ANDALUSIEN (Spanien)

Spaniens schöner Süden

Andalusien: Land und Leute, Kultur und Geschichte


1. ALLGEMEINES ZU LANDSCHAFT, MENSCHEN UND KULTUR


           Spanische Flagge                                                       (Flagge von Andalusien)

Die meisten von uns denken bei dem Stichwort 'Spanien' automatisch an Andalusien, (span. 'Andalucía') eine autonome politische Einheit des spanischen Königreiches. Hier begegnet man farbenprächtig gekleideten Damen, die mit ihren stolzen Begleitern Flamenco tanzen und zum Stierkampf gehen
(auf dem Foto 1: des Autors spielt ein Tierarzt mit einem jungen Stier (novillo) - natürlich passiert dem Tier nichts!)

Dieses Cliché beinhaltet möglicherweise einen Rest an Wahrheit, aber tatsächlich hat Andalusien unendlich viel mehr zu bieten. Dieser Artikel kann natürlich nur einige wenige Attraktionen und Besonderheiten präsentieren, die in den
8 Provinzen Almería, Cádiz, Córdoba, Granada, Huelva, Jaén, Málaga und Sevilla zu finden sind.


7.357.558 Andalusier (letzte Volkszählung von 2001) leben auf 87.597 Quadratkilometern, also etwas mehr als der Fläche Österreichs. (Foto 2 : Patr. de Turismo Conil)



Mit dem höchsten Berg auf Spaniens Festland (Mulhacén, 3.482m in der Sierra Nevada), einer beeindruckenden Küstenlinie an zwei Ozeanen, der berühmten Straße von Gibraltar
 (Foto 3:  Autor)









und einem von Europas größten und bedeutendsten Nationalparks,
einem UNESCO Weltnaturerbe (El Coto de Doñana)    
                                                                                               
                                                                                                mit Millionen von westeuropäischen Zugvögeln auf dem Weg von und nach Afrika und einem der weltweit am meisten vom Aussterben bedrohten Tiere,
dem iberischen Luchs) sowie Europas letztem Regenwald (Sierra de Grazalema) bietet Andalusien dem Besucher eine unübertroffene Vielfalt an Naturschönheit.





(Foto 4: Joachim S. Müller)


Wer nach Baudenkmälern oder historischen Stätten sucht, findet hier eine große Anzahl von UNESCO Weltkulturerbe-Stätten:




  • Alhambra, Generalife und Albayzín in Granada




    (Foto 7: Iker)


                                          (Foto 8: Ela2007)                              (Foto 9: ¡arturii!)


  • Kathedrale und Alcázar in Sevilla


  •      (Foto 11: Sputnik Mania)                      (Foto 12: jmrufian)      

   
(Foto 10: Ben Bawden)   
                                                            

  • Das Generalarchiv de las Indias in Sevilla


                                                             
                                                                 (Foto 13 von luisrull)



                                                              

  • Die Renaissance Bauten von Úbeda und Baeza

                                                                  (Foto 14 von .SantiMB.)



Entlang seiner mehr als 800 km langen Meereslinie besitzt Andalusien eine Vielfalt an verschiedenen Küsten:

1. Die COSTA DE LA LUZ, die Atlantikküste "des Lichts", erstreckt sich von der portugiesischen Grenze bis zur Straße von Gibraltar. Hier findet man noch kilometerlange einsame Dünenstrände mit feinem Sand, wenige Städte
(Huelva und Cádiz - das Foto 15 (Autor) zeigt eine Großseglerparade im Hafen von Cádiz 2006), einige immer noch typische und pintoreske ehemalige Fischerdörfer wie

Conil de la Frontera (Foto 16 (Autor) Das Rathaus von Conil) und Vejer de la Frontera, aber auch den langsam wachsenden Massentourismus (Chiclana de la Frontera).

Wer sich auf der Uferpromenade (Paseo del Río) von Sanlúcar de Barrameda am Guadalquivir befindet, kann buchstäblich flussaufwärts auf die Flotte (1492-1498) von Cristoph Columbus warten, die gleich um die Flussbiegung segeln muss, um ihre dritte Entdeckungsfahrt nach Amerika zu beginnen. Genau dies fand hier statt,
während seine erste Reise mit den Schiffen Niña, Pinta und Santa María unweit von hier, in Palos de la
Frontera
, begann.

