1. Einleitung
Millionen besitzen eine Kamera, der Ausstoß von Fotografien erreicht die Milliardengrenze. Fotografieren ist ein gesellschaftlich enorm verbreiteter Ritus, der aber in den seltensten Fällen zu einer emanzipatorischen Nutzung, i.S. von Problematisierung von Wirklichkeit, führt. Der alltägliche uniforme Bildausstoß beweist dies. Die Produktion von Fotos bewegt sich innerhalb von Klischees und Stereotypen, die durchweg seit der Popularisierung der Fotografie gleich geblieben sind (Urlaubsfotos, Familienfotos).
Weder die weitgespannten formal-technischen, noch die inhaltlich-ästhetischen Möglichkeiten der Fotografie werden genutzt. Die Bilder der Amateure ersticken in dem krampfhaften Versuch, die Realität so real wie möglich zu erfassen.
Geht man von der Quantität der Bildproduktion der Amateure aus, könnte man vermuten, daß Ihre Produkte das gesellschaftliche Bewußtsein über Fotografie bestimmen müßten. Tatsächlich verschwindet die Produktion der Amateure unter einem unsichtbaren Berg belangloser Knipsbilder.
An der Amateurfotografie kann man sich darüber klar werden, wie eine massenhaft ausgeübte Tätigkeit, von der ein ganzer Industriezweig lebt, in Abhängigkeit gehalten und zur Belanglosigkeit gestutzt wird.
Weitaus relevanter für das Bewußtsein über die Verwendung von Fotografie in unserer Gesellschaft ist die Fotoproduktion der ‚Bewußtseinsindustrie’, die auf der einen Seite durch die ‚Eindruckskonkurrenz’ der Fotoindustrie die Fotomaterialien, verknüpft mit Gebrauchsanweisung zur Verwendung des Mediums, auf den Markt wirft und auf der anderen Seite durch die Massenmedien den inhaltlichen Gebrauch des Mediums durch Vermittlung von Klischees und Stereotypen prägt.
Diese Arbeit hat zum Ziel, das brachliegende Erfahrungspotential der Fotografie der Gelegenheitsknipser zumindest teilweise zu entschlüsseln. Dabei müssen sowohl Rezeption von Fotos, als auch Produktion von Fotos mit allen in sie eingehenden Bedingungsfaktoren, die vorgegebenen inhaltlichen, formalen und technischen Normen, entschlüsselt werden. Hierbei ist wesentlich, daß das Subjekt dieser Gesellschaft (der einzelne Amateur) nicht nur als allgemein gesellschaftliches gesehen wird, sondern als konkret einzelnes, in subjektiven Erkenntnisstrukturen verhaftetes Wesen.
2. Historische Aspekte der Entwicklung der Fotografie
Die rasche Entwicklung und weite Verbreitung der Fotografie hängt mit der Mode des Portraits im 19. Jahrhunderts zusammen. Das aufstrebende Bürgertum, das sich in Europa von feudalistischen Fesseln zu befreien suchte, die es in seinem ökonomischen Expansionsdrang hinderten, schaffte sich im Portrait ein Mittel der Selbstdarstellung. Seinem Abbild gegenüberzustehen, sich selbst und das erreichte zu bewundern und zu zeigen ‚ich bin wer’ war lange genug dem Adel vorbehalten. Die neue aufstrebende Klasse des Bürgertums suchte und fand in der Fotografie ein adäquates Mittel zur Selbstdarstellung, das genügend einfach (gegenüber den Vorgängern: bspw. Camera obscura) zu handhaben, billig und ‚massenhaft’ reproduzierbar war und außerdem eine ‚realistische’, authentische Wiedergabe ermöglichte.
Nach der offiziellen Einführung der Fotografie (1839 durch Arago) und den Ankauf der Patente durch den französischen Staat, wurde die Großbourgeoisie (Industrielle etc.) die erste Rezeptionsschicht der teuren „Daguerreotypien“. Die beiden ‚Erfinder’ der Fotografie, Niepce und Daguerre, waren ebenfalls wohlbetuchte Bürger, die vom Arbeitsprozeß freigestellt, Zeit zum Experimentieren und wissenschaftlichen Studien besaßen.
Noch waren Daguerreotypen teuer (eine Platte kostete etwa 25 Goldmark) und sie waren Unikate, so daß sie bevorzugt ‚künstlerisches’ Ausdrucksmittel der herrschenden und besitzenden Klasse wurden. „Man schätzt, daß um 1850 bereits zweitausend Daguerreotypen tätig waren, und daß 1853 etwa drei Millionen Photos gemacht wurden. Die Gesamtproduktion belief sich zwischen 1840 und 1860 auf mehr als dreißig Millionen Photographien. Der Preis für ein einzelnes Bild betrug, je nach Größe zwischen zweieinhalb und fünf Dollar“ (Freund, Gisele 1979, S. 34).
Erst durch Verbesserungen der technischen Apparatur (scharfe Optik, kurze Belichtungszeit) und der Ablösung der lichtempfindlichen Metallplatte durch das Glasnegativ in Verbindung mit dem „nassen Kollodiumverfahren“, wurden Fotos beliebig reproduzierbar und damit für die Industrie und andere Schichten des Bürgertums interessant. Hier setzte die Nutzbarmachung der Fotografie durch Industrie und bürgerliche Gesellschaft ein. Damit war auch der ‚künstlerische Höhenflug’ der ersten Fotografen beendet. Die Fotografie war jetzt in Ihrer Entwicklung soweit, daß man für ihren Gebrauch keine speziellen Kenntnisse mehr mitbringen musste. „Die Gesetze der rationalisierten Wirtschaft bewirkten, daß der Mensch selber mit seiner Arbeit sich immer mehr der Maschine unterwerfen musste, eine Tendenz, die sich auch in der Entwicklung der Geschichte der Fotografie widerspiegelt. Sie tritt in eine neue Phase ein…“ (Freund, Gisele 1979, S. 56).
Mit der Einführung der „Kodak-Box“ (1890, Werbeslogan: You press the button, we do the rest) wurde der Grundstein für einen sich ständig weiter ausdehnenden Amateurmarkt geschaffen. Ohne weitere fotografische Kenntnisse konnten sich die Menschen von nun an selber portraitieren. Als Reaktion auf die Popularisierung der Fotografie, versuchten sich die Kunstfotografen von der großen Masse durch formale Finessen (Bromöldruck, Gummidruck etc.) abzuheben. „Mehr denn je war das Bestreben des Photographen dahin gerichtet, die Photographie der Malerei anzunähern und diejenige Photographie erzeugte den höchsten Grad der Bewunderung, die einem Gemälde am nächsten war“ (Freund, Gisele 1979, S. 99).
Durch die Einführung der „Kodak-Box“ und den damit verbundenen technischen Innovationen, wie die mit Bromsilbergelatine beschichtete Trockenplatte, stieg auch das Bedürfnis nach massenhaft verfügbaren Reproduktionen. Noch bevor Zeitungen und Zeitschriften dieses Bedürfnis abdecken konnten, erreichte um die Jahrhundertwende die Postkartenproduktion ihren Höhepunkt:
Um 1900 gaben die Produktionsstatistiken folgende Zahlen an: Deutschland – 50 Millionen Einwohner, 88 Millionen Karten; Belgien – 38,5 Millionen Einwohner, 14 Millionen Karten; Belgien – 6,5 Millionen Einwohner, 12 Millionen Karten; Frankreich – 38 Millionen Einwohner, 8 Millionen Karten. Im Jahr 1910 schätzt man die Zahl der allein in Frankreich gedruckten Karten auf 123 Millionen und die Zahl der in dieser Industrie beschäftigten Arbeiter auf ungefähr 33.000 (vgl. Freund, Gisele 1979, S. 112).
Die Postkarten wurden erster massenhafter Träger von Fotografie, sie waren billig und mit ihrer Hilfe konnte sich jedermann die ‚Welt’ in das eigene Wohnzimmer holen.
Die Anwendung der Fotografie in der Massenbildpresse (Illustrierte, Tageszeitungen) war der nächste qualitative Sprung in der Geschichte der Fotografie. Schon zur Jahrhundertwende waren fotografische Reproduktionsverfahren und Drucktechniken (Tiefdruck, Rotationsdruck) so weit entwickelt, daß prinzipiell eine Verwendung von Fotos möglich war. Dich erst nach dem 1. Weltkrieg erreichten Fotos in der Presse den ausschließlichen Stellenwert, den sie heute besitzen (1904 illustrierte der Daily Mirror seine Seiten ausschließlich mit Fotos, ab 1919 die New Yorker Illustrated News). In Verbindung mit der Entwicklung der Kleinbildkamera (Leica), die Momentaufnahmen ohne Blitzlicht zuließ, wurden allmählich überkommene Rezeptionsgewohnheiten aufgebrochen. Politiker, Fürsten, Verbrechen, Kriege fanden Eingang in die Köpfe der Rezipienten.
„ Die Photographie leitet das Zeitalter der visuellen Massenmedien ein, als das Einzelportrait durch das kollektive Portrait verdrängt wird. Gleichzeitig wird die Photographie zu einem mächtigen Instrument der Propaganda und der Manipulation. Die Bilderwelt wird entsprechend den Interessen jener gestaltet, die die Presse besitzen: die Industrie, das Finanzkapital, die Regierungen“ (Freund, Gisele 1979, S. 117).In der Weimarer Republik wurde der Grundstein für die heutige Repräsentation von Fotos in der illustrierten Massenpresse gelegt. Das fotografische Einzelbild wurde von der Reportage (zusammenhängende Bildserie) abgelöst. Die Reportage prägte und prägt entscheidend den Charakter der Illustrierten und auch das Bild der Leser von der Welt. Dem Leser wurde und wird auf der einen Seite ein Scheinwelt vorgegaukelt, mit dem Tenor ‚siehe die Welt ist gut, es lohnt sich zu leben’, auf der anderen Seite steht die Bestärkung der Vorurteile des Einzelnen und seiner Position in der Gesellschaft, indem ihm Randgruppen, Verbrechen usw. vorenthalten werden., die ihm die Möglichkeit zur Abgrenzung gegenüber anderen eröffnen ‚ich bin besser, schöner… als die anderen’.
Abschließend läßt sich feststellen, daß die Fotografie aufgrund der gesellschaftlichen Bedingungen, eines bestimmten historischen Prozesses als Alltagserscheinung im Bewußtsein der Menschen verankert ist (massenhaftes Kommunikationsmittel). Diese Entwicklung gilt für die Produzentenseite (Gebrauch der Kamera): von der teuren und wenig handlichen Daguerreotypie, bis hin zur billigen, handhabbaren Kleinbildkamera, die Momentaufnahmen, gerade im privaten Bereich zuläßt; und für die Rezipientenseite: vom fotografischen Kunstprodukt und Unikat, bis hin zur Allgegenwart in der Presse und Werbung. Dabei hängen Produktion und Rezeption von Fotos zusammen, bedingen sich wechselseitig. Ohne die (historisch) gelernte und vermittelte Rezeption von Fotos, wäre eine Produktion in den heutigen Ausmaßen undenkbar. Indem die Fotografie dem Rezipienten ständig den Spiegel der Welt vorhält, wächst auch bei ihm der Wunsch, sich diese Welt privatim anzueignen.
2.1 Anmerkungen zum Bedeutungswandel von Abbildern
Aufhebung der Einheit Kopf-Hand
Die alten Reproduktionstechniken, wie Lithographie, Holzschnitt, Steindruck beanspruchten noch den ‚ganzen Menschen’ (im Sinne von ganzheitlich). Seine Hand führte aus, was der Kopf befahl. Im Zuge der industriellen Revolution, der damit verbundenen gesellschaftlichen Veränderung, wurde durch die Fotografie diese Einheit aufgehoben. Mittels eines physikalisch-chemischen Prozesses entsteht das Bild (Negativ), ohne zutun des Menschen, ohne seine ‚Kunstfertigkeit’. Allein sein Blickwinkel auf die Natur ist maßgebend, für das, was sich später auf dem Bild abzeichnen soll. „Mit der Photographie war die Hand im Prozeß bildhafter Reproduktion zum ersten mal von den wichtigsten künstlerischen Obliegenheiten entlastet, welche nunmehr dem ins Objektiv blickende Auge allein zufiel“ (Benjamin, Walter 1977, S. 10).
Die Zertrümmerung der Aura
Kennzeichen des Abbildes, vor der technischen Revolution durch die Fotografie, war seine Originalität, seine Echtheit und die spezifische Wahrnehmung des Originals in ritualisierten Situationen. Die Kombination dieser Elemente nennt Benjamin (1977) „Aura“, was wohl am ehesten mit sinnlichem Eindruck, Atmosphäre zu übersetzen ist. Durch die technische Reproduktion wurde diese Aura zerstört; denn bei einer Reproduktion ist die Frage nach der Echtheit, nach dem Original bedeutungslos, da unbegrenzt viele Abzüge möglich sind. Damit ist sie auch in der Lage, dem Betrachter entgegen zu kommen, sich der jeweiligen Rezeptionssituation anzuschmiegen und löst so das Abbild aus den traditionellen, ritualisierten Situationen und wird (fast) beliebig verfügbar.
„Die Reproduktionstechnik, so ließe sich allgemein formulieren, löst das Reproduzierte aus dem Bereich der Traditionen ab. Indem sie die Reproduktion vervielfältigt, setzt sie an die Stelle seines einmaligen Vorkommens sein massenweises. Und indem sie der Reproduktion erlaubt, dem Aufnehmenden in seiner jeweiligen Situation entgegenzukommen, aktualisiert sie das Reproduzierte“ (Benjamin, Walter 1977, S. 13).Veränderung der Rezeption: Kultwert/Ausstellungswert
Der Kultwert ist das Spezifikum originaler Abbilder, abhängig von Ritualen in denen das Kunstwerk dem Betrachter zugänglich gemacht wird. – Beispiel: die Götterstatue, die nur den Priestern zugänglich ist –
„Die künstlerische Produktion beginnt mit Gebilden, die im Dienste des Kultes stehen. Von diesen Gebilden ist, wie man annehmen darf, wichtiger, daß sie vorhanden sind als daß sie gesehen werden“ (Benjamin, Walter 1977, S.19).
„In der Photographie beginnt der Ausstellungswert den Kultwert auf der ganzen Linie zurückzudrängen“ (Benjamin, Walter 1977, S. 21).Gesellschaftliche Implikationen
Die technische Reproduktion als neue Qualität für die Produktion und Rezeption von Bildern löst eine Veränderung der Sinneswahrnehmung aus. Das Medium, das in diesem Sinne als das revolutionäre bezeichnet wird – die Fotografie – bewirkt ursächlich diese Veränderung. Sie löst das Kunstwerk (Abbild) aus dem „parasitären Dasein am Ritual“, indem sie die Einzigartigkeit und Echtheit, durch ein Reproduktionsverfahren aufhebt, daß beliebig viele Abzüge zuläßt und damit die gesamte soziale Funktion von Kunstwerken verändert. Sie sind nun der massenhaften Rezeption zugänglich und ebenso von den Massen, aufgrund ihrer technischen Einfachheit zu bedienen.
„An die Stelle ihrer Fundierung auf’s Ritual tritt ihre Fundierung auf Politik“ (Benjamin, Walter 1977, S. 18);
Die Zertrümmerung der Aura, das Loslösen des Kunstwerkes aus seinen originären Ritualen durch die Reproduktion, macht das Abbild gewissermaßen frei verfügbar und erzeugt so ‚Bildhunger’. Der ‚Bildhunger’ der Massen, das Bedürfnis einer Reproduktion habhaft zu werden (siehe z.B. Postkartenproduktion), stillt die kapitalistische Bewußtseinsindustrie (durch Illustrierte, Presse etc.), indem sie Realität in Form von flüchtigen Abbildern zur Verfügung stellt. Diese ‚Realität’ ist aber losgelöst von Ritualen, Traditionen und vom originär sinnlichen Eindruck (Aura!) und insofern Fiktion.
„Die Ausrichtung der Realität auf die Massen und der Massen auf sie ist ein Vorgang von unbegrenzter Tragweite sowohl für das Denken wie für die Anschauung“ (Benjamin, Walter 1977, S. 16).
3. Fotografie und Gesellschaft
Auf der anderen Seite ist die Fotografie als Massenmedium Bestandteil des Massenkommunikationssystems, wobei uns dort die Fotografie in vielfältigen Erscheinungsformen gegenübertritt (Presse, Werbung, als Beweis, als Dokumentationsmittel, Kunst, Hobbyknipser) und unser Bild von Realität bestimmt.
3.1 Die Fotoindustrie
Die Fotoindustrie unterliegt, wie alle Produktionsbereiche in der kapitalistischen Gesellschaft, einem ständigen (ökonomischen) Expansionszwang. Sie muß ihre Märkte ständig erweitern, um neue Abnehmer für ihre Produkte zu gewinnen und ständig neue Produkte (Innovationen) anbieten, um Konsumwünsche der Käufer zu befriedigen und gegenüber anderen Unternehmen konkurrenzfähig zu bleiben.Ab 1888 setzte die industrielle Produktion von fotografischen Apparaturen ein. Georg Eastman (Kodak) konstruierte eine Boxkamera, die genügend einfach zu handhaben und relativ billig war, um eine breite Schicht von Fotointeressierten zu erreichen. „ Kodak“ sicherte sich damit breite Marktanteile am Fotomarkt. Mittels neuer Technologien wird die Kamera so weit verbessert und kann in so hohen Stückzahlen aufgelegt, daß sich schon in den dreißiger Jahren Arbeiter eine Kamera leisten konnten (1930 bringt Agfa ihre Box-Camera für 4 RM heraus und verkauft in wenigen Jahren 3 Millionen Apparate).
Nach dem zweiten Weltkrieg setzt sich diese Expansion ständig weiter fort.
Dieser Expansionsdruck der Fotoindustrie hat zur Folge, daß heute fast jeder Mensch irgendwann einmal eine Kamera in den Händen hat. Damit erhält das Subjekt in der Gesellschaft ein Produktionsmittel.
„Die Fotografie ist das erste Darstellungsmedium, das auch den breiten Massen in die Hände fällt. Der auf ökonomischer Ebene ablaufende Ausdehnungszwang der Industrie kann nur über eine Verbesserung und Verbilligung der Fotografie die dafür benötigen Konsumenten beschaffen. Hier kann nun aber die ökonomische Quantität zu einer sozialen Qualität werden: Die Bevölkerung bekommt objektiv ein neues Produktionsmittel in die Hände, das viele Möglichkeiten beinhaltet. 1975 haben 70% aller deutschen Haushalte einen Fotoapparat. Sie belichten rund 85 Millionen Filme, d.h. 2 Milliarden Aufnahmen“ (Günter, Roland 1977, S. 85).
