- Es sieht offensichtlich so aus, dass Mobbing als Entlastungsventil für Aggressionen notwendig ist. Diese sind schließlich in der Schule entstanden z.B. wegen Lehrer-Entscheidungen die nicht akzeptiert werden konnten oder provozierenden Äußerungen von MitschülerInnen . Gerade das Lehrerverhalten beim Versuch, einer Mobbingsituation Herr zu werden, entscheidet darüber, ob die Aggressionen zunehmen oder das Problem gelöst werden kann.
- Es dient der Festigung des Gemeinschaftsgefühls - "Alle gegen einen!", "Gemeinsam sind wir stark!", um sich endlich die Anerkennung zu holen, die einem zu Hause oder sonst wo schon lange keiner mehr gibt und natürlich auch um Macht zu missbrauchen.
- Einen beachtlichen Auslöser stellt die Angst dar, in der Schule zu versagen, nicht ausreichend beachtet zu werden oder selbst zu den Mobbing - Opfern zu gehören. Gleichzeitig ist es eine gute Möglichkeit seine Minderwertigkeitskomplexe an Mitschülern auszuleben. In fast jedem von uns schlummert die Neigung zu unfairem Verhalten. Neid und Missgunst beherrschen unsere Seelen.
- Den Angriffen liegt eine persönliche Feindschaft zugrunde
- Es besteht eine hohe Unzufriedenheit mit der Schulsituation
- Ein Mitglied einer Gruppe soll zur Anpassung an die von der Mehrheit aufgestellten Forderungen gezwungen werden
- Neid, Ängste, Diskriminierungen von Frauen und Behinderten, Ausländerfeindlichkeit, abweichendes Verhalten einzelner Gruppenmitglieder
Mobbingbegünstigende Faktoren durch die Rolle des Lehrers.
LehrerInnen spelen eine wesentliche Rolle bei Mobbingprozessen. Sie fühlen sich oft überfordert, wenn sie mit schwierigen oder schwachen SchülerInnen zurechtkommen sollen. Die Klassen sind gross, die SchülerInnen nehmen sich oft Rechte heraus, die ihnen nicht zustehen.
Eine Mutter berichtet:
Mein Sohn ist 11 Jahre alt und ein sog. “Hochbegabter” … Allerdings war er von Beginn der 1. Klasse immer der Klassenbeste. Er hatte sich das Lesen selbst beigebracht und wurde deshalb bereits an seinem 2. Tag in der Schule von seiner damaligen Klassenlehrerin angegangen: “Was soll denn das ? Du machst den anderen ja nur Angst !!”
Diese Äußerung könnte als Überschrift über seiner bisherigen Schulkarriere stehen.
Er übersprang nach wenigen Wochen die 1. Klasse. In der 2. Klasse hatte er sehr schnell den Wissenrückstand aufgeholt und schob sich an die Spitze. Als “Kleiner” war er aber von Anfang an nie akzeptiert, sondern hatte immer einen starken Block gegen sich. Als in der 3.Klasse die Lehrerin wechselte und er eine neue, junge “Karrierefrau” (was man halt so “Karriere” nennen mag….) kam, nahm diese sofort Partei für die Schlusslichter der Klasse. Diese fühlten sich vom der verbalen Kraft unseres Sohnes “geärgert”, deshalb sei es ganz normal, dass er in jeder Pause verkloppt werde. Nach vielen - völlig sinnlosen - Gesprächen führte dies kurz vor Ende des Schuljahres zu einem erneuten Klassenwechsel…..
Quelle: http://blog.schueler-mobbing.de/?cat=2&paged=2
LehrerInnen erfahren zu wenig Wertschätzung und Unterstützung seitens der Behörden und seitens der Eltern. Die Aufgabe ist anspruchvoll und fordert enorm viel Energie. Die Rahmenbedingungen für „Schule“ werden durch Einsparungen – personell und finanziell – verschlechtert. Disziplinprobleme sind eine Folge. Sie anzugehen ist zum Teil heikel, weil sofort Eltern intervenieren und sich schützend vor ihr Kind stellen, immer häufiger mit dem Anwalt.
Schule und Verhalten von LehrerInnen ist ein Thema, bei dem jeder mitreden kann. Jeder kann aus seiner Schulzeit Geschichten erzählen, über die persönlichen Eigenarten „seiner“ Lehrer. Wie sage doch mein Mathelehrer zu mir:"Über deinem Wissen kreisen auch die Pleitegeier". 30 Jahre nach dem Gymnasium ist der Spruch immer noch so präsent, als wäre er gestern ausgesprochen worden.
