Nietzsche: Was ist Pathos der Distanz?

In meiner Seminararbeit würde ich gern an mein Referat anschließen, wo ich mich der Verbundenheit des Moralen und Ontologischen in Nietzsches Genealogie der Moral gewidmet habe.


Zuerst würde ich gerne die Unterscheidung an sich selbst kurz erwähnen und dann vor sie zurückkommen, und zwar zu dem eigentlichen Begriff des Pathos der Distanz und ich würde mich bemühen so eine Interpretation vorzuschlagen, die es möglich machen würde, diese Einheit zu behalten.

Die alten Grundfehler der Untersuchung beschreibt Nietzsche so:

„Nun liegt für mich erstens auf der Hand, dass von dieser Theorie der eigentlich Entstehungsheer des Begriffs gut an falscher Stelle gesucht und angesetzt wird: das Urtheil gut rührt nicht von Denn her, welchen Güte erwiesen wird! Vielmehr sind es die Guten selber gewesen, dass heisst die Vornehmen, Mächtigen, Höhergestellen und Hochgesinnten, welche sich selbst und ihr Thun als gut, nämlich als ersten Ranges empfanden und ansetzen, im Gegensatz zu allem Niedrigen, Niedrig-Gesinnten, Gemeinen und Pöbelhaften. Aus diesem Pathos der Distanz heraus haben sich das Recht, Werthe zu Schaffen, Namen der Werthe auszuprägen, erst genommmen: was gieng sie die Nützlichkeit an!“ 1

Aus diesem Pathos beginnt Herren-Moral. Diese Moral befiehlt und herrscht. Sie erwacht durch Wille zur Macht, durch die Überwindung und durch andere Herrenaktivität. In der ersten Abhandlung spricht Nietzsche über Unterschiede zwischen Herren- und Sklaven-Moral und über zwei unterschiedliche Ursprünge der Moral. Dieser Unterschied ist nicht nur moralisch, sondern auch ontologisch.

Für Nietzsche ist die Herren-Rasse ursprünglich, wirklich und aktiv. Gegenüber der Herren-Rasse steht der Sklave oder die Sklaven. Sie sind reaktiv, abgeleitet und, selbstverständlich, sklavisch. Der Herr nimmt den Sinn aus sich selbst, aber der Sklave nimmt es aus den Anderen, nicht aus sich selbst. Nietzsche schreibt:

„Die Sklaven-Moral bedarf, um zu entsteh, immer zuerste einer gegen- und Außenwelt, sie bedarf, physiologisch gesprochen, äussere reize, um überhaupt zu agiren, - ihre Aktion ist von Grund aus Reaktion.“ 2

Beim Herr ist das gerade entgegengesetzt:

„Sie agirt und wächst spontan, sie such ihren Gegensatz nur auf, um zu sich selber, noch denkbarer, noch frohlockender Ja sagen – “3

Sklaven-Moral ist Moral der Rache und des Hasses. Der Sklave ist rachgierig. Er nimmt Macht aus Ressentiment. Mit Ressentiment beginnt der Sklavenaufstand.

„Der Sklavenaufstand in der Moral beginnt damit, dass das Ressentiment selbst schöpferisch wird und Werthe gebiert: das Ressentiment solcher Wesen, denen die eigentliche Reaktion, die der That versagt ist, die sich nur durch eine imaginäre Rache schadlos halten.“ 4

Und wer ist eigentlich der Böse, im Sinne der Moral des Ressentiment?

In aller Strenge geantwortet: eben der Gute der anderen Moral, eben Vornehme, der Mächtige, der Herrschende, nur umgefärbt, nur umgedeutet, nur umgesehn durch Giftauge des Ressentiment.