3.1.1 Tendenz zum Farbbild
Hoffnungsvoll verläuft auch die Umsatzkurve für die Fotoindustrie im Filmsektor (SW-Negativ, Farb-Negativ, Farbdia). Der eigentliche Durchbruch erfolgte hier jedoch erst in den fünfziger Jahren, mit Einführung eines von Kodak entwickelten Farbnegativfilms (Kodakcolor), der relativ gute und preiswerte Abzüge zuließ. Eigentlich erst von diesem Zeitpunkt an wurde die Fotografie für den fotografischen Laien interessant. Der weitaus größte Teil der heutzutage verknipsten Aufnahmen sind Farbkopien, im Farbdiabereich wieder gekoppelt mit einer ständig wachsenden Zubehörindustrie (Projektoren, Leinwände etc.).In den Vereinigten Staaten waren 1974 87 % der verkauften Filme Farbfilme. Der Umsatz in der BRD bewegte sich im gleichen Jahr bei etwa 80 % Farbfilmen. Absatz und Gebrauch der Schwarz-Weiß (S/W)-Filme ist insgesamt (gemessen am Gesamtumsatz) stark Rückläufig. Diese Tendenz zum Farbfilm ist Kennzeichen für eine Verschiebung/Veränderung der Produktions-, aber vor allem der Rezeptionsgewohnheiten der Amateure. Seit dem Ende des 2. Weltkriegs wird von Seiten der Werbung, der Illustrierten in ständig steigendem Maße das Farbbild eingesetzt; ‚Mann/Frau stelle sich einmal eine Marlboro Reklame in S/W vor!
Tabelle 1
Verkauf von Kameras und Filmen in der BRD
| Jahr | Haushalts- typ 1 1) | Haushalts- typ 2 2) | Haushalts- typ 3 3) |
| 1964 | 14,4 | 80,2 | 93,8 |
| 1965 | 19,9 | 77,9 | 96,6 |
| 1966 | 20,1 | 87,7 | 94,4 |
| 1967 | 21,6 | 89,4 | 96,8 |
| 1968 | 21,9 | 87,8 | 94,7 |
| 1969 | 28,1 | 89,4 | 96,3 |
| 1970 | 28,1 | 93,8 | 94,7 |
| 1971 | 24,4 | 93,0 | 96,5 |
| 1972 | 23,5 | 94,1 | 97,6 |
| 1973 | 25,0 | 93,2 | 96,9 |
| 1974 | 26,9 | 95,2 | 96,9 |
| 1975 | 31,2 | 95,6 | 97,4 |
1) Haushaltstyp 1: 4-Personen – Arbeitnehmerhaushalt mit niedrigem Einkommen
2) Haushaltstyp 2: 4-Personen-Arbeitnehmerhaushalt mit mittlerem Einkommen
3) Haushaltstyp 3: 4-Personen – Haushalt von Beamten und Angestellten mit höherem Einkommen
Ausstattung ausgewählter privater Haushalte mit ausgewählten langlebigen Wirtschaftsgütern
Quelle: Ästhetik und Kommunikation, Heft 28, 1977, S.50
Tabelle 2
Entwicklung der Fotoaufnahmen – (verwertete Aufnahmen)
| Jahr | Aufnahmen insgesamt | Verände- rung % | S/W-Aufn. Mio.Stück | Anteil % | CN-Aufn. Mio.Stück | Anteil % | Dias CU-Aufnn. Mio.Stück | Anteil % |
| 1972 | 1.470 | +8 | 370 | 25 | 700 | 48 | 350 | 24 |
| 1973 | 1.645 | +12 | 352 | 21 | 850 | 52 | 388 | 24 |
| 1974 | 1.825 | +11 | 326 | 18 | 1.010 | 55 | 429 | 24 |
| 1975 | 2.000 | +10 | 320 | 16 | 1.240 | 62 | 440 | 22 |
| 1976 | 2.000 | +10 | 352 | 16 | 1.364 | 62 | 484 | 22 |
Quelle: Ästhetik und Kommunikation, Heft 28, 1977, S. 50
Die o.a. Statistiken belegen, daß der Besitz von Fotoapparaten in unserer Gesellschaft weit verbreitet ist. Fotoapparate sind normale Gebrauchsgüter, mit denen heute etwa 80 % der Haushalte ausgestattet sind. Bei zwei Gruppen (Haushaltstyp 2 und 3) wird sogar bald schon die 100 % - Marke erreicht sein. Auffallend ist zudem die starke Korrelation zwischen höherem Einkommen/besserer Ausbildung und dem Besitz von Fotoapparaten, wobei man davon ausgehen kann, daß gerade in den besser verdienenden Haushalten Fotoapparate mehrfach vorhanden sind. Ursache für dieses „Mehrfachkonsum“ ist die differenzierte Produktwerbung der Fotoindustrie: Für den Familienvater die komplizierte und damit männliche Spiegelreflexkamera „Nikon F 3“, für die Frau die poppig rote und einfache Sucherkamera „Mamiya U“.
Beispiel:
Im Bereich der niedrigen Einkommen (Haushaltstyp 1) ist für die Fotoindustrie noch einiges an Profit zu erzielen. Die 1981/82 erfolgte Einführung der Kodak-Disc-Kamera zielt speziell auf diese Gruppe ab.
Die o.a. Tendenz zum Farbbild wird durch die zweite Statistik bestätigt. Vor allem die Anzahl der Farbnegativaufnahmen (CN) hat sich ständig erhöht, zu ungunsten der S/W-Aufnahmen, deren Anteil sich ziemlich stabil bei 10 % bewegt. Die 2,2 Milliarden verwerteten Aufnahmen (durch Labors der Fotoindustrie) bedeuten, daß etwa pro Sekunde 70mal auf den Auslöser gedrückt wurde, denn nicht alle belichteten Aufnahmen werden zum Bild.
3.2 Fotografie als Ware – Warenästhetik der Fotografie
„Die Ersetzung von Gebrauchswertkonkurrenz durch Eindruckskonkurrenz, also die ungeheure Bedeutung der Techniken der Beeindruckung, denen gegenüber die objektive Wirklichkeit, wie die Interessen der Menschen nun mehr, gleichgültige Meinungsgegenstände sind, ist ein Wesenszug des Monopolkapitalismus“ (Haug, W.F. 1976, S. 18).Im Folgenden soll analysiert werden, wie diese Eindruckskonkurrenz auf dem Gebiet der fotografischen Produkte aussieht, welche Bedürfnisse, Sehnsüchte, Wünsche die Fotoindustrie im Käufer weckt. Denn der eingeschränkte und normierte Gebrauch des Mediums Fotografie in unserer Gesellschaft ist mit ein Produkt der Werbung der Fotoindustrie. Mittels Fernsehspots, Werbeanzeigen, Plakaten und Fotozeitschriften versucht sie die Menschen zum Fotografieren anzuregen und das möglichst oft.
3.2.1 Beeindruckung durch den technischen Schein
„Die Yashica Elektro – 35 GT ist eine Kamera des Raumfahrtzeitalters, die ihre Familie begeistern wird. Herrliche Aufnahmen bei Tag und Nacht, Automatisch. Keine technischen Kinkerlitzchen. Nur zücken, zielen, schießen. Das Computergehirn und die elektronische Blende besorgen den Rest.“
(Werbeanzeige)So oder ähnlich lauten die meisten Anzeigen für Fotogeräte. Ob Yashica 35 GT, Nikon F 3 HP, Nikon FA, Minolta X 500 oder X 700, alle sind vollgepackt mit Computergehirnen, Programmautomatiken etc. und versprechen dem Käufer ‚viel Technik und wenig Ballast’. Die Betonung des technischen Aspekts, in Verbindung mit einer technizistischen Sprache suggerieren dem Amateur, daß eine gelungene Aufnahme erst dann möglich ist, wenn er über ein Vario-Zoom oder eine Kamera mit „elektronischem Schärfen-Index mit hoher Dämmerleistung“ verfügt. Dieses Versprechen der Werbung ist abgehoben vom tatsächlichen Gebrauchswert für den einzelnen, schon allein deshalb, weil er die technologische Seite der Apparatur nicht durchschaut er gezwungen wird, der in der Gesellschaft erlernten Fortschrittsgläubigkeit, wie bei anderen Produkten auch, Folge zu leisten.
Indem die Fotoindustrie an dieser Fortschrittsgläubigkeit und dem Bedürfnis nach kreativer Betätigung und technischen Geräten anknüpft und selber als Motor dieser Entwicklung fungiert, gewinnt sie Herrschaft über die Menschen durch das Anknüpfen an Bedürfniselemente (hier: Technik vermittelt Sicherheit – perfekte Bilder), die geschickt aus einem großen Komplex an Bedürfnissen herausgeschnitten werden, haftet der Ware Fotografie ein sinnliches Versprechen an, dem der Amateur mit dem Kaufakt Folge leistet. Oder anders formuliert, der Amateur fällt auf den schönen Schein herein, er läßt sich durch technisch produzierte künstlerische Erscheinungen beeindrucken (vgl. Haug, W.F. 1976).
Das in diesem Fall technizistische Erscheinungsbild der Ware Kamera löst sich von ihrem Kern (dem Gebrauchswert) und zirkuliert gleichsam als Handlungsanweisung in den Köpfen der Amateure. Dieses Erscheinungsbild hat rein gar nichts mit dem tatsächlichen Wert der Kamera zu tun, die Befriedigung der durch das ‚Image’ suggerierten Sehnsüchte wird ihm auch weiterhin versagt beleiben.
„Im Schein verspricht ihm die Ware das Sein. Die gekaufte Ware stattet ihn aber nur mit einem Schein des Gewünschten aus“ (Haug, W.F. 1976, S. 64).Die Folgen dieses Prozesses sind offensichtlich und ganz im Sinne der Industrie: Der Amateur glaubt, er könne ohne DIE Nikon F 3 z.B. nicht fotografieren, er wird sich diese Kamera kaufen und nach und nach das notwendige Zubehör, damit ihm das wirklich perfekte Bild gelingt und er auch alle ‚technischen Möglichkeiten’ der Kamera ausschöpfen kann.
Ein zweiter wichtiger Gesichtspunkt ist die ständige technische und ästhetische Innovation auf dem Kameramarkt. Jährlich erscheinen neue Modelle, oft nur geringfügig gegenüber den Vorgängermodellen im Design verändert, und das bei fast allen Kameratypen und Herstellern. Das bedeutet aber auch, daß jedes Mal ein neues Befriedigungsangebot, ein neues Erscheinungsbild dem Amateur gegenübertritt. D.h. unter Umständen, daß man eine kürzlich erst erworbene Kamera wieder beiseite legt, weil ein neues Modell erschienen ist, mit ‚eingebauter Motivklingel’ beispielsweise und natürlich noch ‚schärferen’ Fotos. Damit werden die Bedürfnisse des einzelnen Menschen in eine neue Richtung gelenkt.
„Die ästhetische Innovation, als Funktionsträger der Regeneration von Nachfrage, wird so zu einer Instanz von geradezu anthropologischer Macht und Auswirkung, d.h. sie verändert fortwährend das Gattungswesen Mensch in seiner sinnlichen Organisation: in seiner dringlichen Einrichtung und materiellen Lebensweise, wie in Wahrnehmung, Bedürfnisbefriedigung und –struktur“ (Haug, W.F. 1976, S. 54).
3.2.2 Beeindruckung durch den professionellen Schein
Dieses sinnliche Versprechen der Fotoindustrie und das Eingehen des Amateurs auf dieses Versprechen mir dem Kaufakt, sichert ihm die Nähe zum Profi, die auch in der eigenen fotografischen Produktion ihre Fortsetzung findet. Er versucht in seiner Freizeit das nachzuvollziehen, was der Profi als Bildvorlage bietet. Er versucht sowohl formal/inhaltlich, als auch durch die entsprechende ständige Erweiterung seiner Ausrüstung mit dem, was gesellschaftlich als professioneller Standard angesehen wird, gleichzuziehen.
„Die Nähe zu ihnen (den Profis, d.V.) wird beim Kauf der Kamera, beim Erwerb des Zubehörs entschieden. Aber diese Nähe, die dem Amateur mit dem Kauf einer teuren Kamera angeboten wird und von deren beider Verbindung er sich Einblick erhofft, die ihm ‚die Welt zeigen, wie er sie noch nie gesehen hat’, ist ebenso konstruiert und künstlich, wie die auf den Händler-Profit zielende suggestive Gleichschaltung von gutem Apparat und guter Aufnahme. Es ist die Nähe zwischen dem Zuschauer und Champion, zwischen anonymem Betrachter und gefeiertem Akteur“ (Volksfoto 1981, Heft 1, S. 18).
‚Professioneller und technizistischer Schein’ sind die wesentlichen Bestandteile der Warenästhetik der Fotografie. Die Modellierung der Sinnlichkeit (hier: des sinnlichen Bewußtseins über Fotografie) des Amateurs macht ihn gewissermaßen zur abhängigen Variablen der Fotoindustrie. Der ‚schöne Schein’, das sinnliche Versprechen der Ware Fotografie verändert und initiiert Bedürfnisse, die den gesellschaftlichen Gebrauch des Mediums prägen.
„Den als Käufer angezielten Menschen treten Dinge gegenüber, in denen Teile ihres unbefriedigten Wesens perfekten Ausdruck und Befriedigung zu finden scheinen. Indem die Menschen auf diese Dinge triebhaft ansprechen, sollen sie zu ihren Käufern werden“ (Haug, W.F. 1976, S. 126);
und indem sie zu ihren Käufern werden, werden sich die Bedürfnisse (ihre subjektive Sinnlichkeit) verändern, d.h. auf die Fotografie bezogen: der Amateur wird die jeweils neueste Supertechnik als ein Muß empfinden (Effekt für die Industrie: mehr Umsatz-Auswirkung auf den Amateur: Technizismus, mangelnder Durchblick) im Hinblick auf die Entwicklung seiner fotografischen Kreativität. Ebenso wird er versuchen seine evtl. sehr teure Ausrüstung optimal zu nutzen, entsprechend wertvolle und einzigartige Aufnahmen zu machen. Dabei wird er sich an den als gesellschaftlich wertvoll anerkannten Bildvorlagen (Ausstellungen, Presse, Zeitungen) orientieren, d.h. an dem Profi/Berufsfotografen (siehe dazu Kap. 4). Je stärker er sich aber an den Profis und deren Bildausstoß orientiert, desto uniformierter, einheitlicher und austauschbarer werden seine Fotos. Ist der Amateur an diesem Punkt angelangt, wird ihm dieser Vorgang bewußt, greift er nach der nächsten Kameramarke, die noch professionellere Fotos verspricht. In den meisten Fällen ist es wieder einmal ein Griff ins Leere.
3.2.3 Die Fotozeitschriften
Neben den neuesten technischen Errungenschaften werden nachahmenswerte Profis und Amateure vorgestellt (siehe Color-Foto Inhaltsverzeichnis; Hobbyfoto und Professional Workshop). Dabei fungiert der Profi als ‚Über-Ich’, als Meister, der jeweils die neuesten formalen und inhaltlichen Hinweise und Tips zur Produktion von Bildvorlagen gibt und so die Kreativität des einzelnen Amateurs in eine bestimmte Richtung lenkt, ihn an den professionellen
3.2.4 Anmerkungen zur Bedürfnisstruktur der Subjekte im Kapitalismus
Indem die Fotoindustrie den Amateur mit Gebrauchswertversprechen ködert (technischer und professioneller Schein), entwickelt es dessen Bedürfnisse weiter, läßt aber nur jene Bedürfnisse sich entwickeln, die dem Konsum, dem Absatz der Waren dienen und die Gesellschaft nicht in Frage stellen, d.h. Problembewußtsein wecken.
Dabei knüpft sie an ‚regressive Bedürfnisstrukturen’ der Subjekte in unserer Gesellschaft an. Diese regressiven Bedürfnisstrukturen sind ein Produkt der am Arbeitsplatz und in der Freizeit ständig erfahrenen Leistungskontrolle, des erfahrenen Unbefriedigtseins, der Langeweile usw. Die Folge ist, daß das Subjekt einer verstärkten Leistungsmotivation bedarf, die formal anregend, psychisch nicht belastend sein darf, damit sich die Subjekte unhinterfragt dem Leistungsprinzip unterwerfen, weiterhin in dieser Gesellschaft bestehen können und ihre Angst vor dem Scheitern bspw. , vor dem Versagen, verdrängen können. Insofern werden Befriedigungsangebote nicht nur von seiten der Industrie an die Käufer herangetragen, sondern die Käufer brauchen für ihr psychisches Wohlbefinden in dieser Gesellschaft geradezu jenen Konsum, um eigene konkrete Erfahrungen und Bedürfnisse verdrängen zu können. Die Folge ist auf der einen Seite der Wunsch nach anregender Dynamisierung, auf der anderen Seite das Befriedigungsangebot der Industrie (neue Kamera), das diese Bedürfnisse verstärkt und weiterentwickelt.
Die regressiven Bedürfnisstrukturen der Rezipienten korrespondieren mit dem der angebotenen Produkte. Gerade die Freizeitindustrie, die der Regeneration der Ware Arbeitskraft dient, sorgt für diese anregende Dynamisierung. In unserem Fall knüpft die Fotoindustrie (als ein Teil der Freizeitindustrie) an das Bedürfnis nach kreativer Betätigung und Bestätigung der Subjekte an (sie verspricht: gute Bilder, aber nur mit hohem technischem Aufwand; die Nähe zum Profi), indem sie die Ware mit ästhetischen Gebrauchswertversprechen koppelt, die aber nie eingelöst werden können. Letztlich ist dieses von Seiten der Industrie nur Instrument zum Geldzweck. Von Seiten des Käufers wird durch das Eingehen auf dieses Gebrauchswertversprechen die Angst des Versagens, vor dem Leistungsprinzip, die Gefahr der Isolierung unterdrückt, indem er sich dem Konsum und der verstärkten Freizeitaktivitäten hingibt. Das gilt vor allem für die in Tabelle 1 (S. 18) ausgewiesenen Gruppen der unteren bis oberen Mittelschicht (Haushaltstyp 2 und 3), die einerseits über Aufstiegssehnsüchte verfügen, andererseits einem verstärken Leistungsdruck ausgesetzt sind. Da sie zudem den größten kapitalkräftigsten Anteil der Bevölkerung stellen, konzentriert sich die Fotoindustrie besonders auf sie.
Das, was sich auf dieser Folie als Kreativität äußert (Bildproduktion), ist nichts anderes als Scheinbefriedigung, denn da der Käufer glaubt, daß er mit der Kamera X die zugehörige Portion Kreativität kauft, wird er sich keine Gedanken über seine wirklichen Bedürfnisse und möglichen kreativen Leistungen machen und sich eher, falls seine Bildproduktion nicht dem professionellen Schein entspricht, eine andere Kamera kaufen. Die regressive Bedürfnisstruktur wirkt eben unmittelbar disziplinierend und die eigenen Erfahrungen verdrängend. Dieser Mangel an Problembewußtsein erspart aber dem Käufer auch die stets mit der Angst und Leid verbundene (bewußte) Verarbeitung konkreter Erfahrungen, Bedürfnisse und Interessen. Er muß aber ständig nach neuen Reizen suchen,
„er kann keine Entspannung dulden, weil er keine Erfüllung kennt“ (Prokop, Dieter 1974, S. 116)
4. Fotografie als Massenmedium
4.1 Besondere Eignung der Fotografie als Massenmedium
Die besondere Eignung der Fotografie zur Massenkommunikation und die rasche Adaption dieses Verfahrens zur ‚Abbildung von Wirklichkeit’ durch die bürgerliche Gesellschaft beruht einerseits auf den technischen Prinzipien der Fotografie, andererseits sind es bestimmte inhaltliche Vorzüge, die sich aus den technischen Bedingungen ergeben. Die Fotografie ist
„… die erste ästhetische Produktionsform, die auf der Höhe der Zeit steht, den Stand der Entwicklung der Produktivkräfte direkt repräsentiert, d.h. das technische Instrument und Medium Fotografie steht unter komplex entwickelten Produktionsbedingungen, angefangen von der Fotogeräteproduktion (Hardware) bis hin zur Reproduktionsindustrie (Software); dies gilt für das fotografische Produkt genauso wie für dessen Produzenten, den Fotografen, soweit er professionalisiert ist“ (Kasper, Josef 1979, S. 9).
