Hundeerziehung - neue Wege, alte Methoden


Einleitung

 
Gibt es den idealen Weg einen Hund zu erziehen? Ich meine: nein. Es gibt viele verschiedene Ansätze, die sicherlich alle ihre Berechtigung haben. Aber nicht jede Methode eignet sich für jeden Hund.
 
 
 

Voraussetzung für die richtige Erziehung

 
Es gibt einige Voraussetzungen die ein pflichtbewusster Hundehalter für die Erziehung seines Hundes mitbringen sollte:
 
  • der gundsätzlich Wille Zeit und Mühe zu investieren
  • Ausdauer
  • Gelassenheit
  • Konsequenz
  • Liebe
  • Führungsstärke
  • Mut (notfalls fachlich kompetente Hilfe in Anspruch zu nehmen)
  • Sorgfalt
  • Beobachtungsgabe
  • Die Bereitschaft zu erkennen, falls man schon Hundeerfahrung hat, dass diese nicht immer ausreichend ist
 
Vieles kommt mit der Zeit, man eignet es sich gezwungenermaßen an. Aber man sollte sich schon darüber im Klaren sein, dass ein paarmal die Welpenspielstunde zu besuchen in den seltentsten Fällen ausreichend ist. Dies gilt umso mehr, je höher der Stellenwert des Hundes im Rudel wäre. Hierbei spielt die Größe des Hundes keine Rolle. Ein großer, zum einfachen Grundgehorsam erzogener Hund ist sicherlich wesentlich angenehmer zu ertragen, als ein kleiner, nichterzogener Hund, der ständig kläfft und an den Hosenbeinen zerrt. Die Verantwortung zur Erziehung ist von Rasse und Größe also völlig unabhängig. Außerdem muss man sich bewusst machen, dass man mit einem Hund so lange er lebt, eigentlich ständig ein Kleinkind bei sich hat. Man muss ihn sein Leben lang erziehen, sonst geht das Gelernte schnell verloren...
 
 

Wieviel Strenge ist erlaubt?

 
Früher wurden Hunde viel geschlagen. Sie kamen nicht gleich wenn sie gerufen wurden - wenn sie dann kamen, bekamen sie die Leine zu spüren (mit dem Ergebnis, dass der Hund lernte, dass es sich nicht lohnt zu kommen - im Gegenteil). Kommando nicht sofort ausgeführt - mit der Leine geantwortet. Die kann sicherlich nicht der Weg zu einer erfolgreichen Hundeerziehung sein.
 
Heute wird oft empfohlen: Gutes Verhalten belohnen (mit Leckerlies und Streicheleinheiten) und schlechtes Verhalten ignorieren. So lernt der Hund welches Verhalten sich lohnt. Er lernt aber nicht, dass er keine Schuhe zerlegen darf, weil dieses schlechte Verhalten ja ignoriert wird. Auch dies ist sicherlich nicht der richtige Weg.
 
Ein Hund muss lernen, so wie jedes Kind auch. Es gibt Verhalten das belohnt wird und es gibt Verhalten das gerügt wird. Es gibt sogar Verhalten das bestraft wird. Die Frage ist nur immer wie und wieviel.
 
Am Anfang kann ich gutes Verhalten durchaus mit Leckerlies belohnen. Dies hinterlässt gerade beim Welpen großen Eindruck. Aber leider auch ein paar Pfunde zuviel, wenn man vergisst, die Mengen in der Futtermenge mitzuberücksichtigen. Gerade bei Hunderassen die leicht zum "ansetzten" neigen sollte man frühzeitig auf andere Belohnungsformen umsteigen. Dies können ein jauchzendes "FEIN" sein, es können Streicheleinheiten sein oder ein tolles Spiel. Gerade Spiele fordern und fördern den Hund und danach macht er auch gerne ein kleines Schläfchen, was ja auch für den Hundehalter erholsam sein
 
 
 

Wann beginne ich mit der Erziehung?

 
Wenn ich meinen Hund als Welpen beim Züchter abhole, ist er -bei einem guten Züchter- bereits sozial vorgeprägt. Er sollte bereits Auto gefahren sein, dann gibt es auf der Fahrt ins neue Zuhause auch kaum Probleme. Je nach Länge der Autofahrt sollte man aber entsprechend kurze Pausen einplanen.
 
Zunächst wird er natürlich in seinem neuen Zuhause erst einmal ein paar Tage brauchen um sich einzufinden und neu orientieren zu können. Es gibt innerhalb des Wohnbereichs vieles zu entdecken und draussen sowieso. Die vielen neuen Düfte, vor Allem die, anderer Hunde sind mächtige Eindrücke, die das junge Wesen ersteinmal verarbeiten muss. Es kann auch vorkommen, dass junge Hunde sich scheuen sich zu lösen (ihr Geschäftchen zu machen), wenn sie riechen, dass sie das Revier mit älteren Artgenossen teilen müssen.
 
