Die Yoga-Sutras des Patanjali II/40 - 55

Zweites Kapitel: Sadhana Pada / Der Pfad der Übung

Zweites Kapitel: Sadhana Pada / Der Pfad der Übung


Die Yoga-Sutras des Patanjali  II/40 - 55


II/40: shauchaat sva-anga-jugupsaa parair asamsargah

Durch die (erlangte) Reinheit hat man den Wunsch, den Körper vor dem Kontakt mit anderen zu schützen.


Die hier als Resultat erlangte Reinheit geht weit tiefer als das, was wir gemeinhin unter Reinheit verstehen. Das Wasser, das uns gebracht wird mag ja in einem sauberen Gefäß gebracht werden und die Flüssigkeit aus einer klaren Quelle gewonnen sein, und doch wird es beeinflusst von den Qualitäten des Überbringers. Alle Gedanken und die innere Gestimmtheit des Überbringers gehen in das Wasser, sie verändern es und es wird auch den Empfänger beeinflussen.

 

II/41: sattvashuddhi-saumanasya-ekaagrata-indriyajayaa-atmadarshana-yogyatvaani cha

Aus der Reinheit entstehen auch Klarheit des Geistes, innere Heiterkeit, die Kraft zur geistigen Sammlung, Beherrschung der Sinne und die Schau des Selbst.


II/42: samtoshaad anuttamah sukhalaabhah

Aus der Zufriedenheit erlangt man höchstes Glück.


II/43: kaaya-indriya-siddhir ashuddhi-kshayaat tapasah

Die Übungen der Selbsdisziplin lassen die Unreinheiten Schwinden und man erlangt Vollkommenheit von Körper und Sinnen.


II/44: svaadhyaayaad ishta-devataa-samprayogah

Durch das Studium (der heiligen Schriften) erlangt man die Vereinigung mit der erwählten Gottheit.


II/45: samaadhi-siddhir ishwarapranidhaanaat

Durch Hingabe an die Gottheit erreicht man den vollendeten Samadhi (versinkt man im Selbst).


II/46: sthira-sukam aasanam.

Die (Sitz-) Haltung sei fest und bequem.


II/47: prayatna-shaithilyaa-anantya-samaapattibhyaam

Diese (Sitz-) Haltung gelingt durch Entspannung und das Eintreten in unendliche Weite.


II/48: tato dvandva-anabhighaatah

Dann können keine Angiffe aus der Welt der Dualität mehr treffen.


II/49: tasmin sati shvaasa-prashvaasayor gati-vicchedah praanaayaamah

Nun folgt die Atemkontrolle, das Beenden der Bewegungen von Ein- und Ausatmung.


II/50: baahya-aabhyantara-stambha-vrittir desha-kaala-samkhyaabih paridrishto diirgha-suukshmah

Die Hemmung außerhalb (des Körpers, also nach der Ausatmung) und die Hemmung innerhalb (des Körpers, nach der Einatmung) übe man unter Beachtung des Ortes, der Zeit und der Anzahl bei stetiger Verfeinerung.


Im Buddhismus gibt es eine schöne Anweisung zu den Atemübungen:

Da setzt sich, ihr Mönche, ein Mönch, nachdem er sich in einen Wald, an den Fuß eines Baumes oder an eine einsame Stätte begeben hat, mit gekreuzten Beinen nieder, den Körper aufgerichtet und erweckt das (rechte) Gedenken (sati). Besonnen atmet er ein, besonnen atmet er aus.

Atmet er lang ein, so ist er sich wohl bewußt: Ich atme lang ein';

oder atmet er lang aus, so ist er sich wohl bewußt: ,Ich atme lang aus';

oder atmet er kurz ein, so ist er sich wohl bewußt: ,Ich atme kurz ein';

oder atmet er kurz aus, so ist er sich wohl bewußt: Ich atme kurz aus'.

Jeden Atemzug voll empfindend will ich einatmen', so übt er sich;

jeden Atemzug voll empfindend will ich ausatmen', so übt er sich.

(Diesen) Körper-Prozeß beruhigend will ich einatmen', so übt er sich;

(diesen) Körper-Prozeß beruhigend will ich ausatmen', so übt er sich"

[J.W. Hauer, „Der Yoga, Verlag Bruno Martin, S. 168]


II/51: baahya-abhyantara-vishaya-aakshepii chaturthah

Es gibt es eine vierte Art, die über die Innere und die Äußere hinausgeht.


In der Meditation verläßt man nach und nach den Bereich von Ein- und Ausatmung, im Samadhi setzt der Atem ganz aus und man verweilt im Selbst.

II/51: baahya-abhyantara-vishaya-aakshepii chaturthah

Es gibt es eine vierte Art, die über die Innere und die Äußere hinausgeht.


In der Meditation verläßt man nach und nach den Bereich von Ein- und Ausatmung, im Samadhi setzt der Atem ganz aus und man verweilt im Selbst.


II/52: tatah kshiiyate prakaasha-aavaranam

Dann löst sich der Schleier, enthüllt das Licht...


II/53: dharanasu cha yogyata manasah

...und der Geist wird fähig zur Konzentration.


II54: sva-vishaya-asamprayoge chittasya-svaruupa-aukaara iva indriyaanaam pratyaahaarah

Die Sinne werden zurückgezogen und gehen ein in die seelische Welt – keine Bindung mehr an die Objekte.


II/55: tatah paramaa vashyata-indriyaanaam

Daraus entsteht der höchste Gehorsam der Sinne.


OM

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Zuletzt bearbeitet: 21.12.2008 01:41.

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