Aber der Herr ist auch ressentiment, und es gibt hier ein Unterschied:

„Das Ressentiment des vornehmen Menschen selbst, wenn es an ihm auftritt, vollzieht und erschöpft sich nämlich in einer sofortigen Reaktion, es vergiftet darum nicht.“5

Die Dialektik zwischen Aktion und Reaktion ist der letzte Schlüsselpunkt. Die Stärke ist der ontologische Begriff und Prinzip der Wirklichkeit. Nietzsche sagt:

Von der Stärk verlangen, dass sie sich nicht als Stärke äussere, dass sie nicht ein Überwältigen-Wollen, ein Niederwefen-Wollen, ein Herrwerden-Wollen, ein Durst nach Feinden und Widerständen und Triumphen sei, ist gerade so widersinnig als von der Schwäche verlangen, dass sie sich als Stärke äussere.

Bis hier der Inhalt meines Referates. An dieser Stelle werde ich mich bemühen um den eigenen Begriff der Distanz des Pathos durchzudenken, der ein Schlüsselbegriff für das Begreifen der eigentlichen Möglichkeit ist. Normalerweise verstehen wir die Distanz als einen besonderen Modus der Entfernung und Beobachtung.

Die Distanz garantiert uns auf einer Seite dass wir und aus der Macht des Beobachteten herausgehen und zur gleichen Zeit macht sie es möglich das Beobachtete im Ganzen zu überschauen. In diesem Sinne spricht Kant über die Distanz in Kritik der Urteilskraft, wenn erüber die Distanz spricht, die man nehmen muss gegenüber der Pyramide, so dass wir sie ( die Pyramide) zur gleichen Zeit im Ganzen sehen könnten und zur gleichen Zeit die Details von dem Beobachtungsfeld nicht verlieren würden.

Diese äusserliche Distanz (Aussen-Distanz) hat ihre eigene innere Gestalt. Wenn wir die Distanz als eine gewisse Entfernung von dem Objekt verstehen, in dem sich uns das Ganze und sein Horizont gibt, erscheint. Gerade diese Fähigkeit des Abstandes ist das was wir als Garantie des Begreifens des Sinnes der Sachen verstehen. Wir verstehen die Sachen wenn wir bei denen nicht geschütellt sind, wenn wir die gewisse Distanz verschafft haben. Wenn wir bis zur gewissen Grenze kein Interesse an der Sache haben. Oder anders gesagt, wir sind zumindest bei keinem persönlichen Interesse geleitet. So ist das normale Verstehen der Distanz.

Beide diese Bedeutungen, also sowohl die äußerliche Distanz, die den Überblick des Ganzen garantiert, als auch die innere Distanz, die das Begreifen des Ganzen vereinbart, beide sind abhängig von dem Fakt, dass die Distanz gewisse Interesselosigkeit versichert, dass uns die Sache nicht betrifft.

Die Distanz verstärkt auch die Unterscheidung, die Trennung. Mit diesem Ursprung hängt auch die Prämisse der modernen Philosophie zusammen, und zvar das kartesianische Clare et distincte! Falls etwas distanziert ist, und zur gleichen Zeit ist es getrennt, es ist an sich alleine und evident. Die eigentliche Etymologie des Begriffes der Distanz ist im Lateinischen von der Verbform distendo abgeleitet, was bedeutet sich ausdehnen, sich ausbreiten, spannen, trennen. Das Verb tendo,tendere alleine dann bedeutet spannen und ausdehnen. Dis ist dann das Präfix was heute gegen bedeutet. Das eigene Substantiv distantia bedeutet dann sowohl die Differenz, als auch Verschiedenheit, und Entfernung und Entlegenheit. Auch hier behält sie beide Bedeutungen.