(Das Foto 17 (von SantiMB) zeigt Nachbildungen
der drei Schiffe)




An der gleichen historischen Stätte von Sanlúcar, wo Sie heute köstliche Fisch- und Schalentiergerichte
genießen können mit einem 'Manzanilla' (einem ortstypischen speziellen Sherry), startete Fernando
Magellan - nach einer fünfwöchigen Reparaturverzögerung vor Ort - die erste Weltumseglung.

Nach seinem Tod wurde sie vom spanischen Entdecker und Kapitän Juan Sebastián de Elcano fortgeführt,

nach dem auch das berühmte viermastige Segelschulschiff (Foto 18: Autor) der Königlich Spanischen Marine benannt ist.

Wer innerhalb kürzester Distanz verschiedene Strandformationen geniessen möchte, für den ist
Conil de la Frontera der richtige Platz:

er kann zwischen steilen roten Kliffs (Acantilado) mit kleinen Badebuchten (Calas), langen gepflegten
Sandstränden








oder unberührter Dünenküste (Fotos 19, 20, 21: Autor)
mit stetigen Winden für Surfer und Kite-Surfer sowie wunderschönem küstennahen Pinienwald wählen.

2. Die COSTA DEL SOL, die "Sonnenküste" befindet sich zwischen La Línea de la Concepción, der spanischen
Grenzstadt zu Gibraltar, und der Axarquía in der Provinz Granada.

Sie ist weltberühmt für ihr Jet-Set-Flair (Marbella), ihren Massentourismus (Benidorm), ihre eleganten
Yachthäfen (Puerto Banús) und
ihre vielen Golfplätze (z. B. Valderrama, das viele Jahre das europäische Volvo-Masters Turnier beherbergte - siehe Fotos 22 und 23 (Autor)).
Die Küste ist sanfter und das Klima milder auf der Mittelmeerseite - verglichen mit der Costa de la Luz - aber viele werden den feinen Sand und die schönen Strände hier vermissen. Wer hingegen belebte Strände und ein aufregendes Nachtleben sucht, für den ist die Costa del Sol erste Wahl!

3. Die COSTA TROPICAL - die 'tropische Küste' erstreckt sich zwischen der Axarquía (Provinz Granada) und
der Provinz Almería. Salobreña, Motril und Almuñecar sind einige bekannte Küstenorte mit kulturhistorischem
Hintergrund.

Durch das Gebirgsmassiv der Sierra Nevada geschützt, herrscht hier auch im Winter ein mildes Klima und
es besteht die Möglichkeit,

(Foto 24: ChromaticOrb)
morgens zum Skifahren zum Beispiel nach Pradollano zu fahren und nachmittags
im Mittelmeer zu schwimmen.

4. Die COSTA DE ALMERÍA
- die Almería Küste, befindet sich innerhalb der Grenzen der gleichnamigen
Provinz. Künstenorte wie Mojácar, Aguadulce und Roquetas del Mar haben ihren eigenen Reiz.

Die Halbinsel CABO DE GATA in der Nähe von Carboneras ist ein UNESCO Biospärenreservat mit einem
einzigartigen Unterwasserpark, einem Paradies für Taucher. Gegenwärtig wird die Region von teilweise illegaler
Grundstücksspekulation und wilder Massenbebauung bedroht.

2. FESTLICHKEITEN UND LEBENSART


VOLKSFESTE, PROZESSIONEN UND PILGERFAHRTEN ('FERIAS, PROCESIONES Y ROMERÍAS)


Das Leben in Andalusien wird von zahlreichen Festen und Feierlichkeiten geprägt. Jeder Ort hat seinen
eigenen Heiligen oder Schutzpatron, der jedes Jahr mit einer oder mehreren "ferias" (Volksfesten) geehrt
wird, bei denen der ganze Ort auf den Beinen ist. (Fotos 25 und 26: Autor)

Die Fotos zeigen eine Prozession zu Ehren von San Sebastián, die jedes Jahr im Januar von den Bewohnern von El Colorado, einem Ortsteil von Conil de la Frontera, abgehalten wird.