Lehrer stellen immer wieder einen Schüler bloß, dadurch dass der Schüler vor der ganzen Klasse abgefragt wird oder an der Tafel unfreiwillig eine Aufgabe lösen muss. Abschätzige Gesten und abwertende Blicke tun dann ihr Übriges.
Gerne geben sie einen Spitznamen, oder übernehmen auch Spitznamen, die die Schüler sich geben. Dann wird über eine Schülerin, einen Schüler gewitzelt.
Ein Lehrer fragt immer dann nach einer Antwort, wenn er weiß, dass der Schüler keine Antwort geben kann oder das Gegenteil: die Schülerin, der Schüler wird regelmäßig übergangen, wenn sie/er sich selbst meldet.
Beliebt sind Andeutungen zu den Eltern bzw. Mutmaßungen über die häuslichen Verhältnisse:
Der Chemielehrer stellt Schwefelwasserstoff (Stinkbombe) her und sagt dem Schüler:
„Kommt dir das bekannt vor, bei dem Geruch fühlst du dich doch wie zu Hause.“
Es wird ständig kritisiert und dadurch Druck ausgeübt. Man zwingt einen Schüler Arbeiten auszuführen, die sein Selbstbewusstsein verletzen, oder die ihn vor der Klasse demütigen. Der Schüler bekommt Noten, die nicht der Leistung entsprechen. (sehr häufig bei vorwiegend „textorientierten, interpretativen Arbeiten “) Das Lob, das ein „Kind“ verdienen würde, wird an andere weitergegeben.
Verbale Beschimpfungen komplettieren die Aufzählung. Gibt man den Suchbegriff „Lehrersprüche“ in Google ein, werden mehr als 18000 (!) Ergebnisse angezeigt.
Natürlich hat ein Lehrer keine Probleme in seinem Unterricht. Probleme werden ignoriert, weggeredet, als nicht existent dargestellt. Den Eltern gegenüber macht man unwahre oder massiv übertriebene Aussagen über das Kind. Hilfe wird verweigert.
Durch geeignete Fortbildungsmaßnahmen könnten solche LehrerInnen lernen, die pädagogische Beziehung fördernd zu gestalten. Weil manchen die pädagogischen Fähigkeiten fehlen, wenden sie Gewalt an. Dazu gehören überfallartige Kurzprüfungen, Bedrohung mit schlechten Noten, öffentliches Bekanntgeben von Zensuren, Strafen aus einem ministeriellen Strafkatalog, der die Schule als Strafanstalt erscheinen lässt. Hinzu kommt die amtlich verordnete Langeweile durch lebensferne Lerninhalte und die Überforderung der intellektuell weniger tüchtigen Kinder.
„Die Klasse ist ein Spiegel des Lehrers“ oder „Wie man in den Wald hineinruft schallt es zurück“. Wen wundert es da noch bei solchem Lehrerverhalten, wenn sich eine Eigendynamik in einer Klasse entwickelt, die so ausarten kann, dass sich einzelne Schüler, eine Gruppe oder die ganze Klasse mit dem Ziel formiert, einen Mitschüler als „Aggressionsventil“ zu missbrauchen oder gar den Lehrer „fertig zu machen“.
Mobbingbegünstigende Faktoren aus dem Bereich „Schulklima“
Das Lehrerengagement ist wie weiter oben dargestellt zu wenig fördernd und unterstützend oder es herrscht eine negative Grundhaltung vor. Zudem ist das Lehrer – Schüler Verhältnis dadurch gestört, dass gegenseitige Abwertungen, offene Ablehnung (oder auch das Gegenteil: einseitige Bevorzugung der „Lieblingsschüler“) geschehen oder eine unzureichende Kommunikation statt findet.
Die Qualität der Beziehung zwischen SchülerInnen und Lehrern ist also ein entscheidender Risikofaktor für Mobbing (und Gewalt) an Schulen. SchülerInnen wollen LehrerInnen haben, die:
gerecht sind,
berechenbar sind, streng sind,
ihre Meinung offen sagen und von denen man weiß, was sie denken, und
die kritikfähig sind.
Quelle: Umfrage auf
http://www.schueler-mobbing.de/mobb/modules/xoopspoll/pollresults.php?poll_id=12
Als ungünstig erweisen sich LehrerInnen, bei denen die SchülerInnen – oder auch die Erziehungsberechtigten - nicht erkennen können, wie die Notengebung zustande kommt. Sie fühlen sich deswegen ungerecht behandelt und Konflikte sind vorprogrammiert.
Die sozialen Bedingungen unter Schülern müssen als schlecht bezeichnet werden, wenn man an ihre Umgangsformen, an ihren Mangel an kommunikativen Fähigkeiten oder an die Art und Weise denkt, wie sie Konflikte lösen. Dort sind die Ansatzpunkte für die Schule, prosoziale Konfliktösungen zu finden, damit die SchülerInnen Sozialkompetenz erwerben können.