Dagegen das Wort pathos6 kommt aus dem Griechischen pathos (pl. páthé) und in Aristotelischen Metaphysik spielt eine zentrale Rolle was die zehn ontologischen Kategorien betrifft. Ins deutsche wird das Wort pathos in der Bedeutung des Erleiden also als das Erlebnis, Gefühl des Angstes. Was die heutige Bedeutung des Pathos betrifft, die Situation ist kompliziert. Normalerweise unterscheiden wir drei Bedeutungen, die etymologische, metonymische,und abgeleitete, pejorativ (see zum Beispiel Aesthetisches Wörterbuch von E. Souriara)

Die ursprüngliche etymologische Bedeutung ist vom dem Griechischen pathos abgeleite, die starke Erregung bedeutet. Bei Aristoteles bekam der Begriff (in Rhetoric und Poetik) die Bedeutung der Lage der Seele, die stark die emotiven Bewegungen des Gemütes erlebt. Dieser Abriss ist entweder mit dem Rhetor, oder mit dem Autoren verbunden, und damit beeinflusst seines Aussagens; oder mit den Figuren des Dramas, denen der Autor so eine Sprache aufdrängt; oder mit den Zuschauer, die mit so einer Rede bewegt sind.

Die metonymische Bedeutung verbindet sich mit der Figur Ursache und Konsequenz, im Falle des Pathos handelt sich um die Benutzung so genannten pathetischen Stil. Der ist, aus der Sicht der Poetik, ausgelöst dem eigenen Pathos. Die pejorative Bedeutung verbindet sich mit dem metonymischen und bezeichnet falsche Benutzung der Figur verbundenen mit dem pathetischen Stil.

Und interessiert die erste Bedeutung und mit ihr verbundene Überzeugung, dass der Pathos zwar eine Laune, Lage des Gemütes ist, aber zwar verbunden mit irgendwelchem äusseren Einfall, irgendwelchem Ereignis, die das Gemüt bewegt hat. Wir sollten besonders den Fakt akzentuieren, dass der Ursprung des Pathos außer des Gemüts ist.

Kommen wir jetzt zurück zu dem eigentlichen Begriff Pathos der Distanz. Es scheint, dass wir hierevidenten Streit, Paradox finden, der scheinbar keine interpretative Stichhaltigkeit hat. Pathos der Distanz musste so was wie die interesslose Bewegung oder ähnlich klingender Nonsens sein. Die Distanz als irgendwelche Interesselosigkeit zu verstehen wäre gegen dem Rest des Textes. Andere Möglichkeit wie Pathos der Distanz zu verstehen wäre es wie Gemütsbewegung zu begreifen, die dem Bewusstsein der Distanz verursacht ist, exakter der Differenz. Und diese Differenz würde starke Erschütterung verursachen Die Erschütterung durch die Wahrnehmung der eigentlichen Differenz, des eigentlichen Abstandes des Anderen.

Schauen wir mal näher auf die Kontexte, in denen man den Begriff entdeckt. Und wie weit sind beide Interpretationen diesem Zugang gerecht. Normalerweise werden die zentralen Stellen des Begriffes Pathos der Distanz betrachtet, und zwar im Buch Jenseits des Gut und Böse und im Buch Zur Genealogie der Moral, werfen wir Blick auf beide neben einander:

Jenseits Gut und Böse

„Ohne das Pathos der Distanz, wie es aus dem eingefleischten Unterschied der Stände, aus dem beständigen Ausblick und Herabblick der herrschenden Kaste auf Untertänige und Werkzeuge und aus ihrer ebenso beständigen Übung im Gehorchen und Befehlen, Nieder- und Fernhalten erwächst, könnte auch jenes andre geheimnisvollere Pathos gar nicht erwachsen, jenes Verlangen nach immer neuer Distanz-Erweiterung innerhalb der Seele selbst, die Herausbildung immer höherer, seltenerer, fernerer, weitgespannterer, umfänglicherer Zustände, kurz eben die Erhöhung des Typus »Mensch«, die fortgesetzte »Selbst-Überwindung des Menschen«, um eine moralische Formel in einem übermoralischen Sinne zu nehmen.“ 7