Es sind aber auch einige typische Charakteristika des fotografischen Abbildes, wie das Prinzip der technischen Reproduzierbarkeit, der objektive Schein – „der demonstrative Wahrheitsanspruch“ (Waller, Klaus 1982) - , „die ausgeprägte Ikonizität“ (Kasper, Josef 1979), die das Foto zu einem festen Bestandteil der menschlichen Wahrnehmung werden lassen. Wobei davon auszugehen ist, daß das größte Quantum an Information über periphere Sinnesorgane, wie das Auge perzipiert (sinnlich wahrgenommen) und bewußt erfaßt wird.
Wir erfahren unsere Wirklichkeit durch bestimmte Wahrnehmungsmuster. Diese Wahrnehmungsmuster bilden sich auf der einen Seite über die Auseinandersetzung mit der realen Wirklichkeit, auf der einen Seite (zu einem großen Teil) durch bildhafte Darstellungen (Fernsehen, Werbung, Illustrierte…) dieser Wirklichkeit heraus. Wirklichkeit wird also für einen Großteil der Bevölkerung durch Fotos und Drucke vermittelt. Diese vermittelte Wirklichkeit prägt unseren Umgang mit einer realen Wirklichkeit, ohne daß wir uns dieser Vorgaben bewußt sind. Unterstützt und eingeleitet wird dieser Vorgang durch die Massenmedien, die uns im allgemeinen als Vermittler Wirklichkeit nahebringen. Unsere Wahrnehmung ist insbesondere auf Abbilder eingestellt. Kasper (1979, S. 75) geht in seiner Untersuchung davon aus, daß nahezu 50 % der Bevölkerung Westdeutschlands wöchentlich einmal eine Illustrierte lesen, ein Drittel der Bevölkerung wird allein vom „STERN“ erreicht.
4.1.1 Prinzip der technischen Reproduzierbarkeit
Die besondere Qualität des fotografischen Abbildes gegenüber allen vorherigen Verfahren wurde bereits in Kap. 2.1 erwähnt. Die technische Reproduzierbarkeit des Mediums, d.h. die Möglichkeit beliebig viele Abzüge herzustellen und die Variabilität der Kameraausrüstung, die beliebige Einsetzbarkeit oder Tragbarkeit der Kamera, läßt die Fotografie zum ersten wirklich revolutionären Reproduktionsmittel werden (vgl. Benjamin, Walter 1977). Ihre technische ‚Anschmiegsamkeit’, die sich sowohl jeglicher Rezeptionssituation anpassen läßt, als auch die Möglichkeit der Übermittlung durch verschiedene Trägermedien wie Fernsehen, Drucke, bis hin zum weltweit übertragenen Funkbild, führt dazu, daß sich das fotografische Abbild zum ersten Mal in der Weltgeschichte von parasitären Dasein am Ritual emanzipiert (vgl. Benjamin, Walter 1977, S. 17).
„An die Stelle ihrer Fundierung auf das Ritual tritt ihre Fundierung auf die Politik“ (Benjamin, Waler 1977, S. 18).
Indem die Fotografie die Verbindung mit dem Druck (Illustrierte, Tagespresse) eingeht, werden die der Fotografie im Wesen innewohnenden Reproduktionskräfte in Richtung auf eine massenhafte Reproduktionsfähigkeit und Rezeptionsmöglichkeit gesteigert.
„Die Fotografie in der illustrierten Zeitung oder Zeitschrift macht ästhetische Produktion durch billigen Preis endgültig für alle Klassen der Gesellschaft zugänglich“ (Kasper, Josef 1979, S. 11)
4.1.2 Der objektive Schein der Fotografie
Klaus Waller kommt in seiner Untersuchung zu dem Schluß, daß „das in der Theorie (gemeint ist die Fototheorie, d. Verf.) vertretene Eingeständnis der Subjektivität des Fotos beim allgemeinen Zeitungsfoto durch demonstrativen Wahrheitsanspruch geleugnet wird“. Josef Kasper geht von ähnlichen Voraussetzungen aus, nur spricht er in diesem Zusammenhang von der Ikonizität, d.h. Ähnlichkeit mit der Natur oder Wirklichkeitstreue von Fotos. Auch in der bürgerlichen Fototheorie (vgl. bes. Kemp, Wolfgang 1980, 1981, 1982) wird jene als einzig objektives Verfahren zur Abbildung von Wirklichkeit bezeichnet.
Der Glaube an die ‚Objektivität’ der Fotografie beruht
- auf der technischen Glaubwürdigkeit des Mediums: Die optimale Kombination von mechanischen, optischen und chemischen Naturgesetzen, jeweils auf dem neusten Stand der Produktivkräfte, die der fotografischen Apparatur innewohnt, zum Zweck der optischen Abbildung von Realität und der anschließenden Fixierung des Gesehenen auf dem Film, führt dazu, daß der Fotografie ein ausgesprochener Realismus zugeschrieben wird. Kennzeichen dieses ‚Realismus’ sind die große Detailtreue des fotografischen Bildes und das schnelle Erfassen von Bewegungsabläufen (Momentfotografie), schneller als das menschliche Auge reagieren kann. Hinzu kommt seit dem 2. Weltkrieg die Möglichkeit der farbigen Fotografie, die den Schluß nahelegt, da die Wirklichkeit ebenfalls farbig ist, daß das, was auf dem fotografischen Abzug erscheint, ‚Realität’ war.
- auf der inhaltlichen Glaubwürdigkeit des Mediums: die inhaltliche Glaubwürdigkeit des Mediums ist zum einen ein Ergebnis der speziellen Verwendung von Fotos, mithin Ergebnis gesellschaftlicher Prozesse, zum anderen ein Resultat der subjektiven Rezeption von fotografischen Abbilden (s. dazu Kap. 5) und deren Verankerung im Bewußtsein.
Die technische Reproduzierbarkeit des Mediums führt dazu, daß Abbilder von Realität frei verfügbar und damit auch manipulierbar werden, indem man z.B. neue Bildwirklichkeiten arrangiert.
„Bei einer bewußt tendenziösen Gestaltung der Bildinhalte durch spezifisch fotografische Möglichkeiten werden auch direkte Bildfälschungen nicht gescheut. Zudem zeigt sich durch das bewußte Agieren vor der Kamera eine eigens für das Foto arrangierte ‚neue Bildwirklichkeit’ (Waller, Klaus 1982, S. 102).
Die Selektion von Fotos – bei der z.B. nur besonders symbolträchtige Bilder von Seiten des Bildredakteurs ausgewählt werden – und die Kombination von Bild/Text können ebenfalls dazu dienen, die Wahrhaftigkeit eines Fotos zu steigern.
4.1.3 Kritik des objektiven Scheins
Die Objektivität oder der Realismus des Fotos sind nur schöner Schein und dienen letztlich nur der Manipulation des Rezipienten (natürlich auch der des privaten Produzenten). Seine Unkenntnis über die technische Vielfalt und die Zusammenhänge (wie Fotos zustande kommen) in denen Fotos vermittelt werden, führt zur Bestätigung des objektiven Charakters der Fotografie.
Allein schon von der technischen Seite her läßt sich das Argument, ‚das Kameraauge sei objektiv und realistisch’, nicht halten, denn die verschiedenen technischen Möglichkeiten, die die Apparatur bietet, wie Wechseloptiken (mit jeweils unterschiedliche Brennweite), Perspektivenverkürzung oder –verlängerung, Standpunkt des Fotografen, lassen das Foto zu einer rein subjektiven Sichtweise der Realität werden. Um einen Gegenstand zu fotografieren, lassen sich unendlich viele Möglichkeiten realisieren und jede ist in ihrer Art der Abbildung von Realität einmalig.
![]() |
| Die Wahrheit der Fotografie |
„Das Foto ist ein schmaler Ausschnitt von Raum ebenso wie von Zeit. In einer von fotografischen Bildern beherrschten Welt erscheinen alle Grenzen willkürlich. Alles kann von allem getrennt werden. Es ist lediglich erforderlich, jedes Mal einen anderen Ausschnitt zu zeigen. Die Fotografie fördert eine nominalistische Sicht der gesellschaftlichen Realität, so, als bestünde diese aus kleinen, offenbar unendlich vielen Einheiten – wie ja auch die Zahl der Fotos, die von etwas gemacht werden können, unbegrenzt ist. Durch Fotografien wird die Welt zu einer Aneinanerreihung beziehungsloser, freischwebender Partikel…“ (Sonntag, Susan 1978, S. 27).
Hinzu kommt, daß ein Foto (zumindest als Einzelfoto) niemals mehr als die äußere Hülle, die Oberfläche eines Objektes darstellen kann.
„Die Lage wird dadurch so kompliziert, daß weniger denn je eine einfache Wiedergabe der Realität etwas über die Realität aussagt. Eine Photographie der Kruppwerke oder AEG ergibt beinahe nichts über diese Institute. Die eigentliche Realität ist in die Funktionale gerutscht. Die Verdringlichung der menschlichen Beziehungen, also etwa die Fabrik, gibt die letzteren nicht mehr heraus“ (Brecht, Bertolt 1967, S. 161 f).
Das ‚Wesen der Dinge’ oder die Realität wird das Foto nie darstellen, auch wenn das Foto, wie in der Presse oder Illustrierten, typisierend mit entsprechenden Untertiteln versehen eingesetzt wird und der Rezipient es in diesen Zusammenhängen als seine oder als gesellschaftliche Realität identifiziert. Anscheinend beruht aber die gesellschaftliche Definition der Objektivität der Fotografie (von Seiten der Theorie, der Vermittler, aber auch der einzelnen Produzenten/Rezipienten) hauptsächlich auf dem gewissen Maß an Konkretheit, dem blitzschnellen Erfassen von Momenten und der Fixierung realer Szenen, so daß im gesellschaftlichen Bewußtsein Realität und Fotorealität gleichgesetzt werden können. Insofern ließe sich feststellen, daß der Glaube an die Objektivität des Fotos sein spezielles Gewicht verleiht und es von anderen Reproduktionen unterscheidet.
4.2 Vermittlung von Fotografie in den Massenmedien
4.2.1 Das Bild beherrscht den Text
Seit der Perfektionierung der Druckverfahren, vor allem des Vier-Farbdruck seit den 50er Jahren, ist der Anteil der Bilder im Bereich der gedruckten Medien ständig gestiegen. Für den Beginn der siebziger Jahre spricht Kasper (1979, S. 77) von durchschnittlich 68% Bildaussagen, mit steigender Tendenz. Für den Bereich er Tagespresse, deren Schwerpunkt auf aktueller Berichterstattung ruht, wird sich der Anteil der Bilder in dem Bereich von 30 – 50 % Bildaussagen bewegen; wobei zu berücksichtigen ist, daß sich der Bildanteil in den Illustrierten und Tageszeitungen erhöht, je mehr diese Medien auf ein Massenpublikum orientiert und Leser der untern Schickten angesprochen werden sollen. Beispiel: (Tagespresse): die „Bild-Zeitung“ zielt auf ein Massenpublikum und schwerpunktmäßig auf Arbeiter und Kleinbürger ab, ihr Bildanteil ist entsprechend höher (quantitativ) gegenüber dem Wuppertaler „Generalanzeiger“ etwa.
Ein krasses Beispiel, die französische Zeitung „Le Monde“, die hautsächlich auf Intellektuelle anzielt, veröffentlicht überhaupt keine Fotos. In den Illustrierten zeichnen sich ähnliche Tendenzen ab – „Wochenend“ oder „Die Zwei“ zielen hauptsächlich auf ein Unterschichtspublikum ab, ihr Bildanteil ist höher, mit entsprechend weniger Text, als etwa beim Stern.
Insgesamt läßt sich hier festhalten, daß das Bild, vor allem in den Illustrierten, einen überragenden Anteil der Rezeption ausmacht. „Die Absicht der illustrierten Zeitungen ist die vollständige Wiedergabe der dem photographischen Apparat zugänglichen Welt…“ Dabei sind die Abbilder „grundsätzlich Zeichen, die an das Original erinnern mögen, das zu erkennen wäre“. Diese Erkenntnis aber ist verstellt, den „so gewaltig ist der Ansturm der Bildkollektionen, daß er das vielleicht vorhandene Bewußtsein entscheidender Züge zu vernichten droht… In den Illustrierten sieht das Publikum die Welt, an deren Wahrnehmung es die Illustrierten hindern“ (Kracauer, Siegfried 1981, S. 108 f).
4.2.2 Stereotypen der Medienfotografie
Fotos saugen lebendige Anschauung auf. Indem sie öffentlich gemacht werden, realisieren sie sich als Ware. Alles primäre Geschehen (politische Ereignisse, Folklore, Unfälle etc.) wird durch die Fotografie adaptiert, seines sozialen Gebrauchswertes beraubt, d.h. aus der im Prinzip real erfahrbaren Situation herausgelöst und als Reproduktion in den Bildmedien verkauft. Zum einen realisiert sich dabei das Foto als Ware, zum anderen wird die Wahrnehmung auf stereotype Bildnormen und Sehweisen festgelegt. Die reale Wahrnehmung der Umwelt wird so zu einer als real empfundenen Wahrnehmung von Erscheinungen, die im Prinzip nur auf dem Fotopapier und im Zusammenhang der Bildmedien (des Textes) existieren.
4.2.2.1 Inhaltliche Stereotypen
Hierbei muß unterschieden werden zwischen der Vermittlung des Bildes in der Tageszeitung und Illustrierten. Die ‚Heile Welt’ in den Illustrierten:
„Betrachtet man die Beiträge über alle Bereiche hinweg, so sind positive und neutrale Wertungen eindeutig in der Überzahl. In der Vielfalt und Fülle der Beiträge wird dies währen der normalen Rezeption dem Leser wohl kaum bewußt werden. Schließt man die seit den siebziger Jahren fast ausschließlich bunten Zeitungen in den Blattkonsum mit ein, so wird der durch das Bildmaterial bestimmte optimistische Grundton noch deutlicher“ (Kasper, Josef 1979, S. 86).
Vermittelt wird dieser optimistische Grundton durch den entsprechen ästhetischen Charakter der einzelnen Fotos (Farbfotos, kostbare Objekte) und durch den Zusammenhang in dem diese Fotos stehen (Layout, Bild/Text-Kombination).
In der Tageszeitung greift der ästhetische Schein wegen der fast ausschließlichen Verwendung von Schwarz/Weiß-Fotos nicht so eindeutig, doch wird auch hier durch entsprechende Auswahl der fotografischen Objekte (lachende Politiker, Soraya-Fotografie) und durch die Platzierung der Fotos ein positives Weltbild gefördert. Problematische Bereiche des menschlichen Zusammenlebens, wie die Arbeitswelt, soziales Elend, werden in der Medienfotografie nur selten thematisiert, geschieht dies aber, so werden solche Beiträge wiederum ästhetisch schmackhaft zubereitet, so daß sie für den Rezipienten genau so gut verdaulich wie eine ‚Marlboro-Reklame’ sind.
![]() |
| Personalisierung, Heile Welt |
Fotografien werden gradlinig, mit der Tendenz zum bloßen Abbilden von Realität eingesetzt, d.h. es fehlt die mittels der Kamera mögliche Abstraktion des Fotoobjektes. Schon bei der Aufnahme durch den Profi ist einzig die rein abbildende Funktion des Fotoapparates berücksichtigt; Personenbilder z.B. erfolgen zumeist in der Totalen oder Halbtotalen. Formal wird die Tendenz zum Fakten- und Abbildrealismus durch den geradlinigen und tautologischen Gebrauch der Fotos in den Medien verstärkt. Der Abbildrealismus der Medienfotografie ist durch den Markt bestimmt. Hier offenbart auch das Foto seinen Warencharakter. Je mehr Fotos in den Massenmedien getauscht werden müssen, desto mehr müssen sie inhaltlich reduziert werden um einen großen Käuferkreis zu gewinnen. Diese inhaltliche Reduktion wird ganz besonders bei den Tageszeitungen deutlich, hier werden Fotos fast ausschließlich als Textbelege, zum Unterstreichen der Wahrhaftigkeit des Textes verwandt. Auf der anderen Seite sind es die Illustriertenfotos, die zwar auch auf einen Massenmarkt abzielen, deren Verpackung (ästhetischer Schein mittels Farbfotografie) jedoch auf den ersten Blick anspruchsvoller erscheint, oder anders ausgedrückt: die Illustriertenfotos haben größeren autonom-bildnerischen Charakter (es wird stärker mit dem Repertoire der Fotografie gearbeitet) als die Tageszeitungsfotos.
4.2.2.2 Formale Stereotypen
a) Tendenz zum Farbfilm
Mit dem ‚Ansturm der Bildkollektionen’ ist es vor allem die Tendenz zum Farbbild, die sich in den Illustrierten immer stärker durchsetzt. In der aktuellen Tagespresse wird nach wie vor das Schwarz/Weiß-Foto vorgezogen – Ausnahmen sind einige Wochenausgaben überregionaler Tageszeitungen („Frankfurter Rundschau“, „Die Welt“). Der Mangel an Farbfotos in der Tagespresse beruht auf technischen Gründen: der Vierfarbendruck beim Rollenoffset ist vorläufig noch qualitativ schlecht und kostenintensiv.
Gründe für den verstärkten Einsatz des Farbbildes sind:
- die vorgebliche ‚Realitätsnähe’, der ‚objektive Schein’ einer farbigen Fotografie. „Das farbige Menübild in der Illustrierten regt den Appetit an wie eine wirkliche Mahlzeit, die gerade aufgetragen wird, kann aber sein visuelles Versprechen nicht im mindesten einlösen“ (Kasper, Josef ). Die perfekte Ästhetisierung durch das Farbbild gaukelt dem Rezipienten ein Gebrauchswertversprechen vor, daß ihn zur Reaktion zwingt, indem er die perfekt aufgemachte äußere Hülle (die ästhetische Verpackung durch das Foto) mit dem Wesen der Dinge identifiziert.
- Medien besitzen eine Doppelcharakter, sie zielen zum einen auf den Rezipienten als Käufer, zum anderen auf den Inserentenmarkt ab. Vor allem die Illustrierten haben mit der Einführung des Vierfarbendrucks und des nötigen redaktionellen Umfeldes von diesem Inserentenmarkt profitiert. Das Entscheidende an den Illustrierten ist die Werbung. Das Prinzip der Werbung, der Konsum mittels ästhetischer Gebrauchswertversprechen, zersetzt die meisten journalistischen Beiträge und dazu gehören auch Fotografen, sie werden dem ästhetischen Schein angeglichen und so zur leicht konsumierbaren journalistischen Ware durch den Zusammenhang in dem sie stehen.
Fotos werden sehr geradlinig eingesetzt, entweder um eine Darstellung zu illustrieren oder um einen Gedanken zu demonstrieren der geradlinig oder logisch verläufe (vgl. dazu Kap. 4.2.2.1, Punkt 3).