Immer wieder ist das Erziehungsverhalten der Schule einseitig, vor allem wenn Strafen als überwiegendes oder willkürliches Instrument eingesetzt werden. SchülerInnen lernen, dass Ausübung von Macht ein geeignetes Mittel zum Erreichen von Zielen ist. ( Janan Mustafa, 2008 )
Zu zaghaft sind die berühmten Schul- oder Klassenregeln, weil sie zu wenig verbindlich sind. Was nützt eine Schulordnung, die sogar von Schülern und Eltern unterschrieben wurde, wenn deren Einhaltung von Lehrern nicht oder nur ungenügend kontrolliert wird?
Dasselbe gilt für Klassenregeln, die mit den Schülern erarbeitet wurden. Kein Lehrer kann wirklich ernsthaft glauben, dass diese Regeln auch irgendeine Wirkung haben, wenn sie „nur“ an der Wand hängen. Die Einhaltung muss von den Lehrern kontrolliert werden, den Schülern müssen die Konsequenzen bei Verstößen bekannt sein und auch diese Konsequenzen müssen auch erfolgen. Diese Regeln haben Verbindlichkeit für alle Schüler und ebenso muss deren Einhaltung von allen in der Klasse unterrichtenden Lehrern kontrolliert werden. Regeln haben eine geringe Wirkung, wenn der eine Lehrer die Verstöße bestraft, während der andere wegschaut.
Die Konsequenz ist klar: Die Schule wird von den Schülern als nahezu rechtsfreier Raum erlebt, in dem jeder sich seine Regeln selbst machen kann! Es liegt auf der Hand, welche Regeln sich Mobber dann machen und ausführen würden – ungestraft!
Eine Studie von (Ottlik, 2005 MA). belegt die o.g. eigenen Erfahrungen aus der Schulpraxis:
Für einen erfolgreichen Umgang mit Mobbing ist eine Interaktion (wieder miteinander reden) und gegenseitige Unterstützung in der Lehrerschaft Voraussetzung. Denn um Mobbing erfolgreich bekämpfen zu können, müssen alle Lehrer einer Klasse an einem Strang ziehen, da sonst die Aggression der Täter nicht konsequent eingedämmt werden kann. Nur mit der Einigkeit aller Lehrer einer Klasse sind auch die Mitschüler aktivierbar, die im Mobbingprozess eine entscheidende Bedeutung haben (Schäfer & Korn, 2004b). Erst wenn sich die Mitschüler von ihren Lehrern geschützt fühlen, werden sie es wagen sich bei Mobbing gegen die Täter zu stellen.Mangelhafter Lehrer Schüler Kommunikation und inkonsequentes Handeln führen dazu, dass eine geringe Verbundenheit zur Schule entsteht. Dieses mangelnde „Wir-Gefühl“ sorgt dafür, dass Sachbeschädigungen zunehmen und führt zu einem abgeschwächten Gefühl eigener Verantwortlichkeit, vor allem dann wenn mehrere Mitschüler an einer Tat teilnehmen. Gleichzeitig verringern sich die Schuldgefühle, die Hemmschwelle sinkt gefährlich und ein Zusammenrotten gegen einen Mitschüler wird für die Gruppe unproblematisch. ( Vgl. Konrad Lorenz und seine Beobachtung beim Gruppenverhalten von Gänsen )
Ihr Wissen und die Kompetenz im Umgang mit Mobbing müssen die Lehrer in Aus- bzw. Fortbildung erwerben. Ob sie aber ihre Kompetenz erfolgreich an den Schulen umsetzten können, liegt einerseits im Einflussbereich der schulischen Rahmenbedingungen und andererseits in der Hand der Schulleiter. Deswegen geht die Forderung an die Schulaufsicht, die Auswahlkriterien für SchulleiterInnen im Sinne von kompetenten (Krisen-) Managern zu erweitern. Bei einem Schulleiter, der immer noch die Ansicht vertritt „An unserer Schule gibt es kein Mobbing“ gibt es nur Verlierer.
Die Schule, aber auch Eltern und Erzieher sind gefordert, wenn Mobbing und Gewalt Einzug gehalten haben. Wie schreibt doch jemand im Forum von www.Schueler-Mobbing.de:
Mobben ist darum einem Computerspiel vergleichbar, bei dem der Spieler nichts riskiert, mit geringem Aufwand (wie einem Mouseclick) jedoch eine ungeheure Wirkung erzielen kann.
Außerdem ist Mobben ein "Gesellschaftsspiel", denn häufig ist es nicht ein, sondern mehrere Täter, die z.B. darum wetteifern, wer das Opfer am schnellsten zum Weinen bringt.