Genealogie der Moral

„Nun liegt für mich erstens auf der Hand, daß von dieser Theorie der eigentliche Entstehungsherd des Begriffs »gut« an falscher Stelle gesucht und angesetzt wird: das Urteil »gut« rührt nicht von denen her, welchen »Güte« erwiesen wird! Vielmehr sind es »die Guten« selber gewesen, das heißt die Vornehmen, Mächtigen, Höhergestellten und Hochgesinnten, welche sich selbst und ihr Tun als gut, nämlich als ersten Ranges empfanden und ansetzten, im Gegensatz zu allem Niedrigen, Niedrig-Gesinnten, Gemeinen und Pöbel haften. Aus diesem Pathos der Distanz heraus haben sie sich das Recht, Werte zu schaffen, Namen der Werte auszuprägen, erst genommen: was ging sie die Nützlichkeit an!“ 8

Beide Stellen scheinen die zweite von den möglichen Interpretationen des Pathos der Distanz zu begründen: Pathos, der aus dem Gefühl der Trennung und Macht entsteht. So eine Interpretation identifiziert die Aristokratie oder höhere Menschen. mit den Trägern des Pathos der Distanz. Pathos der Distanz. Ist dann so eine Lage des Gemüts des Aristokraten, in der sich der betroffene nur aus einzigem Grund befindet, und zwar dass er zu einer Gesellschaftsschichten zugehört. Wie es aus der zweiten Stelle folgt, Pathos der Distanz. Ist gewisse Laune, die sich mit Fühlen und Bestimmung des eigenen Tätigkeit verbindet.

Das Problem aber besteht darin, dass der Pathos der Distanz nur das Recht die Werte zu konstruieren gibt, er selbst aber ist wertlos und die Frage ist in welchem Sinne sollen wir uns dann den Pathos der Distanz. Als Quelle der Werten verstehen. Vorher wir in dieser Analysefortgehen, was für ein Gefühl es ist, beantworten wir die Frage: wer sind diese Aristokraten, die hier sprechen. Das sind die höheren Menschen, obwohl sie uns Nietzsche als historischen Figuren vorstellt, es ist notwendig nicht zu vergessen, dass es hier um keine Geschichte geht, sondern um Genealogie. Also, dass in dem Vordegrund seines Interessen keine historischen Figuren sind, sondern Typen, keine Geschichte, sondern Ursprünge.

Er spricht also über keine wirkliche Menschen aber über Figuren, wie aus dem Spiel, gerade so wie er die Begriffe Asket, Wissenschaftler oder Übermensch benutzt.

Es wäre doch ein Fehler den text nur als Allegorie zu verstehen, weil er sehr nah mit anderem Teil seines Denken verbunden ist und zwar mit dem Fakt, dass das menschliche Tun der Ausdruck gewisser Gedankenstruktur ist. Falls es nicht so wäre, die Metaphern der Typen und Figuren könnten nicht funktionieren. Das ist damit gegeben, dass jede Tätigkeit ihre eigene Gestalt hat, die zugänglich, erreichbar nur dank gewissen Symptomen ist.

Gehen wir jetzt zurück zu dem Pathos der Distanz als die Quelle der Werten, ontologischen und ethischen. Das Gefühl des Pathos der Distanz wäre also das Gefühül das wir bei dem Bewusstsein der Differenz unter mich selbst und jemandem anderen erleben.

Diese Differenz ist für Nietzsche hierarchisch und diese Hierarchie ist auf die Kräfte gebunden, die sich in gegebenem Ereignis treffen, und das Ergebnis dieses Treffens. So wäre eine der Interpretationen möglich, über die wir vorher gesprochen haben. Wichtig ist, dass diese Differenz wirklich ist und geht nach Aussen. Für diese Interpretation hätten wir auch andere Stellen und Beispiele wo Pathos der Distanz entdeckt sein kann, Buch Antikrist:

Der Antichrist § 43

„Niemand hat heute mehr den Mut zu Sonderrechten, zu Herrschaftsrechten, zu einem Ehrfurchtsgefühl vor sich und seinesgleichen - zu einem Pathos der Distanz... Unsre Politik ist krank an diesem Mangel an Mut!“ 9