Häufig wird Fotografie tautologisch benutzt, d.h. die Fotografie wiederholt das, was mit Worten gesagt wurde. Beide Verwendungsformen (der geradlinige Einsatz der Fotografie und die Bildung von Tautologien) negieren eine spezifische fotografische Symbolik oder Bildwirkung. Die so verwandten Fotos sind zumeist äußerst flach und nichtssagend, sie besitzen einzig die Funktion im Kontext der Medien für den Text den Wahrheitsbeweis anzutreten, indem sie ihn unterstreichen.
4.3 Auswirkung der Stereotypen: Partikularisierung von Erfahrung
Realität, soziale Wirklichkeit wird durch die öffentliche Fotografie der Gegenwart (Medienfotografie) aus ihrem Bedeutungs- und Sinneszusammenhang gerissen. Indem ein Einzelfoto einer Situation als Sache an und für sich verwandt wird, wird für den Rezipienten das ‚in Beziehung setzen’ , sich erinnern, erschwert oder gar unmöglich gemacht. Wirklichkeit wird aufgelöst in einzelne, schmackhaft zubereitete Aspekte, d.h. die Medienfotografie trägt hauptsächlich Flucht- und Illustrationscharakter und schottet sich gegen den sozialen Alltag ab.
Wenn aber die Fotografie durch die Massenmedien zum allgemeinen Wahrnehmungsprinzip wird, d.h. Realität zum großen Teil durch sie vermittelt wird oder um es mit Benjamin (1977) zu sagen „Die Realität auf die Massen ausgerichtet wird“, dann offenbart sie ihre regressive Qualität, indem sie die menschlichen Erfahrungen reduziert und zersplittert. Die Verfügungsmacht über die Vermittlung der einzelnen Aspekte liegt bei der kapitalistischen Bewußtseinsindustrie (zentralisierte Medien). Die einzelnen Subjekte der Gesellschaft stehen dem mit ihrer vereinseitigten Erfahrung, als Produkt der Arbeitsteilung, gegenüber.
Die aufgrund ihrer Lage möglicherweise vorhandenen Bedürfnisse nach Verbesserung ihrer Situation, d.h. Problematisierung bestehender Verhältnisse, kommen aufgrund des Warencharakters gar nicht erst zum Tragen. Sie sind gezwungen auf die ihnen offerierten Befriedigungsangebote einzugehen – Ausrichtung der Massen auf die Realität. Die Verfügungsmacht über den Umgang mit Bildern und damit das Lenken von Sehen und Schauen, mithin auf das Bewußtsein über Fotografie, bedeutet also Herrschaft.
Altbekanntes wird von Seiten der Bewußtseinsindurstrie (Fotoindustrie und Massenmedien) als wenig Neues ausgegeben, ständige Reize durch Kreativitätsversprechen und ästhetische Bildproduktion sorgen dafür. Die Angebote von Medien und Industrie kommen dem Bedürfnis der Subjekte nach Neuem und der Vereinfachung gesellschaftlicher Strukturen entgegen. Das regressive Bild von Fotografie, das durch die Bewusstseinsindustrie vermittelt wird, ist vor allem ein Produkt gesellschaftlicher Prozesse, Einstellungsmuster und Normen.
„Die Quelle der Massenkultur sind nicht die Massen, sondern die Medienfabriken. Mit der Sensibilität der Marktforschung spüren die nach kulturellen Bedürfnissen, deren Grundlagen sie selbst gelegt haben. Das Ziel ihrer Kulturpolitik ist die Erzeugung von Wünschen, die mit neuen Produkten erfüllt werden können. Obwohl den Medienfabriken im Grunde egal ist, welche Schallplatten gehört, welche Bücher gelesen oder was für Fotos gemacht werden – sie können sich auf alles einstellen – ist die Auswirkung ihrer Politik immer affirmativ. Denn zum einen verspricht die Schaffung von Konsumbedürfnissen mehr Profit als die Schaffung von Problembewußtsein und andererseits wird die Industrie nicht ernsthaft beitragen, die Gesellschaft in Frage zu stellen, deren wesentliche Grundlage sie selbst ist. Der gemeinsame Nenner von Sony, Hasselblad, Stern und ZDF ist das Prinzip der Befriedigung“ (Volksfoto 1981, S. 38).
5. Die private Produzentenseite von Fotografie: Amateure
„In jüngster Zeit ist das Fotografieren ein ebenso weitverbreiteter Zeitvertreib geworden wie Sex oder Tanzen“ (Sonntag, Susan 1978, S. 13)
Der einzelne Produzent von Fotos wurde bisher mehr oder weniger indirekt schon mehrfach angesprochen. Die Entwicklung der Fotografie ist undenkbar ohne das Pendant zum Profi – der Amateur. Historische und gesellschaftliche Ursachen für die ständige Expansion der Fotografie wurden bereits in den vorangegangenen Kapiteln erläutert:
1. Historische Ursachen-Entwicklung der Fotografie auf der Folie der bürgerlichen Gesellschaft, die technische Reproduzierbarkeit als neue Qualität von Abbildern der Wirklichkeit; die Fotografie als Medium, das den neuesten Stand der Produktivkräfte und der darin eingehenden gesellschaftlichen Implikationen in einer bürgerlichen Industriegesellschaft umfasst.
2. Die Fotoindustrie mit ihrer spezifischenspezifischen Eindruckskonkurrenz und dem damit verbundenen Kreativitätsversprechen, die dafür sorgt, daß der Fotomarkt ständig expandiert und sowohl Einfluß auf den formal-technischen Aspekt, als auch den inhaltlich-ästhetischen Aspekt der Ware Fotografie nimmt. Dabei knüpft sie offenbar an gesellschaftlichen Bedürfnissen an (Kreativität, ‚sinnvolle’ Freizeitgestaltung), deren Ursachen in der zunehmenden Monotonie, Arbeitsteilung und Atomatisierung der Arbeitswelt zu suchen sind.
3. Die Verengung der Wahrnehmung zur fotografischen, hervorgerufen durch die alltägliche Bilderflut in den Massenmedien, die den Blick auf die Realität verstellt und zumeist nur den ‚schönen Schein’ aufrechterhält. Die Massenmedien vermitteln aber nicht nur Ideologie, indem sie Wirklichkeit mittels der Fotografie im Sinne der herrschenden Klasse interpretieren und darstellen, sondern prägen über den spezifischen Gebrauch des Mediums die Art und Weise, wie das Subjekt Fotografie verwenden soll. Sie liefern also inhaltlich-ästhetische Gebrauchsanweisungen, ebenso wie die Fotoindustrie.
Millionen Menschen besitzen eine Kamera, der Ausstoß von Bildern bewegt sich in Milliardenhöhe (s. Tabelle 1 und 2, S. 18), Fotografie ist allgegenwärtig und alltäglich, sie ist zur Alltagserscheinung geworden. Es sind aber nicht diese alltäglichen Bilder der Amateure, die unser Bewußtsein von Fotografie prägen.
Anhand der Amateurfotografie läßt sich deutlich darstellen, wie eine massenhaft ausgeübte Tätigkeit, von der ein ganzer Industriezweig lebt, in Abhängigkeit gehalten und zur Harmlosigkeit gestutzt wird. Im folgenden werde ich kurz umreißen worin diese Tätigkeit besteht und ihre spezifischen Erscheinungsformen aufzeigen, d.h. vorgegebene, internalisierte, formale und technische Normen reflektieren.
5.1 Gesellschaftliche Definition der Amateure
5.1.1 Profis und Amateure
Gemessen an der gesamten Verbreitung der Fotografie machen die professionellen Fotografien einen verschwindend geringen Prozentsatz aus. Profis sind Spezialisten, die die Fotografie zum Zweck der Existenzsicherung betreiben. Sie sind diejenigen, die ihre Fotos auf dem Markt als Waren realisieren müssen.
Professionelle Fotografie ist grob einteilbar in Werbefotografie, Bildjournalismus und Kunstfotografie (eine ausführliche Definition des Profis und der Zwänge denen er sich unterwirft interessiert in diesem Zusammenhang nicht). Die Bereiche in denen der Profi arbeitet, seine Spezialisierung, ist bestimmt durch die Bedürfnisse der Medien und Werbung. Ebenso wie in anderen Bereichen der Gesellschaft unterliegt die professionelle Fotografie einer zunehmenden Arbeitsteilung und Rationalisierung (Stichwort: Neue Medien) und läßt dem einzelnen Fotografen immer weniger Freiraum für kreative und innovative Bildproduktion.
Wenn der professionelle Fotograf überleben, d.h. von seinen Bilder leben will, muß er sich den Zwängen der gängigen Bildproduktion in den Medien beugen. Die Stereotypen, die uns in der Massenbildpresse gegenübertreten, sind daher notwendigerweise auch im Bewußtsein der professionellen Bildproduzenten verankert. So unterschiedlich teilweise die Benutzung des Mediums Fotografie ist, gemeinsam sind die, sich aus dem Warencharakter ihrer Arbeit ergebenden Zwänge, die sich wiederum in der inhaltlichen Produktion (bspw. was überhaupt als fotografierenswert angesehen wird) und von der formal-technischen Seite (mit welchen Mitteln fotografiert wird: Kameraausrüstung, Perspektive etc.) niederschlägt. So gilt für Tageszeitungen z.B. der Grundsatz, daß sog. überzogene Brennweiten gemieden werden sollen, d.h. dem Fotografen wird vorgeschrieben, daß er im Bereich von 35 – 90 mm Brennweite arbeiten muß; alle mit anderen Brennweiten aufgenommen Fotos werden von den Bildredaktionen nicht angenommen.
Der Profi und sein Pendant – der Amateur – sind Produkte der technischen Revolution der Fotografie (vereinfachte Handhabung, massenweise Reproduzierbarkeit durch Negativverfahren) und dem damit verbundenen gesellschaftlichen Bedürfnis nach Abbildern (vgl. Kap. 2). Die Weiterentwicklung der fotografischen Apparaturen und der ständige Expansionsdruck der Fotoindustrie hat zur Folge, daß die fotografische Technik und die Kenntnis zur Verwendung dieser Technik nicht mehr allein das Privileg der Profis sind. Immer vorausgesetzt der Amateur verfügt über das nötige Kleingeld, kann er auf dieser Ebene mit dem Profi gleichziehen. Ausnahme ist hier nur die Werbefotografie, die einer extrem arbeitsteiligen und rationalisierten Produktionsform gleicht und einem immensen Apparat an Menschen und Material voraussetzt. – Ein Beispiel für die Annäherung von Profis und Amateuren sind die zahlreichen Autodidakten, wie Ernst Salomon, Erich Sander, Henri Cartier- Bresson, die inhaltlich – ästhetisch mehr bewegt haben als jeder gelernte Fotograf. –
Die Unterschiede zwischen Profis und Amateuren liegen also nicht in der Apparatur und der damit verbundenen möglichen Bildqualität, sondern zum einen im nicht erreichten Zugang zu den ‚kostbaren’, fotografierenswerten Objekten (Politiker, Fotomodelle, Krisenschauplätze), sie sich gesellschaftlicher Bedeutung erfreuen, zum anderen – und das ist der wichtigste Unterschied – im Warencharakter der Fotografie, dem Zwang des ‚sich-verkaufen-müssens’, dem die Profis ausgesetzt sind.
„Befreit davon, Waren produzieren zu müssen wie der Profi, hat aber gerade der Fotoamateur die Chance, durch seine Arbeit zu wichtigen Einsichten zu kommen und sie, unberührt von den Interessen professioneller Multiplikatoren vermitteln zu können. Was den Berufsfotografen kaum gelingt, nämlich die Nutzbarmachung ihres Mediums zur Befriedigung ihrer vitalen Interessen – was ihnen deshalb nicht gelingt, weil sich aus dem Warencharakter ihrer Arbeit Zwänge ergeben, denen sie sich schwer entziehen können, ist für den Amateur kein Problem, denn er muß von seiner Arbeit nicht leben. Obwohl also die Motive der Amateure, zu ihrem Fotoapparat zu greifen, denen der Profis entgegengesetzt sind, orientieren sie sich stark an ihnen“ (Volksfoto 1981, S. 6).
5.1.2 Differenzierung der Amateure
Die Amateure, bisher immer als homogene Gruppe gesehen, differieren bei genauerem Hinsehen untereinander sehr stark, vor allem hinsichtlich ihrer ökonomischen und sozialen Lage. Im folgenden sollen einige Tendenzen aufgezeigt werden. Ein Mangel aller bisherigen Beiträge zur Fotografie ist deren fehlenden empirische Verankerung. So sind bis heute keine detaillierten Daten zum Gebrauch von Kameras, Höhe des Einkommens, sozialer Schichtung usw. für den Bereich der BRD verfügbar. Die einzige mir bekannte empirische Untersuchung zu diesem Thema ist die von Bourdieu u.a. (1981), deren empirische Daten allerdings aus den 60er Jahren stammen und nur für den französischen Raum Gültigkeit besitzen. In der Tendenz jedoch sind sie m.E. auch für die Verhältnisse der Bundesrepublik zutreffend.
5.1.2.1 Einkommen und Intensität der Praxis
Wie aus der in Kap. 2 aufgeführten Tabelle 1 (S. 18) hervorgeht, besteht eine starke Korrelation zwischen steigendem Einkommen, höherer Bildung/Ausbildung und dem Besitz von Kameras in der Bundesrepublik Deutschland. Dabei finden wie in Arbeiterhaushalten den geringsten Anteil an Kameras (1975 = 31,2 %) und in den Beamten-/Angestelltenhaushalten mit höherem Einkommen den größten Anteil an Kamerabesitzern (1975 = 97,4 %). Die Zahl der Besitzer von Fotoapparaten nimmt mit steigendem Einkommen zu.
Tabelle 3
Ausgeübte Praxis
| Einkommen | Praxis in % | Gesamt | |
| nein | ja | ||
| Unter 750 Frs. | 54 | 46 | 100 |
| 750 - 1500 Frs. | 44,5 | 55,5 | 100 |
| Über 1500 Frs | 40 | 60 | 100 |
Quelle: Bourdieu u.a. 1981, S. 272
Tabelle 4
Intensität der Praxis
| Einkommen | Praxis in % | Gesamt | ||
| selten | saisonal | Intensiv | ||
| Unter 750 Frs. | 19,5. | 56 | 24,5 | 100 |
| 750 - 1500 Frs. | 13 | 56 | 31 | 100 |
| Über 1500 Frs | 9 | 58,2 | 32,5 | 100 |
Quelle: Bourdieu u.a. 1981, S. 272
Ebenso wahrscheinlich ist es, daß der Besitz von Kameras eher in eine, wie auch immer aussehende, verstärkte Praxis verbunden mit einer höheren Intensität mündet. Wobei überraschenderweise die von Bourdieu (1981) ermittelten Prozente für die mehr saisonale Nutzung von Fotografie in allen Einkommensklassen gleich sind.
„Mit jeder Erhöhung des Einkommens wachsen die Möglichkeiten, die Photographie zu betreiben, und zwar intensiv zu betreiben, während zugleich die Anforderungen an die dazu unentbehrlichen Geräte und die Qualität der produzierten Bilder zunimmt“ (Bourdieu u.a. 1981, S. 273).
5.1.2.2 Ambitionierte Amateure und Gelegenheitsknipser
In der Tendenz werden durch die Tabellen auch Unterschiede in den Gebrauchsweisen der Fotografie deutlich. Überwiegend – auch nach übereinstimmenden Aussagen anderer Autoren – wird die Fotografie meist ‚selten’ oder ‚saisonal’ gebraucht, ist also abhängig von bestehenden Anlässen. Diese Gruppe der Amateure, deren Größe sich um die 80 % Marke bewegt, kann man als Gelegenheitsknipser bezeichnen. Der ambitionierte Amateur, der gemessen an der Masse der Fotografen einen verschwindend geringen Prozentsatz ausmacht, ist derjenige, der sich zumeist um eine versierte Praxis bemüht, d.h. hohen technischen und ästhetischen Aufwand treibt und sich dadurch von der Masse der Hobbyknipser abheben will.
Der ambitionierte Amateur rekrutiert sich vorwiegend aus der Schicht der kleineren und mittleren Angestellten. Diese sind aufgrund ihrer Lage im Kapitalismus (soziale Deprivation) einem ständigen psychischen Druck ausgesetzt – einerseits Aufstiegssehnsüchte, andererseits Leistungsdruck, so daß sie vor allem in ihrer Freizeit mittels kreativer Betätigung nach Kompensation und Befriedigung suchen. Sie sind diejenigen, die sog. professionelle Standards am offensichtlichsten, gemessen an ihrer ästhetischen Produktion, internalisiert haben. Der Profi hat für diese Gruppe Leitbildfunktion. Ihr Forum sind zumeist die zahlreichen Amateurwettbewerbe und Fotozeitschriften, ‚wo man schon mal seinen Namen unter dem eigenen Foto veröffentlicht sehen kann’.
„Betrachtet man die Fotos von Amateurwettbewerben, so unterscheiden sich diese von jenen der Profis kaum mehr in der Bildqualität, sondern allenfalls im nicht erreichten Zugang zu den kostbaren Objekten… Schon von jenem Moment an, wenn der Anatuer in einer Tageszeitung oder in einem Freizeitmagazin nach einem Modell inseriert, später mir ihm Make-up und Posen bespricht und dann in Ermangelung einer Windmaschine stürmische Wetter abwartet, opfert er die Wahrnehmung seiner Wünsche nach Kontakt, Begegnung, Berührung, Liebe der harten Veredelung von Leitbildern“ (Kunde, Wolfgang/Wawrzyn Lienhard 1979, S. 21).
Der ambitionierte Amateur, der sich an dem Profi als Leitbild orientiert und sich eine ‚ordentliche Kamera’ mit verschiedenen Objektiven und möglichst eigener Dunkelkammer kauft, will eben nicht nur dann und wann ein Erinnerungsfoto knipsen. Hinter dem Erwerb der Fotoausrüstung steckt die Spekulation, den Zutritt zum ‚Club der Kreativität’ mitzukaufen, wobei dann gerade in dieser Gruppe das technisch-handwerkliche überbetont wird – der perfekte Fotoapparat wird zum Fetisch.
Wenn im folgenden von den Amateuren die Rede ist. So sind damit die zahlreichen Gelegenheitsknipser und ihre Gebrauchsweisen von Fotografie gemeint. Der Gebrauch den sie von der Fotografie machen, ist von bestimmten Anlässen wie Urlaub, Kinder etc. abhängig. Ihre Methode zu fotografieren ist in den seltensten Fällen bewußt an z.B. professionellen Maßstäben orientiert, d.h. an künstlerischen, ästhetischen Leitbildern, sondern eher Ergebnis indirekter Normenvermittlung durch die Massenmedien, die auf Lebensausgestaltung, Lebensqualität und deren positiver Darstellung (‚Frohen Herzens genießen’) abzielen und Konflikte und Problemsituationen weitgehend ausschließt.
5.2 Die rituellen Gebrauchsweisen der Gelegenheitsknipser
5.2.1 Familienfotografie
Fotografische Praxis hängt sehr deutlich davon ab, ob Kinder in der Familie vorhanden sind oder nicht:
„Der Anteil der Besitzer einer oder mehrerer Kameras liegt in den kinderlosen Haushalten bei 38,5 %, während dieser Anteil bei Ehepaaren mit einem Kind 62, % beträgt“ (Bourdieu u.a. 1981, S. 276).
