Was ist ein Fernstudium?
Fernstudium bezeichnet ein grundständiges, staatlich anerkanntes Studium, welches weitgehend nicht in Seminarräumen stattfindet. Obwohl das Fernstudium staatlich anerkannt ist, wählen nur wenige Studenten und Studentinnen diese Studienform. Der weitaus größte Teil der Studierenden bevorzugt das Präsenzstudium. Ein Fernstudium kann auch gemeinsamen Unterricht in Schulungsräumen beinhalten, das Wissen wird jedoch in der Regel durch das zum Fernstudium angepassten Lehrmaterial verbreitet, wobei den neuen Möglichkeiten des Internet eine zunehmend größere Rolle zukommt. Die Nachfrage nach einem Fernstudium ist in den letzen Jahren gestiegen.
Die Leistung wird kontrolliert durch eingsendete Aufgaben und durch Prüfungen, die in Seminarräumen stattfinden, also eine Präsenz voraussetzen. Die zu erreichenden akademischen Grade sind vergleichbar mit denen des Präsenzstudiums.
Das Fernstudium unterscheidet sich vom Fernunterricht durch die akademische Qualität. Während es sich bei dem Fernstudium um ein "echtes" Studium handelt, bietet der Fernunterricht ein anderes Niveau und führt auch nicht zu einem Hochschulabschluss.
Geschichte
Der ältere Name für das Fernstudium lautete Korrespondenzkurs. Vor allem die Vereinigten Staaten unternahmen im 19. Jahrhundert verschieden Versuche, ein Studium über das Versenden von Briefen (Korrespondenz) zu ermöglichen. Die Universität Wisconsin bot bereits 1891 einen Korrespondenzkurs an[1]. Das erste in Deutschland gegründete Institut für ein Fernstudium war das vor dem ersten Weltkrieg gegründete Rustinsche Lehrinstitut für Selbstunterricht in Potsdam (später Düsseldorf). Diese Institut blieb bis in die 1960er Jahre hinein der einzige Anbieter für einen systematischen Fernunterricht, welcher auch als "Methode Rustin" bekannt wurde. Vor allem für Arbeiterkinder schien sich dieser Unterricht anzubieten. In einer kurzen Autobiographie schreibt ein österreichisches Arbeiterkind, welches mittels des Fernstudiums einen Bildungsaufstieg erreichte folgendes:
"Eine nicht alltägliche Ausbildung verhalf einem Scheidungsjungen - damals Halterbub - zu
einem besonderen Aufstieg. 80 Prozent seiner Ausbildung wurden durch Lernen im Selbst- und
Fernunterricht bewältigt. Warum gerade Fernunterricht? Meine Eltern waren Landarbeiter auf
einem Bergbauernhof. Außer der Volksschule gab es keine Bildungsmöglichkeit."[2]
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| Foto erstellt von leighblackall cc-by-2.0 deed |
Für Arbeiterkinder schienen sich die Vorteile dieses Unterrichts besonders zu rentieren:
"Was zeichnet den Fernunterricht besonders aus? Es gibt keine langen Anmarschwege. Man ist zeitlich nicht gebunden. Man versäumt nie eine Stunde. Man bleibt unabhängig vom Tempo der Lehrkraft. Man kann alles noch einmal nachlesen. Man möchte seine Anonymität wahren. Es gibt keinen Verdienstausfall durch das Studium neben dem Beruf. Beim Fernunterricht gibt es eine individuelle Behandlung und ein Eingehen auf die besonderen Wünsche des einzelnen Teilnehmers."[2]
1974 wurde mit der FernUniversität in Hagen eine der größten Universitäten gegründet.