Der Antichrist § 57

„Die Entrüstung ist das Vorrecht der Tschandala; der Pessimismus desgleichen. »Die Welt ist vollkommen« - so redet der Instinkt der Geistigsten, der jasagende Instinkt -: »die Unvollkommenheit, das Unter-uns jeder Art, die Distanz, das Pathos der Distanz, der Tschandala selbst gehört noch zu dieser Vollkommenheit.« Die geistigsten Menschen, als die Stärksten, finden ihr Glück, worin andre ihren Untergang finden würden: im Labyrinth, in der Härte gegen sich und andre, im Versuch; ihre Lust ist die Selbstbezwingung: der Asketismus wird bei ihnen Natur, Bedürfnis, Instinkt.“ 10

Typische Eigenschaft Nietzsche s texten ist die Doppelbedeutung, die Ambivalenz der Bedeutungen, die absichtlich zwei nicht zusammenhängende Schnitte behält.

Ich bemute, dass wir uns in ähnlicher Situation befindet und zwar auch in dem Falle des Pathos der Distanz. Und es ist nötig zu erforschen auch die erste vorliegende Interpretation, und zwar das Paradox der interesslosen Bewegung, Regung. Die Richtung wird zuerst durch die Schrift Geburt der Tragödie.

In dieser Schrift Nietzsche hat die Theorie des Unterfalls des griechischen Lebens bis zu der dekadenten Phase des Sokratischen und späteren Christentum entwickelt.

Er bearbeitete hier auch manche Denker, die uns weiter interessieren werden. Pathos der Distanz kann man nämlich als eine Abkürzung einer der beliebten Themen Nietzsche s Denken verstehen, und zwar die Beziehung des Dionysos und Appolon, genauer die Einheit des dionysischen und appolonischen Prinzip. Man sagte sehr viel darüber im zwanzigsten Jahrhundert aber im Prinzip wurde dieses Prinzip auf die strukturalistische Opposition reduziert: wo auf einer Seite das appolonische Prinzip in der Kunst verbunden mit den Begriffen der Schönheit und Illusion steht, auf der anderer Seite finden wir dann das Prinzip des Rausches, und aus dem das sich ergebene Erhaben und das Prinzip des Chaoses.

Das Paar macht das Schöne gegenüber dem Erhabenen aus, Illusion gegenüber Chaos, Distanz gegenüber Pathos, Kontemplation gegenüber Rausch.

Sowohl das Appolonische, als auch das Dionysische sind nur formen des bezugs zum Leben und nach Nietzsche beide durchdringen sich¨Obwohl während der Entwicklung Nietzsche s Denken kommt es zu Verschiebung in der Richtung zum Dionysos, in seinen Ursprüngen formen die beiden besondere Einheit.

Das Besondere daran ist gerade die Verbindung der gegenüberstehenden Charakteristiken. Das Appolonische ist Kontemplation, Form, Starrsucht, Abstand, Bewusstsein von sich selbst und andere. Dagegen das Dionysische ist Tanzen, Enthusiasmus und Vergessen von sich selbst im Laufe der Zeit. So gesehen der Pathos der Distanz ist die Einheit des Dionysischen und Appolonischen.

So eine Einheit des Appolonischen und Dionysischen hat noch einen Gegensatz, anderes Prinzip, das Sokratische. Das Sokratische. Bedeutet für Nietzsche hauptsächlich das Euripidische, also Drama, das kalt sein kann, als auch brennen, paradoxen Gedanken ersetzen die appolonische Kontemplation und feuerische Affekte ersetzen den dionysischen Rausch.

Falls wir die Antwort zu der Frage was ist Pathos der Distanz suchen and falls wir die Distanz alst gewisses Erkenntnis, das gegen so einem begrenzten Sokratismus steht verstehen, dann bekommen wir so eine Charakteristik des Pathos der Distanz, dass es eine Lage ist, in der wir die Welt wahrnehmen als tragisch, weil sie durch Kräfte begrenzt ist, die ständig im Streit sind und das Durchgehen und die Wirklichkeit befindet sich in diesem Streit. Das Leben ist das was wirkt, ist das Wirkende und geformte Auswirkung. Das wirkliche ist unmittelbar, wirkende, suchende keinen Sinn.