Meist ist es vor allem die Geburt des ersten Kindes, die das Bedürfnis nach Fotografieren verstärkt. Mit zunehmendem Alter der Kinder läßt die Fotografierwut der Eltern (hier: vor allem des Vaters) nach.
In erster Linie bei Arbeitern und Angestellten steht die Familienfotografie (in Farbe) als ritueller Anlaß im Vordergrund. Verbunden mit den ‚Höhepunkten’ familiären Daseins, wie Taufe, Hochzeit, Konfirmation, 1. Schultag und Urlaub, ist sie vor allem Ausdruck der Zusammengehörigkeit der Familie. Mithin kann man ihre Funktion als integrative bezeichnen.
„Fotografieren wird zu einem Ritus des Familienlebens in eben dem Augenblick, da sich in den industrialisierten Ländern Europas und Amerikas ein radikaler Wandel der Institution Familie anbahnt“ (Sonntag, Susan 1978, S. 14).
Mit der Auflösung und Atomisierung der Kernfamilie entsteht hier offenbar das Bedürfnis, mittels der Fotografie die verstreut lebenden Familienangehörigen zumindest symbolisch in Fotoalben oder Schubläden als Einheit auferstehen zu lassen.
Die Familienfotografie ist im wesentliche Portraitfotografie; damit steht sie im Kontext der historischen rituellen Gebrauchsweisen von Fotografie. Der Anfang des Siegeszuges der Fotografie im 19. Jahrhundert war das Portrait, und das ist zumindest für die unteren Schichten immer noch die Hauptaufgabe der Fotografie in unserer Gesellschaft. Hierbei ist auch die Art und Weise der Repräsentation von Familienfotos ein Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse, der Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe: Die gesellschaftlich verankerte Trennung zwischen privat und öffentlich wird auch im Umgehen mit Familienfotos deutlich. Auf der einen Seite dingen wir die Fotos der engeren Familie, Kinderfotos, zumeist in Schubladen und Alben, die häufig auch nur der engeren Familie zugänglich sind (Beispiel: Weihnachten, wenn die Reste der Familie versammelt sind, wird dann geguckt, was Fritz doch für ein schöner und anständig angezogener Junge war‚ mit seinen drei Jahren), auf der anderen Seite die Fotos mit Repräsentationscharakter, wie Hochzeitsbilder, die gerahmt in der ‚guten Stube’ neben dem Hirsch in Öl über dem Sofa hängen.
![]() |
| Familienbilder |
5.2.2 Urlaubsfotografie
Der zweite gängige Ritus amateurhafter Bildproduktion ist die Urlaubs – oder Touristenfotografie. Der rein ‚saisonale’ Gebrauch der Fotografie, vor allem im Urlaub, geht quer durch alle Schichten der Gesellschaft. Fotografische Praxis und Ferien korrelieren also sehr miteinander, ebenso wie die Verbindung von Familie und Urlaub: Tante Trude vor dem Eifelturm, Klein-Lieschen vor dem schiefen Turm – und bei den besserverdienenden Angestellten posiert halt die Freundin/Frau am Strand vor Hawaii vor der ‚glühend-rot’ untergehenden Sonne. Ferien bilden oft den Höhepunkt des Familienlebens, insofern tritt hier die Fotografie den Beweis an, daß man auch tatsächlich dagewesen ist.
Ebenso deutlich wird gerade zur Urlaubszeit von Seiten der Werbung die Verbindung zwischen gelungenem Urlaub und der dazu notwendigen Produktion von Bildern. Dabei kommt sie durchaus den Bedürfnissen der fotografierenden Massen entgegen. Begreift man den Urlaub als Kosumakt, für den man unter Umständen sehr viel bezahlen muß, ist es nur natürlich, daß der einzelne sich durch den Akt des Fotografierens die fremde Welt aneignet und so wenigstens ein greifbares Souvenir mit nach Hause bringen will.
„Reisen wird zu einer Strategie, die darauf abzielt, möglichst viele Fotos zu machen. Allein schon das Hantieren mit der Kamera ist beruhigend und mildert das Gefühl der Desorientierung, das durch Reisen oft verschärft wird. Die meisten Touristen fühlen sich genötigt, die Kamera zwischen sich und alles Ungewöhnliche zu schieben, das ihnen begegnet. Nicht wissend, wie sie sonst reagieren sollten, machen sie eine Aufnahme. So wird Erfahrung in eine feste Form gebracht: stehen bleiben, knipsen, weitergehen“ (Sontag, Susan 1978, S. 15).
Damit setzt sich auch hier die im Arbeitsalltag erfolgte Partikularisierung der eigenen Erfahrungen fort und erschöpft sich in der Sammlung von ‚interessanten, fotografierenswerten Ereignissen’. Die Bedeutung der Urlaubsfotografie erschöpft sich allerdings nicht in der rituellen Kombination von interessanten Sehenswürdigkeiten und ‚liebgewordenen’ Objekten (die Tochter, die Frau), sondern sie hat auch noch ein gesellschaftliches Nachspiel: Nach der Urlaubssaison werden die Labors der Fotoindustrie geradezu überschwemmt mit farbigen Negativen und Dias stereotyper Urlaubssituationen. Die daraus resultierende Bilderflut ist oft das einzige, was den Urlaub überdauert und im grauen Arbeitsalltag Erinnerungen an vergangenes wachhält, aber auch den Flucht- und Illusionscharakter, gleichsam als Ventil beinhaltet. Das bezieht sich sowohl auf die inhaltlich-ästhetische Produktion der Bilder als auch auf die spätere Funktion für den einzelnen Menschen. Damit ist angedeutet, daß gerade Urlaubsbilder, damit sie für das betroffene Subjekt ihre Funktion erfüllen, auf Öffentlichkeit angewiesen sind. Zumeist auf die begrenzte Öffentlichkeit der sozialen Bezugsgruppen, Vereine oder einer größeren Familienversammlung. Nach dem Urlaub beginnen die Diaabende…
5.3 Funktion der rituellen Gebrauchsweisen der Fotografie
5.3.1 Biographie
Betrachtet man den Zusammenhang von saisonalem Gebrauch der Fotografie, der Fixierung auf Familie (Portrait) und dem Komplex Urlaub-Familie, so wird klar, daß der betroffene Fotograf bewußt oder unbewusst seine Kamera als Instrument seiner ganz persönlichen Geschichtsschreibung nutzt. Zwar ist der Prozeß des Fotografierens zumeist auf eine rein reaktive Anwendung (immer wieder dasselbe zu fotografieren), verbunden mit klischeehafter Bildproduktion reduziert, doch erfüllt das Ergebnis immer noch die Funktion eine Chronik, eine Biographie der Familie im weitesten Sinne zu erstellen. Die Sammlung von Fotografien in Alben – zumeist geordnet nach dem familienhistorischen Ablauf – ist ein weiterer Beleg. Mittels der Fotografie wird eine Portraittechnik der Familie konstruiert, die subjektiv Zeugnis ablegt über herausragende Ereignisse im Leben der Familie und objektiv Zusammenhang stiftet, der im Alltag/in der Arbeitswelt aufgrund von Arbeitsteilung und Atomisierung nicht mehr erfahren kann.
5.3.2 Erinnerung
Die Kamera und ihr Produkt, das fotografische Abbild. Retten bestimmte Erscheinungsbilder vor der unvermeidlichen Überlagerung durch andere Erscheinungsbilder, indem sie sie konserviert. Dabei kann das fotografische Abbild nicht grundsätzlich Erinnerung speichern, sondern höchstens Anlaß von den im Subjekt ablaufenden Erinnerungsprozessen sein, z.B. das Albumbild der längst verstorbenen Tante erinnert vielleicht an die Zeit damals, der Diaabend vom letzten Urlaub erinnert an die ‚schöne Zeit’ auf Teneriffa und weckt dadurch Sehnsüchte und Illusionen.
Wobei diese Funktion von Fotos nur sehr eingeschränkt ist. Erinnerung bezieht sich dabei immer auf den engsten Familienkreis, die engere soziale Gruppe, da die Fotos keinen abstrahierenden, reflektierenden Charakter besitzen, sondern sich inhaltlich und formal den gängigen Stereotypen unterwerfen. Vom sozialwissenschaftlichen Standpunkt aus mögen zwar die Fotoalben anderer Menschen äußerst interessant sein, geht man jedoch unreflektiert, unbefangen an die Bilder heran, kann man außer einem ständigen Wechsel der Gesichter nichts bemerken und fühlt sich eher gelangweilt.
Der Erinnerungsprozeß als Bewußtseinstätigkeit wird nicht mehr nötig oder verdrängt, sobald an seine Stelle die Bilderflut als Ersatz der Erinnerung rückt und eher bestätigend als problematisierend wirkt. So könnte auch die Funktion des Fotos in den Massenmedien, als ständig wechselndes, jeweiliger politischer Herrschaft ausgesetztes kollektives Erinnerungsvermögen beschrieben werden.
Sieht man allerdings Erinnerungstätigkeit als einen komplexen Vorgang an, der die Möglichkeit des ‚In-Beziehung-Setzens’ und Reflektierens vergangener Erfahrungen beinhaltet, so muß man sagen, daß das Foto hier eher verdrängend wirkt. Denn das, was uns auf dem Foto entgegentritt, sind eher partielle Erinnerungsfetzen, in denen zumeist nur das Schöne, Heile der Familie, des Urlaubs erscheint, und so Erinnerungen eben auf die herausragenden Ereignisse und nicht auf den konkreten, realen Alltag fixiert ist. – Die Kamera erinnert um zu vergessen.
5.3.3 Beweis
Fotografie als Beweis, als untestreichen der Wahrhaftigkeit z.B. eigener Urlaubserlebnisse ist eine weitere Funktion der Gelegenheitsfotografie. Dabei ist die Funktion, das Foto als Beweis, eine doppelte: zum einen Mittel zur Beglaubigung eigener Erfahrungen,- daß man ‚seinen Spaß gehabt hat’ auf der Familienfeier, im Urlaub, daß es sich gelohnt hat -, zum anderen als Nachweis gegenüber seiner sozialen Bezugsgruppe, den Nachbarn bspw., daß man auch dort war.
Sieht man im Urlaub die kamerabehängten und ‚schießwütigen’ Touristen, so könnte man vermuten, daß es tatsächlich nur noch um die Anhäufung beweisfähiger Abbilder der Realität geht. Benutze ich aber Fotografie in dem Sinne als Beweismittel, muß ich auch davon ausgehen, daß Fotografie grundsätzlich beweisfähig ist, d.h. ich muß das Foto als objektives, wahrhaftiges Spiegelbild von Realität, bewußt oder unbewußt, betrachten. Tatsächlich offenbart gerade die Urlaubsfotografie diesen naiven, direkten Glauben an die Wahrhaftigkeit der Fotografie (ich bin, also fotografiere ich).
5.4 Stereotypenbildung in der amateurhaften Bildproduktion
Fotoapparate und fotografische Abbilder sind Produkte gesellschaftlicher Erfahrungen. Die Erfahrungen der Amateure vergegenständlichen sich in ihrer Bildproduktion, insofern sind die Fotos der Amateure subjektiver Ausdruck des gesellschaftlichen Bewußtseins über Fotografie (wie Fotografie zu gebrauchen ist – formal/technischer Aspekt -, was fotografierenswert ist – inhaltlich/ästhetischer Aspekt -). Dabei sind die Stereotypen der Amateure nicht nur einfache Widerspiegelung, sondern Produkt eines komplexen Aneingnungsprozesses, der sich in lebensgeschichtlichen Prozessen der Subjektive entwickelt und immer mir den jeweiligen kollektiven Praktiken der sozialen Gruppe zusammenhängt. Das bedeutet aber, daß man nicht nur das Produkt (Foto) sehen muß, sondern darüber hinaus das ‚Wie’, das Zustandekommen innerhalb des sozialen Umfeldes der Subjekte.
Um aber über diesen Komplex einigermaßen sichere Aussagen machen zu können, sind empirische Untersuchungen vonnöten; etwa nach dem Beispiel con Kracauer (1959), in der er empirische Untersuchungen und Einzelbeobachtungen miteinander verbindet. Den Stereotypen der Amateurfotografie liegen also nicht ästhetische Entscheidungen zugrunde, sondern sie sind subjektive Vergegenständlichungen gesellschaftlicher Einstellungsmuster und Normen, die vor allem durch die Bewußtseinsindustrie vermittelt werden, dies erklärt auch die Verbreitung des Mediums und die Uniformität der Bildmotive.
5.4.1 Inhaltliche Stereotypen
Personendarstellungen (Kinder, Familie) bestimmen zum größten Teil die Fotografische Praxis der Gelegenheitsknipser. Joachim Kallnich (1977, S. 21 ff) ermittelte in einer empirischen Untersuchung, der 8886 Fotos aus Alben von Arbeiterfamilien zugrunde lagen, daß 85,8 % dieser Fotos Personendarstellungen waren. Mit 63,6 % lag dabei der Anteil der Gruppenbilder am höchsten. Von den Personendarstellungen wurden ca. 25 % auf Familienfesten/-feiern aufgenommen und ca. 28 % im Urlaub oder in der Freizeit
b) Optimistischer Grundton – Heile WeltIn den Aufnahmen der Amateure dominiert die Idylle (Familienidylle, Urlaubsidylle). Oftmals sogar bis hart an die Grenzen des Kitsches, z.B. der tausendfach fotografierte Sonnenuntergang am Meer.
Bilder sollen positiv sein. Schon bei der Aufnahme achtet der Amateur darauf, indem er bspw. die posierenden Familienmitglieder auffordert ‚doch endlich zu lachen’. Die ‚Heile-Welt-Funktion’ von Amateurfotos wird auch dadurch bestätigt, daß in fast allen Schubkästen und Alben kaum Bilder aus der Arbeitswelt zu finden sind. Kallinich (1977, S. 21 f) hat bei seiner Untersuchung einen Anteil von nur 3,7 % der Fotos zum Thema Arbeitswelt ermittelt. Von diesen 3,7 % waren wiederum 42,8 % Fotos von Betriebsfeiern.
Der Einsatz der Fotografie durch die Amateure ist ein sehr gradliniger, direkter (Kamera draufhalten und losknipsen): Kopf und Körper müssen ganz auf dem Bild zu sehen sein, angeschnittene Köpfe oder Körper erregen Unwillen. Der Fakten- Abbildrealismus der Amateure verweist auch darauf, daß Fotografie eben nur abbildende Funktion hat, insoweit, daß die Kamera auch tatsächlich abbildet was wahr ist. Der Glaube an die Objektivität von Fotografie findet hierbei ganz naiv seinen Niederschlag. Die autonom-bildnerische Funktion im Sinne von Gestalten, künstlerischer Aufbereitung der Situation durch die Kamera, ist hier am wenigsten ausgeprägt. So ermittelt Kallnich (1977, S. 21 f) 81,6 % Fotos, die rein abbildenden Charakter besitzen und den autonom-bildnerischen Anteil mit nur 18,4 %.
5.4.2 Formale Stereotypen
a) Tendenz zum FarbbildMit 75 – 80 % (siehe Tabelle 2, S. 18) ist der Anteil der Farbbilder an der Gesamtproduktion der Amateure am höchsten. Man kann davon ausgehen, daß das Farbbild wohl insgesamt den Rezeptionsgewohnheiten der Gelegenheitsknipser entgegenkommt, da das Farbbild eine größere Affinität zur Realität besitzt, mithin den Abbildrealismus und den optimistischen Grundton der Amateurfotos unterstützt: während das Schwarz-Weiß-Foto Realität eher abstrahiert und diese Abstraktionsfähigkeit (Umsetzen farbiger Realität in Grautöne) schon beim Aufnahmeprozeß voraussetzt.
Der Amateur rückt das, was er für fotografierenswert hält immer in die Mitte des Suchers, des Bildes. Diese Koppelung von Objekt und Bildmittelpunkt macht das fehlende Bewußtsein über die formalen Möglichkeiten der Fotografie deutlich.
c) Der Blick ins Objektiv
Bei fast allen Personenaufnahmen blickt das anvisierte Objekt, zumeist lachend, in die Kamera. Insofern könnte man diese Fotos als gestellte Bilder bezeichnen, da der Fotograf eben auch immer dieses Augenblick des Lachens und ‚in-die-Kamera-Schauens’ abpasst.
Der Amateur bevorzugt die totale Aufnahme, daß, was er in den Mittelpunkt seines Interesses rückt, muß entweder ganz auf dem Bild erscheinen oder gar nicht.
Die Stereotypen der Amateurfotografie sind Ausdruck eines insgesamt rückschrittlichen Bewusstseins über Fotografie. Die formalen und inhaltlichen Möglichkeiten werden nur zu einem sehr geringen Teil genutzt. Die Klischeeproduktion als gesellschaftlicher Ritus zu bestimmten Anlässen (Urlaub, Familienfeier etc.) verhindert geradezu einen reflektierten, bewußtseinserweiternden Umgang mit dem Medium Fotografie, indem sie dazu beiträgt, daß sich das Subjekt stärker gegen den sozialen Alltag abschottet und die Bildproduktion eher Flucht- und Illusionscharakter besitzt. Unterteilt wird hier sehr stark in fotografierenswerte (heile Welt) und nichtfotografierenswerte Objekte (z.B. Arbeitswelt), ohne daß aber diese Unterteilung Ausdruck einer bewussten (inhaltlichen) Entscheidung ist, sondern Reproduktion gesellschaftlicher Normen, mithin als reaktiv ( im Gegensatz zu reflexiv) zu bezeichnen ist.
Im Vergleich der Stereotypen von Medienfotografie und Amateurfotografie wird dieser Zusammenhang der beiden in ihrer Funktion unterschiedlicher Gebrauchsweisen deutlich. Zwar verschieben sich die fotografierten Objekte – z.B. ‚Personalisierung’ in der Medienfotografie: Politiker, Wirtschaftsführer etc.; in der Amateurfotografie: die Familie in allen Varianten -, doch ist der inhaltlich-ästhetische und formale Gebrauch des Mediums Fotografie gleich, so daß wie hier feststellen können, daß die Amateurfotografie, sowohl in ihrem inhaltlich-ästhetischen, als auch in ihrem formalen Gebrauch eine Widerspiegelung der Medienfotografie ist. Ebenso gilt die Aussage, daß Fotografie und Fotografieren sowohl formal als auch inhaltlich wesentlich massenmedial vermittelt werden. Die gesellschaftliche Wahrnehmungsverengung der Realität, die durch den eingeschränkten Gebrauch des Mediums vermittelt wird, findet ihren Ausdruck ebenso in der subjektiven Praxis der Amateure, obwohl die Wahrnehmung im praktisch-produktiven Umgang mit Fotografie prinzipiell erweitert werden könnte.
6. Subjektives Bewußtsein und Fotografie
Nachdem nun in den vorangegangenen Kapiteln die tradierten Gebrauchsweisen der Fotografie im Hinblick auf die Bedeutung für die private Rezeption und Produktion von Fotos analysiert wurde, soll nun das Augenmerk auf die theoretischen Prinzipien ‚fotografischer Wahrnehmung’ und deren Wirkung auf das subjektive Bewußtsein und die Vergegenständlichung in Form privater Produktion von Fotos (Amateurfotos) gerichtet werden.
