Lounge-Style inmitten von Alpen-Barock


Man kennt sie ja, die adretten, holzgekleideten Hotelbauten in der Tiroler Bergwelt. Ein Türmchen hier, ein Türmchen da und ein Meer von Blumen an den schweren Balkonen. Und man glaubt, sie alle schon gesehen haben. Aber es gibt auch Ausnahmen. Solche, die vorwiegend schrill sind, sich dabei in den Vordergrund drängen. Und - gottlob - auch welche, deren Einfachheit und Schlichtheit den Blick aufs Wesentliche nicht verstellen. Dass man Ursprünglichkeit auch mit modernem Lifestyle-Trends verbinden kann, das zeigt sich in einem neuen Hotel im idyllischen Bergdorf Obergurgl.

Auf gut 1.900 Meter, ganz hinten im Ötztal, liegt Obergurgl. Nur 15 Kilometer vom lärmenden Sölden entfernt aber eine ganz andere Welt. Ruhig, beschaulich hingebettet. Zumindest in den Sommermonaten. Eingebunden in sattem Grün und schroffen Felsen. Nicht weniger als 174 Dreitausender überragen es, idyllische Almen, naturwissenschaftlich interessante Hochmoore, imposante Naturschönheiten soweit man blicken kann. Eine wahrhaft beeindruckende Landschaft, die dem Ort längst den Rang eines Wintersport-Eldorados erster Güte eingebracht hat. 30 Hotels wurden in dieses archaische Stück Land inmitten der Ötztaler Alpen hineingebaut. Den meisten sieht man schon von außen an, wie sie langsam gewachsen sind, dass aus einem einst kleinen Beherbergungsbetrieb über all die langen Jahre was Großes und Größeres wurde. Und man hat den Eindruck, dass die Hoteliers bei jedem Umbau erst mal zu den Nachbarn schauten, um ja den ortstypischen Stil zu treffen und die Bergidylle nicht zu verschandeln. Natürlich sind die Hotels innen - soweit das eben das Grundstück zuließ, denn Platz zum Bauen ist hier oben rar, der gehört den Bergmajestäten - mit modernsten touristischen Einrichtungen ausgestattet, Hallenbäder, Wellness-Landschaften mit allem Pipapo. Aber als Besucher hat man das Gefühl, dass dort oben die Zeit irgendwann einmal stehen geblieben ist. So zirka Mitte der Siebziger oder Anfang der Achtziger des vorigen Jahrhunderts. Das hat seinen Charme. Das ist auch gut so, gibt Sicherheit und Geborgenheit. Die Gäste gutieren dies. Denn nachdem fast in den meisten Tiroler Bergdörfern, als die Touristen kamen - oft etwas voreilig - die Miststöcke aus den Dörfern entfernt wurden, damit ja kein unfeines Gerüchchen die feinen Nasen der noblen Gäste verschreckt, oder der einen oder anderen Kuh die Glocke genommen wurde, weil das Bimmeln einen empfindlichen Städter hätte aufschrecken können, hat man hier in Obergurgl scheinbar gewünscht, dass es hier so bleiben soll, wie es ist, weil es gut ist, wie es ist.

So kann man sich gut vorstellen, wie im letzten Jahr erst einmal ein leises Raunen durch das Dorf gegangen ist, begleitet von ungläubigem Kopfschütteln, und wie dieses Raunen dann wohl auch in Empörung übergegangen ist, als die Wirtsfamilie Gstrein, durch und durch Obergurgler und es deshalb besser wissen sollten, ihr neues Hotelprojekt vorstellten. Wollten sie doch tatsächlich beinahe das ganze alte, traditionsreiche Hotel Josl abtragen um Platz für etwas gänzlich Neues zu schaffen. Mitten ins Dorfzentrum wollten sie so einen "Kasten" (Originalzitat eines Nachbarn) hinstellen - wahrhaft ein gewagtes Unternehmen!