Dagegen steht das verstehen der Welt, das im Grunde auf der Reflexivität, Reaktivität und das Fortsetzen der Verwicklung gebildet ist. Wenn Nietzsche sprich über Roman an dieser Stelle, es ist kein Zufall. Falls die Verwicklung fortsetzen sollte, sie muss ein Ziel haben. Sie muss ein Autor haben, der sich des Endes bewusst ist, Autor der außer dieser Welt steht. So eine Verwicklung ist sokratisch, in späteren Werken dann christlich.

Hier entwickelt sich ein bestimmter linguistischer Instinkt der deutschen Sprache, wie die Bezeichnung der Realität als Wirklichkeit, etymologisch verbunden mit dem Wort wirken. Nietzsche zitiert an dieser Stelle Artura Schopenhauera und seine Überlegung Die Welt als Wille und Vorstellung:

„Nur als wirkend füllt sie den Raum, füllt sie die Zeit: ihre Einwirkung auf das unmittelbare Objekt bedingt die Anschauung, in der sie allein existiert: die Folge der Einwirkung jedes andern materiellen Objekts auf ein anderes wird nur erkannt, sofern das letztere jetzt anders als zuvor auf das unmittelbare Objekt einwirkt, besteht nurdarin. Ursache und Wirkung ist also das ganze Wesen der Materie: ihr Sein ist ihr Wirken. Höchst treffend ist deshalb im Deutschen der Inbegriff alles Materiellen Wirklichkeit genannt, welches Wort viel bezeichnender ist als Realität. Das, worauf sie wirkt, ist allemal wieder Materie: ihr ganzes Sein und Wesen besteht also nur in der gesetzmäßigen Veränderung, die ein Teil derselben im anderen hervorbringt, ist folglich gänzlich relativ, nach einer nur innerhalb ihrer Grenzen geltenden Relation, also eben wie die Zeit, eben wie der Raum. 11

Wir können hier besondere Verdoppelung beobachten, wenn Pathos der Distanz zwei verschiedenen Ebenen hat. Auf einer Seite betrifft es den Außen, auf der anderen Seite des Inneren des Menschen. Das erinnert uns sehr an die ähnliche Verdoppelung, die wir aus Kant s Kritik der reinen Vernunft kennen, hier haben wir Pathos der Distanz der durch den inneren Sinn wahrgenommen ist und zugleich Pathos der Distanz durch die empirische Anschauung wahrgenommen.

In beiden Fällen ist das Ereignis, in dem sich diese Fähigkeit aktiviert, durch die Emotionen und Urteil geleitet. In diesem falle Nietzsche ist nicht so weit von dem stoischen Verstehen des Urteils als eine Verwirklichung der Emotionen, aber mit dem Dualismus des inneren Sinnes und der äußeren Welt wird selbstverständlich auch der Urteil verdoppelt, und zwar in ontologischen Urteil (gehört zu der inneren Welt) und moralen (gehört zu der praktischen Tat).

Falls wir diese preliminäre Prämisse akzeptieren, dann können wir diese Interpretation weiter erweitern:

Bei der etymologischen Analyse des Wortes Distanz haben wir gezeigt, dass sie den Ursprung in der Spannung hat. Aber wie sollte man diese Spannung verstehen? Spannung ist etwas was aus dem Streit der Kräfte – aktiver und passiver stammt, z. B. Sehne des Bogens. Die Distanz ist dann Isolation der Kräfte, die wir anders wahrnehmen und dass nur bei ihren gegenseitigen Treffen. Sie ist die Bezeichnung der Differenz, die Separation in der sich unsere Kraft entdeckt, stehend gegen einer anderer. Pathos der Distanz bekommt so die epistemologische Form: er ist das Erkenntnis des Individuum über die Kräfte die er begegnet als Kräfte. Er ist also nicht hintergelassen zu irgendwelchen zeitlosen Überlegungen, aber vice versa. Zu der Gegenwart und Ereignis.