6.1 Gesellschaftliches Bewußtsein/Subjektives Bewußtsein
Das konkrete Sein der Menschen, die materiellen Lebensbedingungen (Stand der Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse) ist die primäre Grundlage des gesellschaftlichen Bewusstseins einer speziellen Gesellschaftsformation (hier: der bürgerlich-kapitalistischen). Gesellschaftliches Bewußtsein äußert sich in Vorstellungen, Ideen, Auffassungen, Kunst und Fotografie, somit können wir gesellschaftliches Bewußtsein als den ideellen Überbau einer Gesellschaftsformation bezeichnen; wobei gesellschaftliches Bewußtsein nicht nur als bloße schematische Widerspiegelung des materiellen Seins zu sehen ist, sondern auch auf das materielle Sein zurückwirkt, etwa in dem Sinne, daß gesellschaftliche Entwicklungen ideell vorweggenommen werden können.
Gesellschaftliches Bewußtsein existiert nicht an sich, d.h. es ist als Ganzes nicht konkret, sondern nur in vergegenständlichter Form erfahrbar. Eine der möglichen Vergegenständlichungsformen von gesellschaftlichem Bewußtsein ist die Fotografie. In das gesellschaftliche Bewußtsein geht aber auch das subjektive Bewußtsein einer Vielzahl von Menschen der speziellen Gesellschaftsformation ein; wobei subjektives Bewußtsein eine Ausprägung des gesellschaftlichen Bewusstseins auf der Folie der subjektives Erfahrungen (Sozialisation etc.) des einzelnen Menschen ist, und zwar in dem Sinne, daß das gesellschaftliche Bewußtsein im subjektiven Bewußtsein gebrochen wird.
So können wir die private Produktion des einzelnen Amateurs als Vergegenständlichung des subjektiven Bewusstseins auffassen.
Jedes einzelne privatim angefertigte Foto ist also nicht anderes als die subjektive Ausprägung subjektiven Bewusstseins und jenes ist nichts anderes als die Widerspiegelung gesellschaftlichen Bewusstseins. Die in diesem Zusammenhang interessante Frage – wie nun das fotografische Abbild bewußtseinsmäßig verarbeitet (erkannt und identifiziert) wird und wie es sich entäußert/vergegenständlicht – soll im folgenden analysiert werden.
Die Bewußseinsindustrie (Massenmedien) stellt als Transmitter von Fotografie den größten Teil der dem Menschen zugänglichen fotografischen Abbilder zur Verfügung. Diese fotografische Abbild-Produktion der Massenmedien gelangt über die Rezeption in das subjektive Bewußtsein. Hier muß also zunächst die Frage geklärt werden, wie das Foto wahrgenommen und erkannt wird und was die Wahrnehmung von Fotos prinzipiell von der Wahrnehmung der Wirklichkeit unterscheidet und welche Einflüsse diese Wahrnehmung auf das Bewußtsein hat.
6.2 Das fotografische Abbild als Zeichensystem im Hinblick auf seine Bedeutung für subjektives Bewußtsein
Die erste Frage, die im Hinblick auf das sinnliche Erkennen von Fotografie zu stellen ist, ist die nach dem besonderen Charakter fotografischer Wahrnehmung. Aus dem bisher Gesagten über die Bedeutung des Fotos in den Massenmedien für die menschliche Kommunikation, wurde deutlich, daß Fotografie an die Stelle der Wirklichkeit treten kann, das sie Informationen über diese Wirklichkeit vermittelt und unser Bild von der Wirklichkeit prägt.
„Geht man davon aus, daß die Wirklichkeit zumindest dem Großteil der Bevölkerung durch Zeichen, insbesondere durch Fotos und Drucke nach Fotos vermittelt wird, dann ist es sicherlich auch richtig, daß dieses Bild von Wirklichkeit nicht völlig zu unterdrücken ist, wird man mit nicht vermittelter, sondern mit der dinghaften Wirklichkeit direkt konfrontiert. Es ist anzunehmen, daß die Konsequenzen, die wir möglicherweise aus der Wahrnehmung der dinghaften Wirklichkeit ziehen, abhängig sind von der Tatsache, daß die Wahrnehmung der unvermittelten Wirklichkeit die Ausnahme ist. Unsere Apperzeptionsinstrumente sind mit geprägt von der Wahrnehmung der Medien, durch die uns im allgemeinen Wirklichkeit vermittelt wird. Das wiederum heißt, daß unsere Wahrnehmung insbesondere auf abbildhafte Zeichen eingestellt ist“ (Brög, Hans 1979, S. 12).
Somit kann man hier festellen, daß Fotos als Zeichen einer im Prinzip erfahrbaren Wirklichkeit aufzufassen sind – oder daß sie als ein Modell von Wirklichkeit gesehen werden können. Sofern sich der Fotograf bei der Herstellung eines Fotos artifizieller Eingriffe während des Vorgangs der Aufnahme und des chemischen Prozesses enthält, können wir diese Zeichen als annähernd objektive Widerspiegelung von Wirklichkeit betrachten; mit der Einschränkung, daß durch das Foto ein dreidimensionaler Raum auf eine flächige Darstellung reduziert wird. Fotos können also unter Berücksichtigung der der Fotografie innewohnenden (physikalischen) Gesetzmäßigkeiten über Objekte aussagen machen, die wiederum Rückschlüsse auf diese Objekte zulassen, da sie im Prinzip identifizierbar sind. Insoweit ist Fotografie ein objektives Erkennungsmittel.
6.2.1 Einschränkung der Objektivität des fotografischen Zeichens durch Repertoireprobleme der Fotografie
Unter den „Repertoireproblemen“ (Brög, Hans 1979, S. 70) von Fotografie wird hier die Gesamtheit der möglichen ‚Kompositionen’ eines fotografischen Abbildes verstanden, die bedingt sind durch die spezifisch fotografische Technik der Aufzeichnung von Realität, im Hinblick auf den Objektbezug des Fotos. Die Einschränkung der Objektivität des fotografischen Zeichens sind bedingt durch:
- die Wahl des Standortes des Fotoapparates
- die Wahl der Objektive, Brennweiten
- die Wahl des Aufnahmezeitpunktes
- die Belichtungszeit
- die Motivwahl.
Jedes dieser fünf Elemente ist gleichermaßen entscheidend für die Eigenart des fotografischen Zeichens. Es sind dies aber auch Entscheidungen, die jeder Fotograf bei der Aufnahme eines Objektes trifft. So ist die Wahl des Standortes entscheidend, weil hier die Perspektive (Untersicht, Draufsicht, Seitenansicht) gewählt wird. Jeweils unterschiedliche Brennweiten bedingen eine unterschiedliche räumliche Sichtweise, z.B. mit Hilfe eines Teleobjektives können Räume verkürzt werden, während das Weitwinkelobjektiv die einzelnen Objekte im Raum weiter auseinanderrückt.
Der Aufnahmezeitpunkt (Tag oder Nacht, aber auch verschiedene Jahreszeiten) läßt sich gerade in der Schwarz/Weiß-Fotografie nicht mehr so genau lokalisieren, da hier durch bspw. längere Belichtungszeiten bei Nachtfotos das fotografische Abbild wie ein bei Tag aufgenommenes Bild erscheinen kann.
Die Belichtungszeit ist insofern relevant, als daß z.B. ein Objekt verwaschen wirken kann (in der Fotografie und im Film immer ein Zeichen/ein Symbol für Bewegung), obwohl es im Augenblick der Aufnahme stillsteht; mit der Wahl der Belichtungszeit treffe ich also auch eine wesentliche Entscheidung, wie das fotografische Zeichen auf den Betrachter wirken soll.
Ebenso entscheidend ist die Motivwahl, denn zur Charakterisierung eines Objektes (z.B. Wohnlandschaft) gibt es eine Vielzahl von möglichen Motiven (es ist bspw. möglich die Bewohner zu fotografieren, aber auch die Anordnung der Häuser).
Mit dieser kurzen und unvollständigen Charakterisierung der Möglichkeiten der Umsetzung von Wirklichkeit in das fotografische Zeichensystem wird klar, daß es eine Vielzahl von Umsetzungen und damit von fotografischen Zeichen gibt und letztlich das Foto als Ergebnis einer subjektiven Entscheidung des Fotografen und damit der Manipulation von Wirklichkeit ist. So kann der Fotograf z.B.
„versuchen, Abbilder der Realität, die ihm aufgrund vorhandener Objektive möglich sind, so auszuwählen, daß sie im Bewußtsein des Rezipienten nicht für Objekte stehen, auf die sie sich eigentlich beziehen müßten. Der vom Autor erreichte Objektbezug im Bewußtsein des Rezipienten ist das Ergebnis geschickter Manipulation“ (Brög, Hans 1979, S. 71).
Beispiel: Um den Eindruck einer Dünenlandschaft zu erwecken, genügt es, im Sandkasten bei bewusster Kontrolle des fotografischen Repertoires, einen Sandhaufen aufzunehmen.
6.2.2 Charakteristika des fotografischen Zeichens
Will man erklären wie Fotos wirken und was fotografische Abbilder im Bewußtsein des Betrachters bewirken, ist es mit der Analyse rein fotografischer Prinzipien der Wiedergabe der Wirklichkeit nicht getan. Das fotografische Abbild muß objektiver wissenschaftlicher Betrachtung zugänglich gemacht werden. Eine Möglichkeit ist der Versuch von Hans Brög (1979), der Fotografie und Sprache im Hinblick auf ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede und damit die Auswirkungen auf das Bewußtsein der Rezipienten untersucht.
Wenn wir Fotografie und Sprache als Medien betrachten, die Nachrichten transportieren, können wir sagen, daß Fotografie ebenso eine Sprache ist, indem sie genauso Inhalte und Meinungen transportiert, wie die „wörtliche Sprache.
Adäquat zu einem bestimmten Lautsystem in der Sprache existiert auch in der Fotografie ein bestimmtes Zeichensystem“ (Brög, Hans (1979, S. 106). Dieses Zeichensystem besteht jedoch aus visuellen Formen, die annähernd gleiche Aussageintensität besitzen wie Wörter. Visuell wahrnehmbare Medien sind auch insofern vergleichbar mit wörtlicher Rede, da sie ebenso Nachrichten zu transportieren in der Lage sind.
Dabei sind folgende Unterschiede zu berücksichtigen:
a) Visuelle Formen, fotografische Abbilder sind nicht diskursiv wie die Sprache, sondern präsentativ. „Sie bieten ihre Bestandteile nicht nacheinander, sondern gleichzeitig dar, weshalb die Beziehungen, die eine visuelle Struktur bestimmen, in einem Akt des Sehens erfaßt werden“ (Brög, Hans 1979, S. 109).
Da es sich bei visuellen Medien um nicht diskursive Sprachen handelt, lassen sich Inhalte nicht eindeutig abbilden, die zahlreichen Teilaspekte auf dem Foto gehen untereinander wiederum ‚Beziehungen’ ein, die sich dem Betrachter auf einmal in einem Akt des Sehens darbieten, und so weder Vergangenheit noch Zukunft darstellen können.
„Andererseits aber sind Bildsprachen in der Lage, Inhalte, wenn auch unscharf, zu erfassen, die der diskursiven Sprache im Prinzip unzugänglich sind, bestenfalls in Annäherung metaphorisch vermittelt werden können“ (Brög, Hans 1979, S. 109).b) Die Fotografie ist ein hochkomplexes Zeichensystem (mit größerer Informationsdichte als die Sprache), da die
„Komplexität nicht wie die des Diskurses nach Maßgabe dessen begrenzt ist, was der Geist von Beginn eines Auffassungsaktes bis zu seinem Ende behalten kann. Natürlich setzt eine solche Beschränkung beim Diskurs auch der Komplexität ansprechbarer Ideen Grenzen“ (Brög, Hans 1979, S. 109).
c) Der Eindruck den eine Fotografie beim Betrachter erweckt, ist evtl. tiefer und nachhaltiger als dies bei der Sprache der Fall sein wird, da sie an das Subjekt mit dem berechtigten Anspruch herantritt, wenn schon nicht die Wahrheit, so doch eine Wahrheit eingefangen zu haben.
Daraus folgert der Rezipient, daß er das auf einer Fotografie sichtbare verallgemeinern könne. Dabei hält das Foto nur den im Moment sichtbaren Ablauf einer Situation fest. Ein Foto ist also nie mit der Realität im allgemeinen, sondern nur mit einem Bruchteil der Realität vergleichbar.
„Man weiß zwar stets, daß es sich um Ablichtungen ganz spezieller Situationen handelt, man weiß aber z.B. als Rezipient von Fotos in Massenmedien, nur in den seltensten Fällen, wann und wo die Realität, die Objekt des Fotos ist, stattfand. Nicht selten sagt man daher zu Recht, daß dies und jenes, was auf einem Foto zu sehen ist, zu jeder Zeit und überall hätte stattfinden können“ (Brög, Hans 1979, S. 116).
Um diese Partikularisierung von Realität aufzufangen, bedarf das Foto der Verallgemeinerung. In eineigen Fällen gelingt dies natürlich auch und zwar umso eher, je begrenzter die Umgebung das fotografierte Objekt ist.
Die vielfältigen Beziehungen des fotografischen Zeichensystems sind in den meisten Fällen zu komplex, um dem Rezipienten ein eindeutiges Erfassen des Inhalts zu ermöglichen. Die vielfältigen Beziehungen, die visuelle Formen und Farben auf dem Abzug miteinander eingehen, führen zur Mehrdeutigkeit der Bildaussage, während in der diskursiven Sprache die Monosemierung (das Vorhandensein nur einer Bedeutung zu einem Wort, z.B. Kugelschreiber) von Inhalten vorherrscht. Die Frage die sich hierbei stellt ist die, inwieweit man – bezogen auf die Bildsprache – die Mehrdeutigkeit, die Multiinterpretabilität von Fotoinhalten monosemieren bzw. verallgemeinern kann, um so ein für alle Subjekte erfassbares und eindeutiges ‚Alphabet’ der Bildsprache aufzustellen.
Hierzu läßt sich die These formulieren, daß ein Foto um so objektiver ist, je kleiner die Umgebung des Objektes des fotografischen Zeichens ist, und je kleiner die Umgebung, desto eher tendiert das Foto zur Eindeutigkeit (Monosemierung) und hat demnach den Abbau der Multiinterpretabilität zur Folge.
Unter der Umgebung eines fotografierten Objektes ist hier das Milieu, das Drumherum indem man das Objekt fotografiert zu verstehen. Mehrere Umgebungen um das eigentlich fotografierte Objekt haben auch verschiedene mögliche Inhalte zur Folge, so daß der Rezipient nicht mehr entschlüsseln kann, was denn nun eigentlich gemeint war. Diese Mehrdeutigkeit provoziert beim Rezipienten vor allem Verunsicherung, die sich im Form von emotionalen Reaktionen äußert, in dem Sinne, daß keine Reflektion über die tatsächlichen Inhalte des Fotos stattfindet. Die Mehrdeutigkeit des fotografischen Zeichens begründet aber auch die Macht, die Überlegenheit, durch ihre subtile Wirkung, des Bildes über rationale Sprache.
„Man ist durch das Abbildhafte, das sofort erkennbar und vermeintlich eindeutig interpretierbar ist, das Ganzheitliche, das simultan Wahrnehmbare und nicht zuletzt durch das starke synästhetische Assoziationen auslösende Moment ‚zur Spontanität’ zur nicht immer reflektierten Handlungsschaft bereit. Bildsprache ist kennotativer als symbolische Sprache. Es ist klar, daß Bildsprache somit ideale Träger zur Beeinflussung von vielen Rezipienten in kürzester Zeit sind“ (Brög, Hans 1979, S.120).
Ein zweiter wichtiger Schritt zum Abbau der Mehrdeutigkeit von Fotos ist die Verallgemeinerung. Ein Foto lichtet immer nur Bruchstücke, Momente und Situationen ab, dadurch wird der Zusammenhang der Fotorealität und der Wirklichkeit nicht mehr entschlüsselbar für den Rezipienten, man könnte auch sagen beliebig interpretierbar.
„Nicht selten sagt man daher zu Recht, daß dies und jenes, was auf einem Foto zu sehen ist, überall hätte stattfinden können“ (Brög, Hans 1979, S. 116).
Die Folgerung daraus ist, daß das Foto im Prinzip immer der Verallgemeinerung bedarf.
Die Aufhebung der Mehrdeutigkeit von Fotos mittels Monosemierung und Verallgemeinerung kann m.E. dadurch erreicht werden, daß man das Einzelfoto durch eine Fotoserie, eine Reportage ersetzt und so Zusammenhänge schafft, die der Reflexion zugänglich sind.
Eine andere Möglichkeit ist die gezielte Abstraktion, Reduktion der Umgebungen des Objektes (z.B. das Weglassen von Details), die zu einer eindeutigeres Bildaussage führt. Diese zweite Möglichkeit verstößt im Grunde genommen gegen das technische Prinzip von Fotografie (vom Beginn der Fotografie bis heute entwickelte sich die fotografische Technik hin zu immer feinkörnigeren Filmen, d.h. zu immer mehr Details).
6.3 Sinnliches Erkennen fotografischer Zeichen
Die Untersuchung von Rezeption/Produktion fotografischer Abbilder mit den in sie eingehenden Bedingungsfaktoren muß letztlich, wenn nach den Ursachen spezifischer Rezeption/Produktion gefragt wird, beim Alltagsbewusstsein der Subjekte ansetzen.
Bewußt allgemein ist die ideelle Widerspiegelung des materiellen Seins der Subjekte einer Gesellschaft, wobei hier das Prinzip der Vorrangigkeit des materiellen Seins gegenüber dem Bewußtsein gilt. Bewußtsein ist der
„Inbegriff aller Vorstellungen, Ideen und Auffassungen, die sich die Menschen einer historischen Epoche über wichtige soziale und gesellschaftliche Tatbestände machen“ (Wörterbuch der Psychologie 1987, S. 82).
In diesem Zusammenhang wird Bewußtsein als
„Produkt der Erkenntnistätigkeit, die das Subjekt in Form der Wahrnehmung und des Denkens vollzieht“ (Bayer, Herbert/Bayer Mechthild 1980, S. 24)
verstanden. Dabei ist Erkenntnistätigkeit, deren Produkte die Erkenntnis sind, eine Form der Abneigung der Umwelt, wobei der Aneignungsprozess als
„Grundmechanismus der psychologischen Entwicklung des Menschen“ (Wörterbuch der Psychologie 1978, S. 29),
dessen Resultate die Erfahrungen sind, zu verstehen ist. Hier wird der Erfahrungsbegriff nicht weiter reflektiert, sondern entsprechend dem Ansatz von Herbert Bayer/Mechthild Beyer (1980) als Erkenntnis begriffen. Entsprechend ist hierbei die sinnliche Erkenntnis eine spezifische Aneignungstätigkeit des Subjektes.
Die Beziehung zwischen einer Fotografie und einem Rezipienten ist ein Subjekt-Objekt-Verhältnis. Die Aneignung ist das Vermittlungsglied zwischen dem Subjekt und dem Objekt (Foto) Als Ergebnis des Aneignungsprozesses steht die wahrgenommene Reproduktion von Wirklichkeit im Bewußtsein des Betrachters.