Solange die Täter nicht von selbst begreifen, wie menschenverachtend ihr Verhalten ist, und solange sie keine negativen Konsequenzen zu befürchten haben, solange werden sie keinen Grund haben, mit ihrem "Spiel" aufzuhören. Zur Vermittlung beider Tatsachen sind Eltern, Lehrer und Erzieher zuständig.
Quelle: http://www.schueler-mobbing.de/mobb/modules/news/article.php?storyid=141
Dem ist nichts hinzuzufügen!
Um jetzt keinen einseitigen falschen Eindruck zu erwecken, soll nicht verschwiegen werden, dass sich um die „Lehrergeschichten“ ein wahrer Mythos rankt, der eher in den Bereich der Fabeln und Märchen verwiesen werden kann. Das Gros der Lehrer leistet nämlich hervorragende, hochqualifizierte Arbeit und bei weitem ist nicht alles Mobbing, was Schüler oder Eltern so darstellen.
Mobbingbegünstigende Faktoren aus dem Bereich „Lernklima“
Nichts ist schlimmer als ein langweiliger Unterricht ohne Bezug zur Lebenswelt. Oft genug fallen Sätze wie: „das Thema ist langweilig, wozu brauch ich das, das braucht doch kein Mensch“ … Der Unterricht ist lehrerzentriert und wird durch Frontalunterreicht erteilt. ( Einer gegen alle!)
Eine Langzeit Online Studie ( Klett 2005, S72) belegt, dass solche Unterrichtsformen und –inhalte unabhängig von der Schulart Frust, Stress, Ungerechtigkeit, Eifersucht, Leistungsdruck und Selbstschutz / Selbstverteidigung erzeugen.
Mädchen und Jungen unterscheiden sich in ihrem Aggressionsverhalten unwesentlich. Auslöser für Mädchen sind Ungerechtigkeit und Stress. Bei Jungen sind die beiden häufigsten Auslöser Ungerechtigkeit und Selbstschutz.
Der Unterricht erfolgt zu wenig schülerorientiert, zu wenig binnen differenziert, obwohl eigenverantwortliches, selbst gesteuertes und – organisiertes Lernen inzwischen in allen Bildungsplänen verankert ist.
Bereits in Grundschulen herrscht ein starker Leistungsdruck. Leistung – also gute Noten – zählt! Maßgebliche Ursache dafür ist der Druck der Eltern, entstanden aus dem Glauben, dass man heute mindestens einen Realschulabschluss brauche, um einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Stress und Leistungsdruck sind von Schülern die am häufigsten genannten Ursachen für Mobbing und Gewalt. (Klett, 2005, S69)
Verstärkt wird dieser Leistungsdruck durch die schulpolitischen Experimente der Landesregierungen: Reform der Gymnasialen Oberstufe ( G8/G9), Studienreform ( Diplom, Bachelor, Master ), Ganztagesschule, Gesamtschule, Integrative Gesamtschule, Grundschule bis zur Klasse 6, Zusammenlegung Haupt-Realschule, um nur ein paar Experimente zu benennen.
Der Leistungsstand wird immer geringer – die SchülerInnen lernen weniger – was bei einigen SchülernInnen zu Unterforderung und Langeweile führt. Und schon nimmt die „Verhaltenskreativität“ ihren Lauf…
Unterentwickelte oder nicht vorhandene Streitkultur, Konkurrenz im Unterricht und dem damit verbundenen Neid, Ausgrenzung von Schülern, mangelnde Kommunikation führen insgesamt zu einem schlechten Klassenklima.
Nach wie vor wird starker Wert auf intellektuelles Lernen gelegt und die Förderung der so wichtigen Sozialkompetenz vernachlässigt.
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Literarische Quellen:
Jannan, Mustafa Das Anti-Mobbing-Buch. Gewalt an der Schule vorbeugen Beltz Weinheim 2008
Klett, K. (2005) Deutschlandweite online Schülerbefragung Uni Köln
Die dazugehörige Internetseite: Gewalt an Schulen
Olweus, Dan Gewalt in der Schule. Was Lehrer und Eltern wissen sollten - und tun können (Broschiert) , Huber, Bern 2006
Dambach, Karl E. (2002): Mobbing in der Schulklasse. 2. Aufl. S. 74-112
Kasper, Horst (1998): Mobbing in der Schule. Probleme annehmen, Konflikte lösen. 2. Aufl. S. 193-246
Schallenberg, Frank (2004): Ernstfall Kindermobbing. Das können Eltern und Schule tun.
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Weblinks
Mobbingportal mit Forum, Mobbingtest




Michael Koch
Invite as author
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