Nietzsche spricht darüber wenn er die herakleitische Philosophie hochhebt:

„Die Dinge selbst, an deren Feststehen und Standhalten der enge Menschen- und Tierkopf glaubt, haben gar keine eigentliche Existenz, sie sind das Erblitzen und der Funkenschlag gezückter Schwerter, sie sind das Aufglänzen des Siegs im Kampfe der entgegengesetzten Qualitäten.“ 12

Dieses Selbstbewusstsein und mit ihm verbundenes Begreifen der Wirklichkeit als eine Fähigkeit die Kräfte zu überwinden, die mich bestimmen und in dieser Überwindung geben Werte und Existenz, es ist in Einklang mit anderer Stelle wo man das Wort Pathos der Distanz finden kann, im text Götzen-Dämmerung oder Wie man mit dem Hammer philosophirt:

„Die »Gleichheit«, eine gewisse tatsächliche Anähnlichung, die sich in der Theorie von »gleichen Rechten« nur zum Ausdruck bringt, gehört wesentlich zum Niedergang: die Kluft zwischen Mensch und Mensch, Stand und Stand, die Vielheit der Typen, der Wille, selbst zu sein, sich abzuheben -, das, was ich Pathos der Distanz nenne, ist jeder starken Zeit zu eigen.“13

Dieses Verstehen wirft Licht auf das Konzept „neuer Distanz-Erweiterung innerhalb der Seele selhat“, weil das Vermessen der Wirklichkeit durch die Kräfte bringt in die menschliche Seele gerade Erkenntnis aber das was ist in meiner Kraft und also es ist niedriger und was nicht ist, steht also höher. Das was nicht in meiner Kraft ist und es tut was , hier gehören gerade die Instinkte und Sehnsüchte. Das sind also mit der Optik der klassischer Philosophie gesehen die Dinge, die man aus der Seele raustreiben muss.

Falls wir die Unterstützung für die Kontinuität suchen würden, dann könnten wir sie im Denken des französischen Denker Michela Foucault und mit ihm verbundenen Denker, hauptsächlich George Batailla und seine Reflexion über Souverenität und inneres Erlebnis. Hier kehrt das Erlebnis zu den Grenzsituation zurück, die radikal das Selbstverstehen ändert, sowohl das Begreifen des Subjektes und auch der Wirklichkeit.

Foucault und andere Denker sind so mit Nietzsche verbunden nicht nur durch die radikale Umwertung aller Werte aber auch die Sehnsucht nach neuem Menschen, wessen Kraft und Macht aus dem Pathos der Distanz quellen wird, Menschen über den Nietzsche in einem seiner Fragmente von der Hinterlassenschaft spricht:

„Wir haben das christliche Ideal wieder hergestellt: es bleibt übrig, seinen Wert zu bestimmen: (…)Welche Werte werden durch dasselbe negiert? Was enthält das Gegensatz-Ideal? - Stolz, Pathos der Distanz, die große Verantwortung, den Übermut, die prachtvolle Animalität, die kriegerischen und eroberungslustigen Instinkte, die Vergöttlichung der Leidenschaft, der Rache, der List, des Zorns, der Wollust, des Abenteuers, der Erkenntnis -; das vornehme Ideal wird negiert: Schönheit, Weisheit, Macht, Pracht und Gefährlichkeit des Typus Mensch: der Ziele setzende, der »zukünftige« Mensch (- hier ergibt sich die Christlichkeit als Schlußolgerung des Judentums -).“14

1 [Friedrich Nietzsche: Werke und Briefe: Erste Abhandlung: »Gut und Böse«, »Gut und Schlecht«, S. 4. Digitale Bibliothek Band 31: Nietzsche, S. 7169 (vgl. Nietzsche-W Bd. 2, S. 772-773) (c) C. Hanser Verlag]