Dabei sind die subjektive Abneigung und die Vergegenständlichung (die Produktion von Fotos) zwei Seiten des gleichen Prozesse (vgl. Bayer/Bayer 1980, S. 77).
Die Aneignung der Bedeutung eines Objektes erfolgt im aktiven Umgang mit diesem. Dabei richtet sich die Art und Weise der Aneignung nach der Zwecksetzung des Gegenstandes. Daß der Mensch eine Gebrauchswertbestimmung des Objektes adäquate Form der Aneignung entwickeln kann, hängt damit zusammen, daß er lernt die Bedeutung eines Objektes zu entschlüsseln. Nach Bayer/Bayer (1980, S. 78) geschieht dies zum einen durch die Weitergabe gesellschaftlicher und historischer Erfahrungen im Umgang mit dem betreffenden Objekt, zum anderen durch subjektive Erfahrungen im Umgang mit dem Objekt. Beim Aneignungsprozeß werden vom Subjekt die historisch gebildeten Fähigkeiten und Funktionen reproduziert. Die visuelle Wahrnehmung ist die adäquate Aneignungsform fotografischer Zeichen, wobei es die Eigenart der Wahrnehmung innerhalb von Erkenntnisprozessen ist,
„daß sie sinnliche Erkenntnis (ist), d.h. sie ist gebunden an eine direkte stoffliche Wechselwirkung zwischen dem Körper des wahrnehmenden Subjektes und dem zu erfassenden realen Gegenstand in der Außenwelt, also seine sinnliche Präsenz“ (Bayer/Bayer 1980, S. 198) (Wahrnehmung/sinnliche Erkenntnis ist der Oberfläche des Objektes verhaftet).
6.3.2 Charakteristika der Wahrnehmung als sinnliche Erkenntnis
Die Bindung der Wahrnehmung als sinnliche Erkenntnis an die Wechselwirkung zwischen Subjekt und Objekt, und damit an die sinnliche Präsenz, ist die Grundlage für die Fähigkeit des Subjektes sich die Umwelt unmittelbarer Erfahrungen anzueignen. Notwendigerweise bedeutet das für das Subjekt, daß sinnliche Erkenntnis immer der Oberfläche des realen Gegenstandes verhaftet ist – sinnliche Erkenntnis klebt also an der äußeren Hülle des Gegenstandes (einer Fotografie), an der Erscheinungsform.
„Das Subjekt stellt in der sinnlichen Erkenntnis keine eigenen Zusammenhänge her, sondern spiegelt die ihm gegenüberstehenden, von ihm geschaffenen Bedeutungsstrukturen von Objekten“ (Bayer/Bayer 1980, S. 214)
wider. Ein weiteres Charakteristikum der Wahrnehmung ist die Gebundenheit an Standort und Perspektive des Subjektes. Darunter ist der gesellschaftliche Standort des Subjektes zu verstehen (das Verhaftetsein in Schicht – und Klassenstrukturen). Der Standort des Subjektes schafft die jeweils unterschiedlichen Bedingungen für die Perspektive, für die Art und Weise des Erkennens von relevanten Bedeutungsstrukturen. In der Konsequenz wird durch diese Gebundenheit der sinnlichen Erkenntnis an Standort und Perspektive die Gesamtheit möglicher Erkenntnis begrenzt, insoweit, daß das Subjekt je nach Standort unterschiedliche Ausschnitte der Gesamtheit der objektiven Bedeutungsstrukturen wahrnimmt. Eine weitere Eingrenzung sinnlicher Erkenntnis erfolgt durch die Organisationstendenz von Wahrnehmung.
„Die Wahrnehmung in ihren Organisationstendenzen geht auf Eindeutigkeit, Abgehobenheit, Geschlossenheit. Das Ding ist entweder dies oder das“ (Bayer, Bayer 1980, S. 228; Hervorhebung im Text).
Sinnliche Erkenntnis hat also die Tendenz zur Eindeutigkeit.
6.3.2.1 Begrenzung der menschlichen Wahrnehmung
Die Wahrnehmung von Objekten der Außenwelt ist allein schon durch diese spezielle Form der sinnlichen Erkenntnisse aufgrund ihrer Charakteristika begrenzt.
a) Wahrnehmung ist generell abhängig vom physischen und psychischen Zustand des Subjektes, d.h. die Wahrnehmung von Objekten der Außenwelt findet nur adäquat statt, wenn eine optimale Stimulierung gegeben ist. So findet der Bilderblattkonsum (llustrierte) fast immer in der Freizeit, nach Feierabend statt oder in anderen Momenten relativer Entspanntheit und Konzentration.
b) Sie ist weiterhin beschränkt durch das Verhaftetsein an der Oberfläche, der sinnlichen Präsenz des Objektes.
„Der Erkenntnisvollzug, sofern er sich unmittelbar auf die Evidenz der Wahrnehmung und Anschauung einläßt und gründet, enthält gerade in der Gebundenheit an das Sichtbare notwendig einen Moment der Blindheit für objektive Zusammenhänge in ihrer wirklichen Totalität“ (Bayer/Bayer 1980, S. 232).
Sinnliche Erkenntnis, die an der Oberfläche haften bleibt, führt nicht zu einem Gewinn, sondern zu einer Einbuße ab Wirklichkeitserkenntnis. Andere Formen des Zusammenhangs, z.B. Erkenntnis über die eigene Position in der bürgerlichen Gesellschaft, Problematisierung etc., als oberflächliche Beziehungen werden für das Subjekt nicht sichtbar. Sie werden nur dann von Bewußtsein aufgenommen, als relevant erkannt und verarbeitet, wenn gesellschaftliche Widersprüche durch eigene Tätigkeit zur denkenden Erkenntnis führen. Oder anders formuliert, wenn die Betroffenheit des Subjektes eine andere Perspektive zur Folge hat, kann auch sinnliche Erkenntnis den Prozeß der Problematisierung einleiten
c) Die Tendenz der Wahrnehmung zur Geschlossenheit, zur eindeutigen Benennung hat zur Folge, daß sich Widersprüchlichkeiten niemals ursächlich sinnlich erfahren lassen und so auch nicht im Bewußtsein als zu lösende Probleme auftauchen
d) Sie (die sinnliche Existenz) nimmt nicht alle sinnlichen Gegebenheiten wahr, sondern ist durch Standort und Perspektive, in der die spezifische Schicht-/Klassen-/Gruppenzugehörigkeit der Subjekte eingeht, an bestimmte Ausschnitte der Lebenswirklichkeit gebunden. Standort und Perspektive und die sich daraus ergebenden unterschiedliche Erfassung von Bedeutungsstrukturen hat demnach subjektive Unterschiede durch differenzierte Aneignung zur Folge.6.3.3 Das Verhaftetsein sinnlicher Erkenntnis an der Oberfläche am Beispiel der Warenästhetik der Fotografie
Die Warenästhetik der Fotografie (vgl. Kap. 2) in ihren Ausprägungen des ‚technizistischen und professionellen Scheins’ ist das Ergebnis gesellschaftlicher Prozesse. Der ‚Wert’ der Ware Fotografie ist von ihrem eigentlichen Gebrauchswert (von ihrer konkreten Eigenschaft) abstrahiert, da Waren in einer kapitalistischen Gesellschaft Produkte von Einzelkapitalisten sind und auf dem Markt gegeneinander getauscht werden müssen. Maßstab dieses Tausches unterschiedlicher Produkte ist die gesellschaftliche Durchschnittsarbeitszeit.
Das gesellschaftliche Verhältnis, das in dem Wert der Ware Fotografie enthalten ist, verschwindet aber durch das System von Kauf und Verkauf auf dem Markt. Die Waren enthalten ihren für das Subjekt sichtbaren Wert allein aufgrund ihres ästhetischen Gebrauchswertversprechens. Dieser besondere Charakter von Waren im Kapitalismus ist für den einzelnen Menschen mittels sinnlicher Erkenntnis nicht erfahrbar. Von den Subjekten wird der „’Wert’ als eine in den Waren liegende Natureigenschaft wahrgenommen, also eine Eigenschaft, die genauso in den Dinge liegt, ihnen quasi genauso aus sich heraus zukommt wie die Gebrauchswertbeschaffenheiten“ (Bayer/Bayer 1980, S. 215).
Damit wird das Subjekt die Warenästhetik der Fotografie als der Ware Fotografie innewohnenden Gebrauchswertbestimmung ansehen, sofern es von seiner sinnlichen Wahrnehmung ausgeht. Der gesellschaftliche Widerspruch zwischen dem Gebrauchswert und dem Wert kann allein durch sinnliche Erkenntnis nicht erfahren werden. Die Oberfläche der Ware Fotografie (‚professioneller und technizistischer Schein’) findet somit Eingang in das Bewußtsein der Subjekte.
„Die Oberfläche wird immer für die Wirklichkeit selbst gehalten. Für die Wahrnehmung gibt es daran keinen Zweifel; ein sich nicht in der sichtbaren Bedeutung erschöpfendes Wesen ist für sie nicht denkbar… Der Schein wird als die einzige existierende Realität geradezu immer wieder hergestellt und befestigt“ (Bayer/Bayer 1980, S. 218).
6.4 Verarbeitungsformen sinnlicher Erfahrung im Bewußtsein
Neben der sinnlichen Erkenntnis, die zu unmittelbarer sinnlicher Erfahrung führt, ist die denkende Erkenntnistätigkeit eine zweite Form der Erkenntnis. Dabei geht das Denken von den in der Wahrnehmung gewonnenen sinnlichen Daten aus und verarbeitet sie. Dabei ist das Denken eine entwickeltere Form der Erkenntnis, die sich von der sinnlichen Oberfläche des Gegenstandes lösen kann. Denken erfolgt in Prozessen symbolischer Repräsentation (vgl. Bayer/Bayer 1980, S. 98), wobei die Sprache das Medium ist, über das sich Denken vollzieht. Sie ist also Träger des Erkenntnisprozesses für denkende Erkenntnistätigkeit. Denken vollzieht sich in Begriffen, in Benennungen von Bedeutungsstrukturen.
Denken als Prozeß geschieht nach dem Muster der Wahrnehmung (vgl. Kap. 6.3.2), d.h. Widersprüche werden elemeniert, komplexe Zusammenhänge nach ihrer oberflächlichen Struktur organisiert (vgl. Bayer/Bayer 1980, S. 267), wobei Denken als Erkenntnistätigkeit zu verstehen ist, d.h. es bildet sich nur auf Grundlage und durch die gesellschaftliche Praxis. Diese Praxis ist in der bürgerlichen Gesellschaft partikularisiert. Die Folge ist die Zersplitterung menschlicher Erfahrungen, Vereinzelung, die wiederum vermittelt durch sinnliche Erkenntnis im Denken fortgesetzt wird. Komplexe Zusammenhänge sind für das Subjekt nicht greifbar.
Der Effekt ist Geschlossenheit und Eindeutigkeit im Bewußtsein, das lediglich die Oberfläche der Objekte reproduziert. Diese Feststellung trifft zu für das Alltagsbewusstsein. Denken kann als eine entwickelte Form subjektiver Erkenntnis aber mehr leisten, sofern es problemlösendes Denken wird. Wesen des problemlösenden Denkens ist, daß es sich Aufgaben stellt, also in Tätigkeit, in bewußte Auseinandersetzung um Mittel und Ziele des Subjektes mündet. Aber die Partikularisierung der Wirklichkeit hat zur Folge, daß selbst das problemlösende Denken in der bürgerlichen Gesellschaft den Einzelproblemen subjektiver Existenz verhaftet bleibt.
„ Der Unterschied liegt nur darin, daß die Stellung des Problems im bürgerlichen System kein aktives, schöpferisches Tun mehr ist, sondern lediglich ein passives, rezeptives Nachvollziehen, ein bloßes Zur-Kenntnis-Nehmen des naturwüchsig schon selbst entstandenen Widerspruchs zwischen Ziel und Mittel“ (Bayer/Bayer 1980, S. 293).
Damit ist Alltagserkenntnis (sinnliche Erkenntnis und denkende Erkenntnis) orientiert an der Oberfläche, den Scheinhaftigkeiten der bürgerlichen Gesellschaft, eine Form des bloßen orientierenden Erkennens (vgl. Bayer/Bayer 1980, S. 318).
6.5 Bedeutung und Funktion des Fotos innerhalb der sinnlichen Erkenntnis
Die Entwicklung der Fotografie hat einen qualitativen Sprung innerhalb sinnlicher Erkenntnistätigkeit zur Folge. Der praktische Aneignungsprozeß wird verkürzt, indem durch das Foto Abbilder von Wirklichkeit frei verfügbar werden und als Informations- und Nachrichtenträger Wirklichkeit ersetzen können. Hier wird das Foto also zum Symbol für Wirklichkeit.
Im praktischen Aneignungsprozeß wird so Wahrnehmung zur Wahrnehmung durch das Foto. Sie tritt neben den praktischen Aneignungsprozeß der unmittelbaren Wirklichkeit. Dabei bleibt aber das Foto immer noch der Wahrnehmung verhaftet und reproduziert lediglich die Oberfläche der Objekte der realen Gegenstandswelt. Sie ist im Gegensatz zur Sprache, die Grundlage ‚symbolischer Repräsentation’ im Denken ist, der Außenwelt verhaftet, quasi als äußerliches visuelles Gedächtnis der Subjekte zu bezeichnen.
6.5.1 Fotografie als Objekt
Innerhalb einer konkreten Rezeptionssituation tritt das Foto also anstelle der Wirklichkeit. Es ist damit Objekt sinnlicher Erkenntnis. Dabei ist der Erkenntnisprozeß nicht nur durch die Begrenzung sinnlicher Wahrnehmung beschränkt (optimale Stimulierung, verhaftet-sein an der Oberfläche, Tendenz zur Eindeutigkeit, Begrenzung durch Standort und Perspektive), sondern ebenso durch die Einschränkungen des fotografischen Zeichens (nicht-Eindeutigkeit der Inhalte, zu große Komplexität, zu viele Teilbeziehungen), die zur Folge haben, daß Bedeutungsstrukturen nicht eindeutig erkannt und identifiziert werden, daß das Objekt (Foto) nicht eindeutig benannt werden kann und so denkende Erkenntnistätigkeit (als Reflexion; wobei hier das Foto Anlaß sein könnte) nicht stattfindet.
Diese Reaktion der Subjekte ist vor allem bei Fotografien mit künstlerischem Anspruch zu erwarten. Die alltägliche Rezeption wird aber bestimmt durch die Bilder der Massenpresse, die durch ihre Orientierung am Massengeschmack sich inhaltlich und formal auf niedrigem Niveau bewegen, deren Bedeutungsstrukturen ohne weiteres erfaßt werden können, da sie der Oberfläche verhaftet bleiben, mithin geschlossen und eindeutig sind und so auch der Alltagserkenntnis mit ihrer bloßen Orientierung an der Oberfläche entgegenkommen. Das Ergebnis der sinnlichen Erkenntnistätigkeit der Massenpresse ist die Widerspiegelung der Stereotypen, der tradierten Gebrauchsweisen von Fotografie – in Form von Erkenntnissen, Erfahrungen als Resultate dieser Aneignungsprozesse – im Bewußtsein
6.5.2 Die Vergegenständlichung subjektiven Bewusstseins
Die Produktion von Fotos wird hier als Vergegenständlichung subjektiven Bewußtseins verstanden. Dabei ist der Aneigungsprozeß auf die Wirklichkeit gerichtet, die in diesem Fall das Objekt sinnlicher Erkenntnis ist. Die Fotografie kann in diesem Zusammenhang als Erkenntnismittel verstanden werden. Mit Hilfe der Fotografie spiegelt das Subjekt im fotografischen Abbild die objektive Wirklichkeit durch sein Bewußtsein hindurch.
Somit ist das Foto immer Ergebnis einer bewußten Entscheidung, einer bewußten Auswahl innerhalb der realen Gegenstandswelt. In die Produktion von Fotos gehen die Alltagserkenntnis (als Summe von Erfahrungen) des Subjektes in Form der Erfahrungen mit dem Medium Fotografie und seine gesellschaftlichen Erfahrungen (der spezielle Standort), d.h. die Gruppenzugehörigkeit, die jeweiligen Normen der Gruppe, mit ein. Der Akt des Fotografierens ist insoweit schon eine höhere Form der Aneignung, da er von der unmittelbaren Wirklichkeit abstrahiert ist.
Mit Hilfe der Fotografie wird sinnliche Erkenntnis der Wirklichkeit vermittelt erfahren. Sie bleibt aber aufgrund der Begrenzung des sinnlichen Erkenntnisprozesses an der Oberfläche verhaftet, bloßes rezeptives Nachvollziehen von Wirklichkeit.
Festzuhalten ist hier auch, daß die Vergegenständlichung, die Produktion von Fotos, der Akt der Fotografierens nicht nur Widerspiegelung subjektiver Erfahrungen durch die Rezeption der Massenpresse ist, sondern auf Erfahrungen bei der Aneignung von Wirklichkeit durch die Fotografie beruht, d.h. z.B. wenn ich die Erfahrung machen, daß ich mit einem Teleobjektiv keine Gebäude aufnehmen kann, werde ich, sofern ich die Möglichkeit dazu besitze, das nächste mal auf ein Weitwinkelobjektiv zurückgreifen (insgesamt berührt dies den Punkt der Repertoireprobleme).
Diese Erfahrung wird, falls ich sie durch verstärkte Praxis bestätigt sehe, Eingang in das subjektive Bewußtsein finden. Und ebenso wird sie wieder auf die Rezeption von Fotos zurückwirken, indem ich fotografische Zeichen lerne zu entschlüsseln, weil ich Kenntnis über den Entstehungsprozeß besitze, so daß sich hier folgern läßt, daß ein Zusammenhang besteht zwischen sinnlicher Erkenntnistätigkeit (Wahrnehmung) und der Produktion von Fotos. Dieser Zusammenhang läßt sich wahrscheinlich sehr leicht mittels einer empirischen Untersuchung nachweisen.
Das als regressiv bezeichnete Bewußtsein über Fotografie, das sich darin ausdrückt, daß weder die Gesamtheit der technischen Möglichkeiten noch die inhaltlichen Möglichkeiten (durch Fotografie Problematisierung von Gesellschaft, der eigenen Existenz) genutzt werden (siehe Stereotypen), ist nicht nur ‚bloße’ Widerspiegelung der Ideologie der Fotografie, die durch die Bewußtseinsindustrie vermittelt wird, sondern ebenso Produkt der sich im Subjekt durch die Begrenzungen sinnlicher Erkenntnis im Laufe des Aneignungsprozesses herstellenden Alltagserkenntnis.
„Das Alltagsbewusstsein beruht viel mehr auf einer sich durch die Tätigkeit des Subjektes von selbst herstellenden Erkenntnis, die klebt an der Erscheinungsformen der oberflächlichen Wirklichkeit des bestehenden Gesellschaftssystems. Die durch die Wahrnehmung hergestellten Zusammenhänge sind deshalb auch niemals eine falsche, sondern lediglich eine oberflächliche Kennzeichnung der Wirklichkeit“ (Bayer/Bayer 1980, S. 234).
Fotografie als Widerspiegelung subjektiven Bewusstseins kann deshalb nie mehr sein als oberflächlich, sofern nicht von Seiten des Subjektes die Form des bloßen passiven, orientierenden Erkennens verlassen wird.