Dennoch darf man sich nicht scheuen mit der Erziehung schon am zweiten oder dritten Tag zu beginnen. Auch ein Welpe muss lernen, dass sein Beissen dem Menschen Schmerzen verursacht. Also ruhig die Hand oder den Arm mit einem nicht übertriebenen aber deutlichen "AUA" entziehen. Dadurch entsteht die Beisshemmung. Welpen setzten sich gerne von alleine hin, dann begleitend immer schon mal den Befehl "sitz" mitgeben. Mit der Zeit kann der Hund den Befehl mit seinem Tun verknüpfen und wird zu großen Freude von Frauchen oder Herrchen irgendwann den Befehl auch ausführen. Sinnvoll ist es in eine Hundeschule zu gehen. Dort kann er in der Welpenspielstunde sein soziales Verhalten zu Artgenossen trainieren und die Besitzer lernen, wie sie ihren Hund zu sitz, platz, und steh verführen und auch wie die dazugehörigen Sichtzeichen aussehen. Anfangs sollte der Hund immer mit Laut- und Sichtzeichen angewiesen werden. Für bestimmte Prüfungen später (z. B. die Begleithundeprüfung) sind die Sichtzeichen nicht zugelassen. Dennoch sollte man danach wieder mit beiden Zeichen arbeiten, damit der Hund, sollte er im Alter oder auf Grund einer Erkrankung blind oder taub werden, mit den Zeichen so vertraut ist, dass er mit einem Zeichen auskommt.
 
Wichtig ist auch die regelmäßige Fellpflege, auch wenn das Fell des Welpen diese Pflege vielleicht noch gar nicht so nötig hat. Man kann den Hund spielerisch heranführen oder ihm das Kämmen mit Leckerlies schmackhaft machen. Sonst kann es sein, dass man später Probleme bekommt. Zum einen mag der Hund es vielleicht nicht leiden, zum anderen fehlt einem selbst die Erfahrung. Auch hier wird man oft vom guten Züchter schon eingewiesen. Hilfreich kann auch eine Unterweisung durch einen Hundefriseur sein. Das A und O ist aber auch das richtige Werkzeug. Da dies sehr von der Fellbeschaffenheit abhängig ist, kann ich hier keine konkreten Tips geben. Aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen, dass man gerade bei Hunden mit längerem Haar eher mal mit dem Striegel durch Verfilzungen gehen sollte als mit einem Entfilzungsmesser. Denn damit wird oft auch das Deckhaar abgeschnitten und der Hund sieht dann recht unschön aus. Das Kämmen kann man sich auch erleichtern indem man eine Pflege (z. B. ein Nerzöl) aufsprüht. Das wirkt wie beim Menschen die Haarspülung und hat zumindest auf meinen Hund auch eine beruhigende Wirkung, vermutlich durch den Duft. Aber bitte nur sehr sparsam verwenden und die Haare anheben und drunter sprühen. 
 
An die Fellpflege kann man noch eine sehr schöne Übung anschließen, die den Hund darauf vorbeitet, dass man ihn auch mal untersuchen muss. Man sagt zu seinem  "Bello" z. B. "Bello: Ohren". Dann schaut man sich die Ohren gründlich an. Dasselbe macht man mit Augen, Zähnen, Pfoten. Lassen Sie sich diese Übung vom Züchter oder vom Tierarzt zeigen und wiederholen sie diese regelmäßig. Das wird sich spätestens beim nächsten Tierarztbesuch auszahlen.
 
 
 

Auswahl der richtigen Hundeschule

 
Zur Erziehung gehört eigentlich auch der Besuch einer Hundeschule. Hier wird vor allem der Hundeführer geschult, wie er richtig mit seinem Hund umgeht und Rudelführer bleibt. Sie mögen jetzt schmunzeln, aber ein Hund neigt generell dazu sich einen möglichst hohen Rang im Rudel zu sichern. Wenn sie nicht Rudelführer bleiben, können auch kleinste Hunde einem das Leben vermießen (Bellterror, Platzanspruch auf der Couch und dem Bett etc.). Hundeschulen gibt es viele - die richtige zu finden ist gar nicht so einfach. Nützlich ist es natürlich, wenn man ein paar gute Tipps von erfahrenen Hundehaltern bekommen kann. Und dann muss man einfach ausprobieren. Meist kann man die ersten zwei bis drei Trainingsstunden kostenlos teilnehmen um auszuloten, ob es passt. Dann wird in der Regel ein Training für einige Stunden oder einen begrenzten Zeitraum angboten, meist so zwischen zwanzig und vierzig Euro. Man kann auch durchaus zwei Hundeschulen parallel besuchen. So kann man besonders gut vergleichen. Wichtig ist, dass sie als Mensch sich wohlfühlen (ihre Stimmung überträgt sich auf den Hund), aber auch der Hund sollte gerne dort hingehen und mit Freude arbeiten.
 
Nach der Grundausbildung gibt es verschiedene Möglichkeiten weiterzumachen. Die Angebote sind vielfältig. Von der Begleithundeprüfung (die jedem Hund und jedem Halter gut zu Gesicht steht) über Agility oder DogDancing bis hin zu Obidience (Gehorsam) etc.
 
Auch wenn man keine weiterführenden Kurse belegen möchte, muss man mit dem Hund ständig üben um keinen Rückfall zu erleiden. Vor Allem die Grundregeln wie: "Ich gehe zuerst durch dir Tür und nicht der Hund", "Befehle werden durchgesetzt (und natürlich gelobt)" etc. müssen ein Hundeleben lang durchgehalten werden. Je selbstbewusster ein Hund ist - und das bezieht sich nicht nur auf Rüden - desto wichtiger ist die Konsequenz in der Hundeführung.