2 Friedrich Nietzsche: Werke und Briefe: Erste Abhandlung: »Gut und Böse«, »Gut und Schlecht«, S. 22. Digitale Bibliothek Band 31: Nietzsche, S. 7187 (vgl. Nietzsche-W Bd. 2, S. 782) (c) C. Hanser Verlag

3 Friedrich Nietzsche: Werke und Briefe: Erste Abhandlung: »Gut und Böse«, »Gut und Schlecht«, S. 22. Digitale Bibliothek Band 31: Nietzsche, S. 7187 (vgl. Nietzsche-W Bd. 2, S. 782) (c) C. Hanser Verlag

4 Friedrich Nietzsche: Werke und Briefe: Erste Abhandlung: »Gut und Böse«, »Gut und Schlecht«, S. 21. Digitale Bibliothek Band 31: Nietzsche, S. 7187 (vgl. Nietzsche-W Bd. 2, S. 782) (c) C. Hanser Verlag

5 Friedrich Nietzsche: Werke und Briefe: Erste Abhandlung: »Gut und Böse«, »Gut und Schlecht«, S. 25. Digitale Bibliothek Band 31: Nietzsche, S. 7190 (vgl. Nietzsche-W Bd. 2, S. 784) (c) C. Hanser Verlag

6 Rainer Dachselt: Pathos, Univestiat Verlag WINTER, Heidelberg, 2003

7 [Friedrich Nietzsche: Werke und Briefe: Neuntes Hauptstück. Was ist vornehm?, S. 1. Digitale Bibliothek Band 31: Nietzsche, S. 7093 (vgl. Nietzsche-W Bd. 2, S. 727) (c) C. Hanser Verlag]

8 [Friedrich Nietzsche: Werke und Briefe: Erste Abhandlung: »Gut und Böse«, »Gut und Schlecht«, S. 4. Digitale Bibliothek Band 31: Nietzsche, S. 7169 (vgl. Nietzsche-W Bd. 2, S. 772-773) (c) C. Hanser Verlag]

9 Friedrich Nietzsche: Werke und Briefe: 41-50, S. 7. Digitale Bibliothek Band 31: Nietzsche, S. 7894 (vgl. Nietzsche-W Bd. 2, S. 1205-1206) (c) C. Hanser Verlag

10 Friedrich Nietzsche: Werke und Briefe: 51-60, S. 20. Digitale Bibliothek Band 31: Nietzsche, S. 7931 (vgl. Nietzsche-W Bd. 2, S. 1226-1227) (c) C. Hanser Verlag

11 [Friedrich Nietzsche: Werke und Briefe: 1-10, S. 32. Digitale Bibliothek Band 31: Nietzsche, S. 8607 (vgl. Nietzsche-W Bd. 3, S. 371) (c) C. Hanser Verlag]

12 Friedrich Nietzsche: Werke und Briefe: 1-10, S. 34. Digitale Bibliothek Band 31: Nietzsche, S. 8609 (vgl. Nietzsche-W Bd. 3, S. 372) (c) C. Hanser Verlag

13 [Friedrich Nietzsche: Werke und Briefe: Streifzüge eines Unzeitgemäßen, S. 43. Digitale Bibliothek Band 3: Nietzsche, S. 7579 (vgl. Nietzsche-W Bd. 2, S. 1013-1014) (c) C. Hanser Verlag]

14 Friedrich Nietzsche: Werke und Briefe: [15], S. 13. Digitale Bibliothek Band 31: Nietzsche, S. 9079 (vgl. Nietzsche-W Bd. 3, S. 640) (c) C. Hanser Verlag]

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Eine Liste mit deutschsprachigen Knols...

... habe ich hier begonnen:

http://knol.google.com/k/andreas-kemper/deutschsprachige-knols/8bgikaqot3ts/6#

Da es eine entsprechende offizielle Suchfunktion noch nicht gibt, wäre dies vielleicht eine Behelfslösung.

Last edited Jul 27, 2008 4:28 PM
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Josef Šlerka
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