2)
I/25: tatra niratishayam sarvajna–biijam
In ihm liegt der höchste Ursprung (bija: Grundprinzip, Same, Ursprung) der Allwissenheit
I/26: puurveshaam api guruh kaalena-anavacchedaat
Da er (Ishwara, die höchste Gottheit) nicht durch die Zeit begrenzt ist, ist er der Lehrer und Meister der Meister.
I/27: tasya vaachakah pranavah
Er wird offenbar im Wort Om.
I/28: taj-japas tad–artha–bhaavanam
Stetige hingebungsvolle Wiederholung (Japa) des OM enthüllt seine Bedeutung.
I/29: tatah pratyakchetanaa-adhigamo’ py antaraayaa–abhaavash cha
Durch diese Übung erreicht man den im Innern ruhenden Geist und sie beseitigt dabei alle Hindernisse.
I/30: yaadhi–styaana–samshaya pramaada-aalasya–avirati–bhraantidarshana–alabdhabhuumikatva-anavasthitatvaani chitta–vikshepaas te’ ntaraayaah
Krankheit, geistige Unbeweglichkeit, Zweifel, Achtlosigkeit, Trägheit, Verhaftung und schwankende Ansichten erzeugen geistige Haltlosigkeit und einen unbeständigen, zerstreuten Geist – sie hemmen den Fortschritt.
I/31: duhkha-daurmanasya-angamejayatva-shvaasa-prashvaasaa vikshepa- sahabhuvah
Leid, Verzweiflung, Zittern der Glieder und unruhige Atmung sind Anzeichen eines verwirrten Geistes.
I/32: tat–pratishedha-artham eka–tattva-abhyaasah
Um das zu beseitigen, hilft das Festhalten an einem Aspekt der Wahrheit.
I/33: maitrii–karunaa–muditaa-upeksaanaam sukha–duhkha–punya-apunya–vishayaanaam bhaavanaatash chitta prasaadanam
Die Ruhe des Geistes wird verwirklicht durch Freundlichkeit, Mitgefühl, Heiterkeit, Genügsamkeit, innere Freude, Unberührtheit durch Freud und Leid oder Verdienst und Schuld – so erlangt man die Klarheit (Reinheit, das In-Sich-Ruhen) des Geistes.
I/34: pracchardana–vidhaaranaabyam vaa praanasya
Oder durch das Ausstoßen und Anhalten des Atems erlang man es (die Klarheit, Reinheit, das In-Sich-Ruhen des Geistes).
I/35: visayavati vaa pravrttir utpannaa manasah sthitinibandhani
Oder eine konzentrierte Beschäftigung, die alle Sinne einschließt, hilft bei der Begründung (der Klarheit, Reinheit, des In-Sich-Ruhens des Geistes).
I/36: vishokaa vaa jyotishmatii
Auch die Konzentration auf das innere Licht erzeugt es.
I/37: viita-raaga-vishayam vaa chittam
Auch der Geist, der sich auf die Überwinder der Leidenschaften richtet, erlangt es.
Wobei es reine Symbole (= vishayam) der Leidenschaftslosigkeit ebenso wie die lebenden Verkörperungen der Nicht-Verhaftung (sprich: die Meister) sein können. Die Konzentration auf diese bewirkt ganz natürlich eine Belebung dieser Qualitäten in uns.
I/38: svapna-nidraa-jnaanaalambanam vaa
Oder durch Versenkung in das Wissen, das man im Traum oder im Tiefschlaf erhält, erlangt man es.
Im der Tradition des Yoga wird unterschieden zwischen drei Bewusstseinszuständen: Das Wachbewusstsein, in dem man die „reale“ Welt wahrnimmt und diese auch allein gültig für real hält, dem Traumzustand, in dem man die astrale Traumwelt wahrnimmt, in ihr lebt und reagiert, und die Welt des Tiefschlafes, die keinerlei benennbare Erfahrungen enthält.
Doch auch im Traumzustand kann man Erfahrungen machen, hat die Möglichkeit zu Begegnungen mit hochgestellten oder verwirklichten Seelen und kann diese Erfahrungen in der Alltagswelt nutzen.
Denn neben den drei erwähnten Zuständen bildet das Gegründetsein im Selbst, die Perspektive des Selbst, den vierten Zustand (im Sanskrit mit „Turiya“ bezeichnet, wörtlich dem „Viertem“), der alle drei „normalen“ Zustände einschließt. Das Selbst ist der unbeteiligte Beobachter all unserer Erfahrungen, sei es im Traum, im Tiefschlaf oder im Wachbewusstsein. So erleben wir gegründet im Selbst auch wach und bewusst unsere Träume als reales Geschehen und auch erleben wir bewusst die tiefe Stille und Ruhe des Tiefschlafes.Diesen Zustand erleben wir erst phasenweise, dann immer stetiger in der Meditation, wir lernen ihn mehr und mehr aufrecht zu erhalten, bis er zu unserem natürlichen Zustand zu allen Zeiten wird.
OM





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