Alt und Jung schmücken Pferdewagen

oder Traktorfuhrwerke mit Papierblumen, manchmal auch echten Blüten, und es gibt Wettbewerbe für die schönsten Wagen - eingeteilt nach Altersklassen der Teilnehmer.




Normalerweise nehmen ca. 10.000 der rund 20.000 Einwohner daran teil, in einem Pinienwald wird eine etwa 3-stündige Rast eingelegt und es duftet überall nach Gegrilltem. Nach dieser Stärkung setzen sich die Familien wieder in Bewegung, um den etwa 9 Kilometer langen Rückweg anzutreten.

Eine der größten Prozessionen oder Pilgerfahrten (Romerías) findet alljährlich in der Provinz Huelva statt.
 
(Foto 27 von Dybs)

Etwa eine Million Pilger ziehen zu Fuß, zu Pferd, zu Wagen in der Pfingstwoche zur "Virgen del Rocío" (der
"Heiligen Jungfrau des Morgentaus"), bei einem Kloster in Almonte, welches auch Papst Johannes Paul II 1993
besuchte.

DIE OSTERWOCHE (SEMANA SANTA)
ist eine ganz spezielle Zeit für viele der überwiegend katholischen Spanier. Meistens beginnend mit dem Palmsonntag ('Domingo de Ramos') findet man die ganze Woche über an vielen Orten täglich Prozessionen,
die von unterschiedlichen Bruderschaften ('Hermandades') organisiert werden,
und das zu fast allen Tages- und Nachtzeiten.

(Fotos 28 und 29: Autor)

Statuen mit Szenen aus dem Leben Jesu oder der Jungfrau
Maria - häufig wertvolle Kunstwerke - werden von unter einer verhüllten Plattform versteckten 24 bis 48 Trägern

('Costaleros') durch den Ort bewegt. In größeren Städten können Statuen und Anzahl der Träger auch deutlich
größer ausfallen. Tausende von Gläubigen und Schaulustigen sehen den 'pasos' (Marschrhythmus der Prozession) in den Straßen zu, und Millionen Menschen verfolgen das Geschehen zu Hause am Bildschirm, wenn Fernsehreporter insbesondere das Passieren des Kirchenportals - oftmals in gebückter Haltung der unsichtbaren Träger - leidenschaftlich wie ein Sportereignis kommentieren.

KARNEVAL (carnavales) wird meistens in Andalusiens Süden gefeiert, speziell in der Hochburg Cádiz


(vergleichbar etwa mit Mainz oder Köln). Unzählige Chöre ('Coros') nehmen an organisierten Gesangswettbewerben teil
mit selbstgetexteten Spottliedern ('Chirigotas') und Balladen über Loakalpolitik und -politiker oder menschliche


Schwächen allgemein. Viele von ihnen tragen ihren Sängerwettstreit in einer Liga aus (Montags erscheint die
neue Tabelle in den Zeitungen) und die Gewinner treten in den letzten Karnevalswochen im berühmten Theater
von Cádiz, dem 'Gran Teatro Falla' auf. Sie verkaufen Schallplatten und erscheinen regelmäßig im Fernsehen,
manchmal sogar landesweit. (Fotos 30, 31, 32 und 33: Autor)

Obwohl Cádiz traditionell eine der Gegenden mit der höchsten Arbeitslosigkeit Spaniens ist (2008 etwa 18 %)
findet man zu dieser Jahreszeit fast immer nur fröhliche Menschen, die mit der Vorbereitung von Auftritten
oder ihren Verkleidungen beschäftigt sind.

 3. KURZE ANMERKUNGEN ZUR GESCHICHTE ANDALUSIENS


Ganz eindeutig stammt die Bezeichnung 'Andalusien' (Andalucía) aus dem Arabischen 'Al Andalus'. Trotzdem
streiten sich die Gelehrten über die tatsächliche Bedeutung. Entweder wird damit 'das Land der Wandalen'
bezeichnet, oder das westgothische 'Land, das durch Losaufteilung entstand' oder aber es wurde nach dem
Arabischen Eroberer und Feldherr Tarik ibn Malluk benannt, der gleichzeitig mit seinem Namen für Gibraltar
(Dschebel al Tarik - Berg des Tarik) steht und für die südlichste Stadt auf dem spanischen Festland - Tarifa
(Hochburg für Surfer und 'Windhauptstadt' Europas)

Die historische Besiedlung begann wohl mit den Phoeniziern - Cádiz bezeichnet sich selbst stolz als die älteste
ständig bewohnte Stadt der westlichen Hemisphäre - gegründet vor mindestens 3500 Jahren und nach Neptuns Sohn benannt.

