Klassifikation nach ICD-10:
M72.0 Fibromatose der Palmarfaszie [Dupuytren-Kontraktur]
Definition und Verlauf
Die Erkrankung wurde nach dem französischen Chirurgen Baron Guillaume Dupuytren benannt. Bei der Dupuytren-Kontraktur (auch Morbus Dupuytren genannt) handelt es sich um eine fortschreitende Schrumpfung und Verdickung der Bindegewebsplatte der Hohlhand (Palmaraponeurose). Zuerst entwickeln sich meist derbe Knötchen am oberen Rand der Hohlhand (bevorzugt am Ring- und Kleinfinger), die langsam größer werden. Im weiteren Verlauf kommt es zurAusbildung von bindegewebigen Strängen, die von der Hohlhand bis in die Finger ziehen und die Streckung der Finger behindern (Beugekontraktur). Anfangs können die Finger dann nicht mehr im Grundgelenk, später auch im Mittel- und Endgelenk gestreckt werden. Die Haut über den Veränderungen ist verdickt und schlecht verschiebbar. Durch die Veränderungen kann die Funktion und Leistungsfähigkeit der Hand stark beeinträchtig sein.
Oft verläuft die Erkrankung in Schüben, d.h. an eine Zeit des raschen Fortschreitens kann sich eine Phase des Stillstands ohne Veränderung anschließen. Eine Verletzung im Bereich der Handinnenfläche kann bei entsprechender Veranlagung das Auftreten einer Dupuytren-Kontraktur beschleunigen.
Der Verlauf wird in vier Stadien eingeteilt. Die Einteilung erfolgt entsprechend dem Streckdefizit. Dabei wird der Grad der Beugekontraktur aller Gelenke eines betroffenen Fingers addiert (nach Michon, Tubiana und Thominae):
- Stadium I: 0 bis 45°
- Stadium II: 45 – 90°
- Stadium III: 90 – 135°
- Stadium IV: > 135°
Für den alltäglichen Gebrauch hat sich die Einteilung nach Iselin bewährt (auch hier wird jeder Finger getrennt beurteilt):
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| Stadium IV nach Iselin |
- Stadium I: Knoten- und Strangbildung in der Hohlhand
- Stadium II: Beugekontraktur im Metatarsophalangeal-Gelenk
- Stadium III: Beugekontraktur im Metatarsophalangeal- und proximalen Interphalangeal-Gelenk
- Stadium IV: Hochgradige Kontraktur im Metatarsophalangeal- und proximalem Interphalangeal-Gelenk mit Hyperextension des distalen Interphalangeal-Gelenks.
Das entsprechende Krankheitsbild am Fuß wird als Morbus Ledderhose, das am Penis als Induratio penis plastica bezeichnet.
Ursache
Die genaue Ursache der Dupuytren-Kontraktur ist unklar. Oft sind in einer Familie mehrere Personen betroffen, sodass erbliche Faktoren eine Rolle zu spielen scheinen. Am häufigsten findet man die Erkrankung bei hellhäutigen Männern nordeuropäischen Ursprungs. Auch Alkoholiker mit Leberzirrhose, Diabetiker und Epileptiker leiden gehäuft an der Bindegewebsschrumpfung.
Therapie
Konservativ
Da das Fortschreiten der Erkrankung nicht aufgehalten werden kann, ist eine konservative Therapie in der Regel nicht Erfolg versprechend und damit ohne Bedeutung.Operativ
Die medizinische Indikation zur operativen Therapie sollte erst dann erfolgen, wenn der Patient die Hand nicht mehr flach auf den Tisch legen kann, d.h. wenn mindestens ein Finger nicht mehr voll gestreckt werden kann (Streckverlust > 20°). Eine operative Therapie kann auch dann angeraten sein, wenn der Patient unter starken Schmerzen oder sehr starken Hauteinziehungen leidet. Insbesondere durch starke Hauteinziehungen können Infekte ausgelöst werden. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, einen operativen Eingriff durchzuführen. Man unterscheidet zwischen:- Fasziotomie
- partiellen Fasziektomie
- Totalentfernung der Palmaraponeurose
Verweise
- F.U. Niethard, J. Pfeil. Orthopädie (5. Aufl.), Georg Thieme Verlag Stuttgart, 2005. ISBN: 3-13-130815-X
- G. Aumüller, G. Aust, A. Doll, J. Engele, J. Kirsch, S. Mense, D. Reißig, J. Salvetter, W. Schmidt, F. Schmitz, E. Schulte, K. Spanel-Borowski, W. Wolff, L.J. Wurzinger, H.-G. Zilch. Anatomie, Georg Thieme Verlag Stuttgart, 2007. ISBN: 3-13-136041-0







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