7. Ausblick: Möglichkeiten einer fortschrittlichen Verwendung von Fotografie
Am Schluß dieser Arbeit sollen die Möglichkeiten einer fortschrittlichen Nutzung des Mediums Fotografie angeschnitten und diskutiert werden.
Eine Möglichkeit wurde schon in dem Abschnitt ‚Vergegenständlichung’ (Kap. 6.5.2) angesprochen: der Zusammenhang von verstärkter Praxis und vermehrter Kenntnis über die formal-technischen Eigenschaften von Fotografie. Die gesellschaftliche Praxis der engagierten Amateurfotografen zeigt, daß diese Tatsache nur begrenzte Auswirkungen hat. Die engagierten Amateure sind diejenigen, die von den privaten Produzenten die größte Praxis besitzen und mit technischen Fragen der Fotografie vertraut sind. Die Produkte ihrer Tätigkeit sind anspruchsvoller, spiegeln jedoch ebenso den ästhetischen Schein, die Oberfläche der Objekte wider, wie die Fotografie in den Massenmedien. Erfahrungen, die aufgrund der Verwendung von Fotografie als Erkenntnismittel entstanden sind, bleiben also der sinnlichen Erkenntnis verhaftet und haben demnach keine differenzierte, problematisierende Darstellung von Wirklichkeit zur Folge.
Eine weitere Möglichkeit, die sich aus dem Wesen des fotografischen Abbildes ergibt, wäre es die Komplexität des Fotos auszunutzen, denn die Komplexität des fotografischen Abbildes hat Subtilität zur Folge, läßt vielfache Beziehungen zu und kann Brüche aufdecken und so evtl. Anlaß für Problematisierung und Reflexion sein. Dem steht aber wiederum die Begrenzung der Wahrnehmung entgegen (Tendenz zur Eindeutigkeit, Geschlossenheit etc.) und damit verbunden die fehlende Kenntnis über Bedeutung und Aussagewirkung fotografischer Zeichen.
Selbst dann, wenn die Multiinterpretabilität des Fotos durch Monosemierung und Verallgemeinerung aufgehoben würde – abgesehen davon, daß dieser Vorgang Ausdruck eines bewussten Prozesses wäre, wäre die sinnliche Erkenntnis allein der Oberfläche verhaftet und von Seiten der Bewusstseinsindustrie würde unter gegebenen gesellschaftlichen Verhältnissen keine Veränderung der Inhalte in Richtung auf eine problematisierte Sichtweise von Realität erfolgen.
Ebenso blind wäre es zu vermuten, daß ökonomische Qualität (die massenhafte Produktion von Fotogeräten) irgendwann in soziale Qualität umschlägt, in einer Art Automatismus, wie das teilweise von der ‚Arbeiterfotografie’ in der Deutschland vertreten wird, d.h. die massenhafte Verbreitung hochwertiger Fotoapparate und Kenntnis über den entsprechenden Gebrauch dieser Geräte reichen alleine nicht aus.
Alle o.a. Möglichkeiten sind nach wie vor der ‚Oberfläche’ verhaftet und können allein zumeist keine Veränderung des Alltagsbewusstseins bewirken. Wir müssen also die Ebenen des bloßen orientierenden Erkennens verlassen. Dazu wurde bereits in dem Abschnitt „Verarbeitungsformen sinnlicher Erfahrung im Bewußtsein“ (Kap. 6.4) das problemlösende Denken als eine zweite Form der Erkenntnis angeführt. Problemlösendes Denken geht über sinnliches Erkennen hinaus, indem es sich Aufgaben stellt, in bewußte Auseinandersetzungen um Mittel und Ziele des Subjektes mündet, ein Vorgang, den man als Reflexion bezeichnen kann.
Auf die Fotografie bezogen bedeutet dies, daß
- theoretisch erworbene Erkenntnisse über den gesellschaftlichen Gebrauch der Fotografie in den Medien und die sozialen Möglichkeiten und Funktionen von Fotografie (Weitergabe von Erfahrungen, Sichtbarmachung des alltäglichen usw.) im Bewußtsein vorhanden sein müssen
- Kenntnisse über die formal-technischen und inhaltlichen Möglichkeiten von Fotografie vorhanden sein müssen – insbesondere über das ‚Alphabet’ der Semiotik der Fotografie (siehe Zeichencharakter) – um der Manipulation durch ästhetischen Schein vorzubeugen, ebenso wie Kenntnisse über das Repertoire fotografischer Sichtweisen von Realität.
Sinnliche Erkenntnis als Teil von Alltagserkenntnis bleibt nach wie vor der Oberfläche verhaftet, kann aber durch den Vergleich mit der theoretischen Erkenntnis überprüft und hinterfragt werden. Das Verhältnis von Reflexion und sinnlicher Erkenntnis ist nicht als ein einseitiges zu verstehen (indem vor allem bei der Produktion von Fotos theoretisch erworbene Kenntnisse ‚automatisch’ eine veränderte Praxis zur Folge haben), sondern muß als Wechselwirkung zwischen der Alltagserkenntnis und der theoretischen Erkenntnis gesehen werden.
Der Erwerb theoretischer Erkenntnis allein ist keine Garantie für eine reflexive Verwendung von Fotografie und eine differenzierte Sichtweise von Realität durch das Foto. Zur Reflexion, die im Endeffekt in einen veränderten Umgang mit dem Medium Fotografie führt, kann es nur dann kommen, wenn das Subjekt anhand der eigenen Praxis Widersprüche erfährt, die eine Problemlösung im Denken erfordern. In der Fotografie als erkenntnismittel sind diese Widersprüche eigentlich immer präsent: So glauben die meisten Menschen, daß Fotografie ‚Wirklichkeit’ ist und gehen mit den entsprechenden Erwartungen an ihre eigene fotografische Praxis heran.
Spätestens dann, wenn die ersten Bilder entwickelt werden, wird z.B. bei der Farbfotografie – die von den meisten Amateuren genutzt wird – offensichtlich, daß Wirklichkeit und Fotorealität relativ weit auseinanderliegen: ein Farbfoto gibt nie realistische Farben wieder, sondern hat immer einen spezifischen, vom Material abhängigen Farbstich. Rein theoretisch könnte dieser Widerspruch zum Anlaß der Reflexion, des Nachfragens von Seiten des Subjektes werden. Doch die Problematisierung geht über die Enttäuschung über das eigene Unvermögen oder das technische Versagen der Kamera nicht hinaus. Der Widerspruch wird nicht als ein der Fotografie innewohnender begriffen.
Die ‚Problemlösung’ die vom Amateur bevorzugt wird, ist wahrscheinlich die, den Angeboten der Bewusstseinsindustrie nachzugeben und sich anderen Filme und ‚professionellere Geräte’ zuzulegen. Das verweist darauf, daß ein fortschrittliches Bewußtsein über Fotografie, das eine reflexive Praxis und differenzierte Sichtweise der Realität zur Folge hätte, nicht isoliert gesehen werden kann, sondern im Zusammenhang mit einem Alltagsbewusstsein steht, das aufgrund der Partikularisierung der Subjekte in dieser Gesellschaft prinzipiell die subjektive Existenz kaum in Frage stellt, sondern eher auf passives, rezeptives Nachvollziehen angelegt ist.
Der Mangel an Problembewusstsein, an kritischer Reflexion der Stereotypen der Fotografie ist ein gesellschaftliches Problem, somit ein Charakteristikum der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft. Das heißt natürlich nicht, daß wir auf eine neue Gesellschaft und/oder die Revolution warten müssen, ehe sich die Gebrauchsweisen der Fotografie verändern können. Ansätze dazu müssen ‚hier und jetzt’ geschaffen werden. Wenn es gelingt, die gängige Verwendung von Fotografie zu problematisieren, wird dies auch Auswirkungen auf das Alltagsbewusstsein insgesamt haben, insoweit, daß eine kritisch-reflexive Verwendung Ausdruck eines insgesamt veränderten Alltagsbewußtsein der Subjekte dieser Gesellschaft ist und auf die Aneignungsprozesse insgesamt zurückwirkt.
Fortschrittliches Bewußtsein über Fotografie hängt also immer mit einem insgesamt fortschrittlichen Bewußtsein über Zusammenhänge dieser Gesellschaft zusammen. Dementsprechend muß der Ansatz zur Veränderung als gesellschaftlicher begriffen werden und gesellschaftlich ansetzen, da subjektives Bewußtsein immer der eigenen Existenz verhaftet ist. Nur indem die Subjekte ihre eigene Produktion als Widerspiegelung des gesellschaftlichen Bewusstseins über Fotografie bereifen und ihre Produktion als gesellschaftlich relevant erkannt wird, läßt sich eine grundsätzliche Veränderung des regressiven Bewusstseins über Fotografie erreichen und die Fotografie zu einer wirklichen ‚Volkskunst’, zu einem die Sinne öffnenden revolutionären Produktionsmittel werden.
7.1 Die reflexive Verwendung von Fotografie
Der Subjektive Gebrauch den die Amateure von der Fotografie machen, ist also nicht nur geprägt von den jeweiligen Kenntnissen über Fotografie, sondern ebenso durch ein Alltagsbewußtsein, das sich über die subjektive Existenz insgesamt herstellt und damit abhängig von Standort und Perspektive (Schicht- und Gruppenzugehörigkeit) und Ausdruck der Partikularisierung der menschlichen Existenz ist. Der Ansatz für eine Veränderung müsste demnach bei der gesellschaftlichen Existenz der Subjekte ansetzen, um der Partikularisierung entgegenzuwirken.
Ein Projekt, das sich zum Ziel setzt eine reflexive Verwendung des Mediums Fotografie zu initiieren, könnte in folgenden Schritten ablaufen:
- Sichtbarmachung der Struktur von Amateurfotos durch Ausstellung und Sammlung von Materialien der Amateurfotografen. Dies könnte bspw. unter dem Stichwort „Deutsche Fotografieren“ zielgerichtet Amateure mit einer bestimmten Themenstellung ansprechen. Entsprechend den Klischees der Amateurfotografie würden sich die Themen ‚Mein schönster Urlaub’, ‚Meine Familie’ geradezu anbieten.
Hierbei ist an einen öffentlichen Aufruf durch Plakate, Zeitungen etc. gedacht, wobei gleichzeitig ein fester Raum als Anlaufpunkt für die Dauer des Projektes vorhanden sein müßte.
Ziel wäre hierbei, dem ‚Verhaftetsein in der eigenen Existenz’ ein gesellschaftliches Bild von Fotografie entgegenzuhalten. Durch die Sichtbarmachung von Strukturen und Gesetzmäßigkeiten in Form einer Ausstellung ist ein Ansatz für das Subjekt geschaffen, seinen Gebrauch von Fotografie im Zusammenhang der Produktion anderer Amateure zu sehen und gemeinsam Stereotypen zu entschlüsseln.
- Problematisierung: Der zweite Schritt wäre die Diskussion über das vorhandene Material. Dabei müßten theoretische Vorgaben von Seiten der Initiatoren in Form von Darstellung der Geschichte der Fotografie, Fotografie als Kunst, Bildjournalismus, Gegenüberstellung von Medien- und Amateurfotografie etc. gemacht werden. In die Diskussion müßte vor allem die an der Ausstellung Beteiligten mit einbezogen werden.
In diesem Schritt soll die Löslösung von der bloßen orientierenden Erkenntnis hin zu einem Begreifen/Erkennen von Zusammenhängen und der Reflexion der eigenen Praxis in Verbindung mit theoretischen Erkenntnissen erfolgen. - Anwendung: Die durch die Problematisierung erworbenen Erkenntnisse müssen durch eigene Praxis überprüft werden. Nur dann, wenn Erkenntnisse sich in einer dauerhaften Praxis niederschlagen, wird eine Veränderung des Alltagsbewußtseins möglich sein. Dabei ist zu berücksichtigen, daß Praxis im Alltag der Subjekte ansetzen muß, mit der spezifischen Lage des Subjektes, seiner Verankerung in einer bestimmten sozialen Gruppe zusammenhängen muß, weil nur so evtl. Widersprüche in der Alltagserkenntnis verankert werden.
Konkret müssen Gruppen von Teilnehmern gebildet werden, die eine gemeinsame Themenstellung, die sich aus der Diskussion entwickelt hat und die mit dem Alltag der Beteiligten zusammenhängt, fotografisch bearbeiten und die Umsetzung des Themas in eine Präsentation der Arbeitsergebnisse planen.
- Schaffung von Öffentlichkeit: Die Umsetzung der Arbeitsergebnisse in eine neue Ausstellung (evtl. Plakate und andere mögliche Präsentationsformen) hätte zum Ziel, die aufgrund von Reflexion gewonnenen Erkenntnisse und die daraus resultierenden neuen Sichtweisen von Realität durch das Foto, für die Subjekte selber sichtbar zu machen und im Vergleich zur klischeehaften Praxis einen kritischen Umgang mit dem Medium zu bestärken, aber auch die Ergebnis in die öffentliche Diskussion zu tragen, und so ein Nachdenken über Fotografie zu initiieren.
Auf dieser Basis können wir sagen, daß sich eine reflexive Verwendung von Fotografie darin äußert, daß das Subjekt die in die Fotografie eingehenden Normen hinterfragt und in einzelnen Zusammenhängen und Situationen immer wieder überprüft; Ziel und Mittel in Einklang bringt, indem es sich fragt: was fotografiere ich? mit welchen Mitteln und für wen? was hat es mit mir zu tun?. Am Ende hätte dies eine differenzierte Rezeption von Fotografie zur Folge, da die in den Massenmedien reproduzierten Fotos kritisch ‚gelesen’ würden, also der Entscheidungsprozeß und die manipulierte Sichtweise der Medienfotografie gedanklich rekonstruiert werden könnten.
Ebenso würde sich die Aneignung von Realität durch Fotografie als Erkenntnismittel dahingehend verändern, daß Realität differenzierter wahrgenommen würde und Fotografie ihre sinnliche Kraft durch Artikulation von Betroffenheit, Wünschen, Sehnsüchten und Standpunkten entwickeln könnte.
BILDNACHWEIS
S. 1 Volksfoto 1981: Zeitschrift für Fotografie Frankfurt/M.
S. 7 Thomas Schmidt 1983
S. 19 Anzeigen aus: Color-Foto 1983, Sept. 83
S. 21 Volksfoto 1981
S. 23 Anzeigen aus: foto-scene 1983, Sept./Okt. 83, Color-Foto 1983, Nov. 83
S. 29 Color-Foto 1983, Nov. 83
S. 38 Volksfoto 1981
S. 43 Volksfoto 1981
S. 57 Volksfoto 1981
S. 60 Volksfoto 1981, Color-Foto 1983
S. 88 Thomas Schmidt 1982
S. 100 Volksfoto 1981
LITERATURVERZEICHNIS
Aktion, Illustration, Feature. Beispiele bildjournalistischer Fotografie, Museum Folkwang (Hrsg.), Essen 1977
Ästhetik und Kommunikation 1977, Heft 28: Fotografieren, Berlin
Barthes, Roland 1964: Mythen des Alltags, Frankfurt
Bayer, Herbert/Bayer, Mechthild 1980: Erfahrung und Bewußtsein, PRV-Hochschulenschriften, Bd. 39, Köln
Benjamin, Walter 1977: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, Frankfurt a.M.
Berger, John u.a. 1974: Sehen. Das Bild der Welt in der Bilderwelt, Reinbek bei Hamburg
Berger, John 1981: Das Leben der Bilder. Die Kunst des Sehens, Berlin
Bibliothek der Fotografie, Bd. 5: Photographie als künstlerisches Experiment, Luzern und Frankfurt 1974
Bourdieu/Boltanski/Bastel/Chambordon/Lagneau/Schnapper 1981: Eine illegitime Kunst. Die sozialen Gebrauchsweisen der Photographie, Frankfurt
Brecht, Berthold 1967: Schriften zur Literatur und Kunst I, Gesammelte Werke Bd. 18m Frankfurt a.M.
Brög, Hans 1979: Erweiterung der allgemeinen Semiotik und ihrer Anwendung auf die Life-Photografie, Kastellaum/Hunsrück
Freund, Gisele 1979: Photografie und Gesellschaft, Reinbek bei Hamburg
Günter, Roland 1977: Photografie als Waffe, Hamburg/Berlin (West)
Haug, W.F. 1976: Kritik der Warenästhetik, Frankfurt a.M.
Hernek, Friedrich 1979: Fotografie und Wahrheit, Leipzig
Hüneke, Andreas u.a. (Hrsg.) 1981: Medium Fotografie, Leipzig
Kahmen, Volker 1973: Fotografie als Kunst, Tübingen
Kasper, Josef 1979: Belichtung und Wahrheit. Bildreportage von der Gartenlaube bis zum Stern, Frankfurt/New York
Keller/Molderings/Ranke 1977: Beiträge zur Geschichte und Ästhetik der Fotografie, Lahn-Gießen
Kemp, Wolfgang 1978: Foto-Essays zur Geschichte und Theorie der Fotografie, München
Kemp, Wolfgang (Hrsg.) 1980: Theorie der Fotografie I (1839-1912), München
Kemp, Wolfgang (Hrsg.) 1981 Theorie der Fotografie II (1912-1945), München
Kemp, Wolfgang (Hrsg.) 1983: Theorie der Fotografie III (1945-1980), München
Kracauer, Siegfried 1959: Die Angestellten. Eine Schrift von Ende der Weimarer Republik
Kracauer, Siegfried 1963: Die Photographie (1927); in: Das Ornament der Masse, Frankfurt
Kramer, Dieter 1975: Freizeit und Reproduktion der Arbeitskraft, Köln
Krauss, Rolf H. 1979: Photographie als Medium. 10 Thesen zur Konventionellen und Konzeptionellen Photographie, Berlin
Kunde, Wolfgang/Wawrzyn (Hrsg.) 1979: Eingreifendes Fotografieren, Berlin (West)
Negt, Oskar/Kluge, Alexander 1977: Öffentlichkeit und Erfahrung. Zur Organisationsanalyse von bürgerlicher und proletarischer Öffentlichkeit, Frankfurt a.M.
Prokop, Dieter 1974: Massenkultur und Spontanität. Zur veränderten Warenform der Massenkommunikation im Spätkapitalismus, Frankfurt a.M.
Prokop, Gert 1978: Die Sprache der Fotografie, Berlin
Sontag, Susan 1978: Über Fotografie, München/Wien
Volksfoto 1981: Zeitschrift für Fotografie, Frankfurt a.M.
Waller, Klaus 1982: Fotografie und Zeitung. Die alltägliche Manipulation, Düsseldorf
Wörterbuch der Psychologie, Clauß, Günter (Hrsg.), Leipzig 1978
![]()



.jpg)
.jpg)
.jpg)

.jpg)















Anonym
Als Autor einladen
Kodak
Kodak verschenkte demonstrierte auf den Ozean-Schiffen ihre Box, die Einfach-Kameras. Diese waren für ihren 120er-Rollfilm eingerichtet. An Land benötigten die neuen Besitzer nicht irgendeinen, sondern den 120er-Film (6 x 9 cm), wodurch dieser in grossen Stückzahlen billig angeboten werden konnte.
Bald bauten diverse Firmen ihre Kameras für diesen recht guten und günstigen Film,was wiederum die Stückzahlen bei Kodak in Rochester hochtrieb....