Accatone

Filmkritik

ITA 1961
Regie: Pier Paolo Pasolini
Darsteller: Franco Citti, Franca Pasut
Kamera: Tonino Delli Colli


Der Zuhälter Accattone sehnt sich nach einem würdigeren Leben, einer Existenz, der sich sein Stolz nicht beugen muss. Zornig fordert er das Schicksal heraus: "Entweder geh` ich an der Welt zugrunde, oder die verdammte Welt an mir". Er kann seinem Umfeld, in dem ehrenvolle Arbeit als Gotteslästerung verspottet wird, nach schrittweiser Erniedrigung über den Broterwerb als Schrottsammler und Dieb nur durch den Tod entfliehen.

Für Schriftsteller Pasolini, der bereits als Kind erste Gedichte geschrieben und schon als Student sein erstes Buch publiziert hatte, war das Medium Film nur eines von vielen künstlerischen Ausdrucksmitteln. Keine cinematographischen Glanzstücke waren sein Ziel; um die Inhalte und Aussagen zu transportieren, die ihm am Herzen lagen, griff er immer auf Traditionen aus Kunst, Literatur und Musik zurück. Schauspieler werden bei Pasolini zu Marionetten an den Fäden eines allmächtigen Schaustellers, der seine Figuren archetypische Geschichten durchleben lässt. Die Konsequenz ist - zumindest noch in seinem ersten Spielfilm Accattone - eine statische, oft hölzern wirkende Gestik. Diese ist aber wie die von Symbolen durchsetzte Bildsprache einer strengen Dramaturgie untergeordnet, die stets auf die Unabwendbarkeit des tragischen Endes hindeutet, so dass sich die Spannung bald vom (absehbaren) Untergang Accatones auf die Darstellung seines Schicksals verlagert.

Die dem gesamten Film unterlegten Flötenklänge von J. S. Bach, die zunächst einmal schlecht ins italienische Vorstadtmilieu zu passen scheinen, verleihen der Figur des Accattone eine tragische Tiefe von eindringlicher Poesie, die leitmotivisch eingesetzte Matthäus-Passion seinem Schicksal einen religiösen Nachklang. Auch aufgrund der variationsreichen Kameraführung, die der Handlung ihren ruhig fließenden Charakter gibt, gerinnt der Film zu einer organischen, lückenlosen Einheit.

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Zuletzt bearbeitet: 01.01.2009 06:13.

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