Windtalkers

Filmkritik

USA 2002
Regie: John Woo
Darsteller: Nicolas Cage, Adam Beach
Kamera: Jeffrey Kimball
Musik: James Horner


Die offen zur Schau getrfagene Patriotismus der gegenwärtigen Kriegsfilmwelle trifft in den vom 11. September immer noch schwer getroffenen USA ebenso auf fruchtbaren Boden wie - in Europa - angesichts einer nicht ganz vorbehaltlosen Haltung gegenüber der amerikanischen Militärreaktion auf Befremden. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass die Renaissance des Kriegsfilms ein Trend ist, der schon seit einigen Jahren anhält - er hatte 1998 mit Steven Spielbergs Saving Private Ryan und Terence Mallicks The Thin Red Line seinen Anfang genommen. Die meisten der jetzt viel diskutierten Filme waren also bereits vor den New Yorker Anschlägen fertiggestellt.

John Woos Windtalkers enthält beides: Ebenso jenen militanten Hurrah-Patriotismus, der das Töten auf dem Felde durch die Terminologie der Soldaten mit Sportveranstaltungen gleichsetzt ("Touchdown!"), als auch jene durch den Krieg gebrochenen Männer, für die sich, ohne dass sie das selbst zugeben würden, mit dem Staccato des Tötens eine vorher ungeahnte Sinnfrage auftut. Der von Nicolas Cage gespielte Sergeant Joe Enders ist eine solche Figur. Nachdem er eine ganze Kompanie bei seinem ersten Kommando verloren hat und dabei selbst schwer verletzt worden ist, zieht er zunächst voller Hass und Rachegelüsten wieder in den Krieg gegen Japan. Menschliche Nähe, wie sie etwa eine Krankenschwester während seiner Rekonvaleszenzphase bei ihm gesucht hatte, lässt er nicht zu. Gerade das Anerkennen einer Freundschaft, die das Irdische überdauern kann, lässt ihn jedoch im Moment des Todes wieder zu seinem längst verdrängten Glauben zurückfinden. Dahin hat ihn das Beispiel jenes Indianers gebracht, den er auftragsgemäß beschützen soll, da dieser in der Sprache seiner Vorväter verschlüsselte Funkdurchsagen machen soll. Anfangs hatte er den Ureinwohner noch mit Verachtung behandelt. Das Verhalten der Rekruten gegenüber den wenigen, als Codierer eingesetzten Indianern in ihren Reihen ist einer der interessantesten Aspekte dieses Films. Da werden durchaus kritische Fragen aufgeworfen zu einem tief verwurzelten Rassismus innerhalb der amerikanischen Gesellschaft, der natürlich in der Armee, dem Vollzugsinstrument der Indianerausrottung, besonders brisante Konsequenzen hat. So wird mehrfach bezug genommen auf General Custer, der im 19. Jahrhundert für extrem brutale Feldzüge gegen Indianerstämme bekannt geworden ist. Auch fallen viele abwertende Bemerkungen, die Indianer ebenso wie Japaner auf eine niedrigere Zivilisationsstufe stellen. Doch selbst der Soldat, der sich mit den extremsten Schmähungen dieser Art hervortut erkennt am Ende mit Blick auf den indianischen Kameraden, der ihm soeben das Leben gerettet hat und in der Rückschau auf seinen Vater, der noch wortwörtlich Jagd auf Indianer gemacht hatte, dass es künstlich geschaffene Feindbilder sind, denen die Soldaten verpflichtet werden und dass der Erzfeind von heute schon der Mitstreiter von morgen sein kann.

Damit ist der Film bei einer der zentralen Fragen im Werk von John Woo angelangt. Der vom Kung Fu-Kino Hong Kongs kommende Regisseur benutzt Actionsequenzen ebenso wie Kriegsszenen letztlich nur als Vorwand, um Menschen in Extremsituationen zeigen zu können. Wie reagiere ich, wenn ich in Bruchteilen von Sekunden über Freund oder Feind, Treue oder Verrat, Leben oder Tod zu entscheiden habe? Das ist die Fragestellung, die John Woo interessiert und für die er seine Protagonisten immer wieder in absurde Gefahrensituationen geraten lässt. Ob Thriller oder Kriegsfilm: Es sind im Grunde genommen Hirngespinste, auf denen die Missionen der Helden basieren: Der Indianer, in japanischer Uniform getarnt, soll seinen Kommandanten Enders zum Schein als Kriegsgefangenen abführen, um ins gegnerische Lager eindringen zu können. An anderer Stelle geht es darum, auf einem hart umkämpften Schlachtfeld ein Funkgerät an sich zu bringen. In solchen Szenen widmet die Regie ihre ganze Aufmerksamkeit dem Fortgang dieses Kampfes, indem sie das Ziel des momentanen Einsatzes stets mit allen inszenatorischen Mitteln fixiert. Doch handelt es sich dabei letzten Endes immer um einen MacGuffin, da die eigentliche Handlung durch diese Missionen nicht vorangebracht wird. John Woo setzt also auch hier die Mittel des Unterhaltungskinos ein und diese mögen manchem Zuschauer bei der Schilderung authentischer Kriegshandlungen weniger Spaß machen als bei der Konfrontation archetypisch überhöhter Fantasiefiguren (wie etwa in Woo's Thriller Face/Off). Doch auch Windtalkers, von Titanic-Komponist James Horner zu einer wahren Kino-Oper ausgestaltet, hat eine beeindruckende Wirkung, die er aus der Existenzialität der dargestellten Situationen gewinnt.


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