Während der Römerzeit wurde das Gebiet als 'hispania betica' geführt, ein Name, der sich heute noch in einem
Gebirgszug und beim bekannten Fußballclub 'Real Betis Sevilla' wiederfindet.

Mehr als 700 Jahre (etwa zwischen 711 und 1492 nach Chr.) wurde es von Arabischen Dynastien beherrscht. Vieles aus deren Kultur findet man heute noch im täglichen Leben, zum Beispiel bei Flussnamen, die mit 'Gua' wie
Gualdalquivir beginnen oder einfachen Tätigkeiten und Berufen, die mit 'Al' wie 'albañil = Maurer beginnen.

Wie schon oben aufgeführt, enthalten viele andalusische Orte wie Jerez de la Frontera (Namensgeberin für die englische Verballhornung 'Sherry') oder Conil de la Frontera den gleichen Namenszusatz, nämlich 'de la Frontera'.
Dieser rührt von ihrer ehemaligen Stellung als Grenzstadt zwischen dem Mauren- und dem Christenreich her.

Mit der Entdeckung der Neuen Welt, wo Spanisch (wenn man von den USA, Kanada, Brasilien und einigen kleineren Staaten absieht) immer noch die dominierende Sprache ist - häufig mit dem starken andalusischen Akzent - entwickelte sich Andalusien als wichtigster Ausgangspunkt für Expeditionen der bekanntesten (manchmal auch umstrittensten) Entdecker und Eroberer wie Hernán Cortés (Mexiko - Aztekenreich), Francisco Pizarro (Peru - Inkareich) oder Juan Ponce de León (Puerto Rico und Florida).

Sevilla, die andalusische Hauptstadt mit heute mehr als 700.000 Einwohnern, besaß das Handelsmonopol
für die neue Welt und damit Zugang zu unvorstellbaren Reichtümern. 1680 ging dies an Cádiz über und
verlor sich 1788.

Die folgenden Jahre der Spanischen Erbfolgekriege, die Napoleonischen Kriege und der spanische Bürgerkrieg
(1936 - 1939), gefolgt von der Franko-Diktatur (1939-1975), einer Leidenszeit für viele Andalusier, sollen
hier nicht weiter Gegenstand der Betrachtung sein.

Der moderne Aufschwung begann mit den ersten freien Wahlen 1977, der Erlangung des Status als 'autonomer
politischer Einheit' 1982 ('comunidad autónoma') mit eigener Regionalparlamentswahl und Spaniens Beitritt
zur EU (1986). Insbesondere durch dieses Ereignis erhielt Andalusien enorme Subventionen für Agrarwirtschaft
und Fischfang sowie zum Ausbau der touristischen Infrastruktur. Dies führte zu einem langanhaltenden
Bau- und Wirtschaftsboom, der sich erst gegenwärtig (2008) deutlich abschwächt.

4. ABSCHLIESSENDE BEMERKUNGEN


Da es in einem verhältnismäßig begrenzten Artikel natürlich unmöglich ist, alle relevanten Informationen
zu einem komplexen Themengebiet aufzuführen, hat sich der Autor auf die grundsätzlichsten Dinge
beschränkt, die aber vielleicht ein erstes Interesse des Lesers an diesem schönen Landstrich weiter wecken
können. Mit der Erfahrung von zahlreichen Reisen bis in recht entlegene Gebiete unserer Welt hält
der Autor Andalusien für eine der schönsten und vor allem durch seine Menschen liebenswertesten Regionen -
und das nicht nur innerhalb Europas.

5. FOTOS + LINKS


Fotos stehen unter Creative Commons Lizenz entweder vom Autor selbst oder von FLICKR (TM) und sind mit dem Link ihrer Urheber versehen.

Außer den direkten Links im Text hier noch eine kleine, demnächst erweiterbare Liste aktueller Infoseiten:

Andalusien allgemein

Tourismus

Wandern in Andalusien

Geschichte

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