Bis zur Entwicklung des Virtuellen Campus zur Jahrtausendwende blieben die Abbruchquoten jedoch sehr hoch. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der ILS Institut für Lernsysteme GmbH und Europäische Fernhochschule Hamburg (Euro-FH) mit dem Erhebungszeitraum vom 9. bis 21. Januar 2008 über die "Bedeutung und Akzeptanz des Fernlernens als Methode zur berufsbegleitenden Weiterbildung"[3] kam zum Schluss, dass Unternehmer die Weiterbildung schätzen und das Fernstudium als Weiterbildungsmöglichkeit anerkennen. Mit der Wirtschaftskrise scheint ein Weiterbildungsbedarf einherzugehen[4], der vor allem bei Instituten für Fernstudien zu Rekordergebnissen bei Neuanmeldungen in der zweiten Hälfte 2008 geführt hat.
In Nordrhein-Westfalen wurde 2009 an der Fernuni Hagen ein Forschungsinstitut für E-Learning gegründet, welches über zehn Jahre die Möglichkeit einer verbesserten Studienkapazität am Heimcomputer der Studierenden ermitteln will.Anbieter im deutschsprachigen Raum
Am größten und bekanntesten ist in der Bundesrepublik Deutschland ist die FernUniversität in Hagen mit über 50.000 Studenten. Sie bietet Fernstudien nicht nur in NRW, sondern im gesamten Bundesgebiet an. Kooperationavereinbarungen bestehen auch zu Instituten in Östrreich und mit der Stiftung"Universitäre Fernstudien Schweiz".
Fernstudiengänge werden angeboten von
- Hochschule Wismar (nichttechnische Fächer)
- TU Dresden in den Studiengängen (Bauingenieurwesen und Maschinenwesen)
- Die Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen (ZFH) in Koblenz (berufsbegleitend)
- Zentrum für Fernstudien und Universitäre Weiterbildung der TU Kaiserslautern (ZFUW)
Zudem finden sich noch private staatlich anerkannte Anbieter von Fernstudien:
- AKAD-Privathochschulen
- SRH Fernhochschule Riedlingen
- APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft in Bremen
- Private FernFachhochschule Darmstadt
- Private Fachhochschule Göttingen
- Private FernFachHochschule Sachsen
- Europäische Fernhochschule Hamburg
- HFH Hamburger Fern-Hochschule
Eine Liste mit Anbietern von Fernstudien findet sich hier: Fernstudiumblog
Eine kinderorientierte Form des "Fernstudiums" bietet die Universität Heidelberg mit ihrer Kinder-Uni im Netz.
Siehe auch
Literatur
- Moore, M., Kearsley, GDistance Education: A Systems View, Belmont, CA: Wadsworth, 1996.'
- Alexandra Puppe, Die Integration der Absolventen des postgradualen Fernstudiums Bibliothekswissenschaft an der HU Berlin in den Arbeitsmarkt : Ergebnisse einer Umfrage zum beruflichen Verbleib, Berlin : Inst. für Bibliotheks- und Informationswiss., Humboldt-Univ. zu Berlin, 2006
Weblinks
- ZFU - Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht
- Deutsche Gesellschaft für wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium (DGWF)
References
- Frithjof Gutekunst: Nutzung interaktiver Ausbildungsmittel. Anleitung für Ausbilder, Ralf Seelig 2007, S. 52
- Ernst Schneeberger - der berufliche Aufstieg vom Halterbub zum Lehrer
an der Handelsakademie vorwiegend durch Selbststudium und
Fernunterricht
Link - Forsa: "Nachgefragt bei Deutschlands Personalchefs: Bedeutung und Akzeptanz des Fernlernens als Methode zur berufsbegleitenden Weiterbildung, Januar 2008
Download (PDF) - Ein weiteres Ergebnis einer Forsa-Umfrage vom Sommer 2008: "Über ein Drittel (36 Prozent) der 20- bis 60-Jährigen denken seit Beginn der Wirtschaftskrise verstärkt über eine berufliche Weiterbildung nach, um als Arbeitskraft attraktiv zu bleiben."
Link zur PM von ILS






Ulrich-A. Eschment
Invite as author
Lob
Vielen Dank für die anerkennenden Worte. Es tut gut, Anerkennung auch einmal ausformuliert mitzubekommen und nicht nur in der Bewertung über die Sterne.
Lieben Gruß
Andreas Kemper
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