Gottlob: Die Familie Gstrein ließ sich nicht beirren, plante mit dem Architekten Hugo Schöpf (so wie sie ein "gestandener" Ötztaler) ein Hotel, so ganz und gar anders alle andere Bauten im schmucken Obergurgl, dass es die Gäste nur wundern konnte. Ein Hotel wie die Bergwelt selber: authentisch, großzügig, visionär modern und doch eingebettet in Althergebrachtes. "Neues, alpines Bauen" so nennen die jungen Wilden unter den Tiroler Architekten diesen Stil. Reduziert in der Linienführung, einfach, beinahe schlicht von außen. Innen keine Räume mit Pseudo-Zirbenstuben-Optik, sondern viel Freiraum und eine gewisse Leichtigkeit, die den Blick frei macht für das Wesentliche und dadurch die Ursprünglichkeit empfinden läßt. Auch wenn man die alte Stube - natürlich ein wenig entrümpelt - belassen hat. Auch wenn die eine oder andere Jagdtrophäe an den Wänden hängt (Mann ist schließlich Jäger und Wildheger und stolz darauf). Es ist ein Haus voller Überraschungen und Gegensätze, in welchem jeder seinen Urlaub gestalten kann, wie er will. Klarheit und Offenheit prägen es. Modernität und Wärme, individueller Charme und Stil. Breite Glasfronten gewähren Blicke auf das überwältigende Bergpanorama. Lobby, Frühstücksraum, Speisesäle und Bar bilden eine harmonische Einheit, den Living Room. Wenige, aber kräftige Farben und edle Materialien wie Nuss, Eiche, Wenge und Schiefer stellen das Geschehen in den Fokus. Die Atmosphäre passt sich dem Tagesverlauf an: Wo am Morgen durch Sonnenlicht und harmonische Musik Ruhe herrscht, wird das Josl abends zu einer farbigen Oase voll Energie. In den Guest Rooms erwarten den Gast stylish inszenierte Intimität und Gemütlichkeit. Oben am Dach wird diesen Lebensräumen mit all den sinnlichen Vergnügen die Krone aufgesetzt. Umgeben von einer Terrassenlandschaft und rundum eine einzigartige Bergkulisse gibt es dort eine in Glas gehüllte Wellbeing-Area mit Saunen, Dampfbädern, Relaxzone, Dachterrasse und überwältigendem Panoramablick.

Der Interior-Stil orientiert sich ganz offensichtlich am urbanen Lounging-Style, wurde aber gekonnt an die alpine Umgebung angepasst. "Bei der Innenarchitektur wurde bis ins kleinste Detail auf spektakuläre Lösungen gesetzt, die modern aber aber nicht gewöhnlich wirken" sagt Innenarchitekt Ludwig Martha. Und so nippt man, tief eingegraben in den weichen Sofas am offenen Kamin, an seinem Cocktail und lässt das Leben an sich vorbeidefilieren. Fühlt sich nie allein dabei, spürt die Regeneration und wartet ganz relaxt auf den Neubegin. Slow Down und Destressing-Programme können einem gestohlen bleiben (obzwar in allen Facetten angeboten!). Neu orientiert hat man sich ja schon: Mountain Lounging, einfach "Abhängen in den Bergen", ist etwas Wunderbares.

Comments

Knol-Verzeichnis

Lieber Knol Autor!
Ich arbeite gerade an dem Projekt "Knol-Info" und möchte damit eine gemeinsame deutsche Plattform zu Google Knol erschaffen. Darum habe ich deinen Knol von http://www.knol-info.de/component/mtree/Geographie--2F-Geologie (http://knol-info.de/) verlinkt, ich hoffe du hast nichts dagegen.

Du kannst weitere Knols von dir oder Freunden selbst eintragen, außerdem findest du viele nützliche Informationen und Tipps!
Solltest du mit der Verlinkung nicht einverstanden sein, melde dich einfach kurz bei mir.

Viele Grüße!
Erik

Last edited Nov 26, 2008 6:52 AM
Report abusive comment
Article rating:
Your rating:
Moderated collaboration
All signed in users can suggest edits to the knol, but these need approval from an author before being published
Version: 3
Versions
Last edited: Jul 24, 2008 6:23 AM.

Activity for this knol

This week:

9pageviews

Totals:

133pageviews
1comments