Wer als Reisender die spanischen Inseln im Mittelmeer besucht, kennt diese meist nur unter der Bezeichnung Balearen, einer Kurzform der Namens Balearische Inseln. Auch die meisten Reiseführer und Kataloge der Reiseveranstalter subsummieren die vier Hauptinseln Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera unter dem Begriff Balearen, verweisen aber manchmal darauf, dass Ibiza und Formentera zudem den Pityusen zuzurechnen seien. Warum?
Namensgebung in der Antike
Die namentliche Unterscheidung zwischen Balearen und Pityusen hat fast ausschließlich historische Gründe. Die Inselnamen entstanden während der Antike, als zunächst Phönizier, später Griechen und Römer auf dem Mittelmeer Handel trieben. Trotz leistungsfähiger Flotten brauchten die Schiffe viel länger als heutzutage, um von einer Küste zur nächsten zu gelangen. Insofern ist es erklärlich, dass Entfernungen differenzierter beurteilt wurden. Während Mallorca und Menorca (die Balearen im engeren Sinne), weniger als 40 Kilometer voneinander entfernt liegen, ergibt sich zwischen Mallorca und Ibiza eine Wasserstrecke von immerhin rund 80 Kilometern - Grund genug, beide Eilande unterschiedlichen Inselgruppen zuzuordnen.
Die Griechen nannten die Balearen, worunter seinerzeit Mallorca und Menorca verstanden wurden, "Balearides" oder "Gymnesiae". Der Name Balearides wiederum leitet sich von den Els Foners Balears ab - den balearischen Einwohnern, die die Kriegskunst des Steinschleudern gut beherrschten und in vielen Heeren des Altertums als Söldner ausübten. Die römische Verwaltung schließlich unterschied Baliaris maior (Mallorca, die größere Insel) sowie Baliaris minor (Menorca, die kleinere Insel).
Die Bezeichnung Pityusen ist ebenfalls griechischen Ursprungs: "Nissoi pityussai" meint pinienreiche Inseln. Die Pinie war auf Ibizia und Formentera - allerdings auch auf den Balearen im engeren Sinne - weit verbreitet.
Geologische Entstehung
Balearen und Pityusen sind gemeinsam etwas vor rund 100 Millionen Jahren entstanden. Während dieser so genannten alpidischen Gebirgsbildung entstanden in Europa viele mächtige Faltengebirge wie die Alpen. Ursprünglich bildeten die heutigen Inseln ein Gebirgsmassiv zusammen mit dem andalusischen Faltengebirge. Erst in späteren Jahrmillionen bildete sich zwischen dem spanischen Festland und der Inselgruppe ein tiefer Meeresgraben. Diese gleichzeitige Entstehung erklärt auch die morphologischen Gemeinsamkeiten aller Balearen-Inseln (viele bergige Zonen, aber kaum extreme Erhebungen).
Politische Union
Die Inseln sind Teil der Autonomen Gemeinschaft Islas Baleares. Die Autonomen Gemeinschaften wurden 1978 in Spanien eingeführt und entsprechen etwa den deutschen Bundesländern. Seither befinden sich die insgesamt 151 bewohnten und unbewohnten Inseln auch administrativ unter einem Dach. Ein weiteres verbindendes Element ist die gemeinsame Sprache Katalanisch, die allerdings auf den verschiedenen Inseln in unterschiedlichen Dialekten gesprochen wird.
Fazit: Balearen und Pityusen eint wesentlich mehr als sie trennt. Die Bezeichnung Pityusen ist eher eine historische Reminiszenz, denn eine determinologische Notwendigkeit.




Andreas Kemper
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